Leserbrief zum Thema Wiederansiedlung des Wolfes
Bestand sollte kontrolliert werden
Die Naturschutzinitiative Westerwald hält eine Regulierung des Wolfsbestands für nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Ich, als hauptberuflicher Weidetierhalter mit 500 Schafen, frage mich allerdings: Warum muss ein Weidetierhalter jeden Tag zwei bis drei Stunden unbezahlte Mehrarbeit leisten, damit Nabu und Co. ihren Traum von der flächendeckenden und unbehelligten Wiederansiedlung des Wolfs ausleben können? Ich lade alle Wolfsfreunde einmal ein, die Auswirkungen dieser naturromantischen Wiederansiedlung einer nur sehr schlecht mit unserer heutigen Kulturlandschaft kompatiblen Tierart am eigenen Leibe bei mir auf dem Hof zu erfahren. Früher war es problemlos möglich, eine Schafherde in unseren Gefilden im Freiland zu halten. Mit genug Futter auf der Weide und einem einfachen, mobilen Elektrozaun hatte man die Herde gut im Griff. Heute geht es nicht mehr nur darum, die Herde von einem Ausbruch abzuhalten, sondern auch, den Wolf aus der Herde herauszuhalten. Dies bedeutet ein zusätzliches, aufwändiges Freimähen der Zaunstellstrecke um jede Weidefläche, damit die Spannung auf dem Zaun hoch genug ist. Zusätzlich muss der Zaun 20 Zentimeter höher sein, damit ein Überspringen des Zauns durch den Wolf auch nur ansatzweise erschwert wird. Wohlwissend, dass erfahrenere Wölfe in anderen Bundesländern bereits bewiesen haben, dass ein Überspringen eines 1,10 m hohen Zaun für sie kein Problem ist. Das Freimähen des Zauns bedeutet deutlich mehr Arbeit, höhere Netze sind deutlich schwerer und mit höherem Aufwand zu errichten. Aufwand, den mir weder das Land, noch die Naturschutzinitiative Westerwald ersetzen. Damit wird eine Tierhaltungsart, die umweltschonend und nachhaltig regionale Lebensmittel, im Wettbewerb mit den Discountern, produziert, zusätzlich belastet. Hinzu kommt, dass der Wolf in der Herde nicht nur seinen Hunger stillt, sondern in einer Art Blutrausch mehr Schafe tötet als dafür notwendig. Ein gutes Beispiel ist der Wolf GW1896m, der zurzeit im Westerwald sein Unwesen treibt und auf dessen Konto über zehn Fälle gehen, in denen jeweils mehrere Tiere gerissen wurden. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Es geht uns Weidetierhaltern nicht darum, den Wolf wieder auszurotten! Aber derartige Problemwölfe, auf deren Konto derart viele Risse gehen, müssen sofort entnommen werden. Zusätzlich können ja die Wolfs-Aktivisten von Naturschutzinitiative Westerwald und Co. jeden Tag bei mir auf dem Hof erscheinen und mit anpacken. Unser Betrieb arbeitet auch sonn- und feiertags. Ich bin nicht gegen den Wolf, aber ich bin für unsere Weidetiere.
Schäfermeister Werner Neumann
Hof Meerheck, Heimbach-Weis,
1.Vorsitzender des
Landesverbandsder Schaf- und
Ziegenhalter und Züchter
Rheinland-Pfalz
& stellvertretender
Bundesvorsitzender der
Vereinigung der Deutschen
Landesschafzuchtverbände (VdL)
