Leserbrief zur Hochwasserkatastrophe
Bild und Zeitzeugenaussage des Hochwassers anno 1804
Die Steinzeichnung der Hochwasserkatastrophe an der Ahr im Jahre 1804 stellt wohl das einzige Bild dar, das zu dieser Flutwelle nach 1804 geschaffen wurde. Es entstand allerdings erst über 30 Jahre später für eine Bildmappe mit Lithographien von N. Ponsart (1788 - 1870) aus dem Ahrtal. Übrigens erinnert eine Gedenktafel in Altenahr an diesen Künstler.
Von der Flutwelle anno 1910 gibt es dagegen schon Fotographien in großer Zahl. Millionenfach dürfte die aktuelle Katastrophe in Bild, Text und Film dokumentiert worden sein.
Das Bild zur Flut von 1804 wurde erst rund 30 Jahre später nach einer Zeitzeugenaussage geschaffen, die Ansgar van Hasselt in einer kleinen Würdigung des Ahrtals nach einer Wanderung festgehalten hat. Abgedruckt wurden sein Text und auch die Lithographie von N. Ponsart als Nachdruck in dem Werk „DAS AHRTAL Rheinpreußen.“ Nach der Natur gezeichnet und lithographiert von N. Ponsart, Malmedy. Neu herausgegbeben von Helmut Poppelreuter und Manfred van Rey 1982. (Test S.19, Bild S. 71).
Die Zeichnung führt dem Betrachter die Dramatik des Geschehens in einer Momentaufnahme mit dem unvorstellbaren Leid der Opfer vor Augen. Hierzu die erschütternde damalige Schilderung:
„... Wer all diese Höhen (im Ahrtal) glücklich erstiegen, sein Auge an den mannichfachen Schönheiten geweidet, und sich dennoch nicht zu sehr ermüdet fühlt, der schlage noch den Weg nach Altenburg ein, bewundere im Vorübergehen die Hohenlei, und verweile einen Augenblick in dem ärmlichen Hause am Fusse dieses Berges, wo man ihm erzählen wird, was die Ahr vermag, wenn ihre Wogen zürnend aufbrausen, und welche grässlichen Verheerungen sie im Jahre 1804 in diesem Thale anrichtete.
Zu jener Zeit vernahm man ein Angstgeschrei, das von Berg zu Berg wiederhallte. Ein Wolkenbruch war nemlich über den Landstrich gefallen, den der Fluss hier durchschneidet. Dieser schwoll alsbald zum fürchterlichen Strome an, riss in seiner Wuth schonungslos alles mit sich, was ihm in den Weg trat, löste ganze Felsmassen los, und erschütterte ihre Grundfesten. Eine Strohhütte wurde von den empörten Elementen mitfortgeschwemmt, wie eine leichte Feder hin und her geschaukelt, während vier kleine Kinder ihre Händchen daraus hervorstreckten, und ängstlich um Hülfe fleheten.
Im Moment, wo dieses schwache Gebaeude in den Wellen zu versinken drohete, sah man einen Mann und eine Frau auf einer Felsenspitze, die Hände vor Verzweiflung ringen, den Blick gegen den Himmel gerichtet, und mit den unglücklichen Geschöpfen, die sie nicht mehr zu retten vermochten, einen langen, schmerzlichen Hülferuf ausstossen.
Es waren die Eltern der vier Kinder. Die Mutter ist längst dahin gegangen; der Vater lebt noch, und wohnt unter dem neu restaurierten Strohdache, das am Fusse des Altenburger Bergs liegt.
Dem armen Greise bleiben nur noch Thränen, um sein Unglück zu beweinen, und Worte, um die schauderhafte Katastrophe zu schildern, die sich damals ereignete, und die er dem Herausgeber gegenwärtiger Sammlung, vor zwei Jahren, auf der hölzernen Bank, vor seiner aermlichen Hütte selbst erzählte.“ (S. 19)
Wie sich das unermessliche Leid, das die Flutwelle vor über 200 Jahren über die Menschen brachte, doch dem der heutigen Bewohnerinnen und Bewohner im Ahrtal ähnelt. Es setzt sich aus unzähligen vergleichbaren Einzelschicksalen und Verlusten zusammen, die langfristig auch Narben auf den Seelen der Betroffene hinterlassen werden.
Leonhard Janta,
Bad Breisig
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