Beweidungsprojekt Aubachtal
Biologische Vielfalt wird erhalten
Neuwied. Die Fürstlich Wiedische Verwaltung wurde mit dem Landwirt Arno Kroll und dem Heimat- und Verschönerungsverein Oberbieber ( HVO ) unter dem Titel „Indisches Springkraut als Delikatesse für Weidevieh“ am 7. September als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt gewürdigt. Die Auszeichnung wurde von Umweltministerin Ulrike Höfken übergeben. Die Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen. Die Initiative, das von der Bevölkerung hochgeschätzte Aubachtal in seiner Artenvielfalt und Schönheit zu erhalten, ging ursprünglich von Ulrich Müller, Seniorchef des Obstgutes Müller wohnhaft in Oberbieber, aus. Er setzte sich mit vielseitigen Aktivitäten dafür ein, dass „sein“ Aubachtal vor einer großflächigen Übernahme durch das Indische Springkraut und einer Verbuschung geschützt wird. Im Sommer 2012 färbten seine Blüten das Tal rot, und nur die Brennnessel war noch konkurrenzfähig. Es vermehrt sich durch seinen überreichen herbstlichen „Springsamen“, der auch schwimmfähig ist. Die Pflanze ist einjährig und stirbt im Winter ab. Mit einer Versuchsfläche lieferte Herr Müller bereits 2012/13 den Beweis, dass ein Abmähen der blühenden Pflanzen im Juli bis Anfang August erfolgreich ist. Der Neubefall im Folgejahr war nur noch 0 bis 2 Prozent. Er traf dann auf Jagdpächter Norbert Mertgen, der schon im Jahrsbachtal positive Erfahrungen mit einer Charolais-Rinderherde hatte, die auch Springkraut fraß und dieses dadurch reduzierte. Durch diese Erkenntnisse beschlossen die Verantwortlichen der Fürstlich Wiedischen Verwaltung, auch ihre Wiesen im Unterlauf des Aubachs bis zum Stausee zu beweiden und verpachteten die Flächen an Landwirt Arno Kroll. Seit Mai 2013 ernährt sich seitdem seine zwölfköpfige Charolais Ammenkuhherde im Sommer vornehmlich im Wanderweidebetrieb auch von den sich jährlich üppig entwickelnden Springkrautpflanzen. Der Erfolg stellte sich schon nach einer Vegetation ein und das Tal wurde wieder grüner. Die Tiere sind ruhig und gutmütig und bleiben innerhalb eines unauffälligen Elektrozaunes. Entstandene Kahlstellen wurden mit einer Wiesenmischung nachgesät. Nassbereiche werden ausgespart und sich selbst überlassen. Im Frühjahr blüht da die Sumpfdotterblume und im Herbst das Mädesüß. Für die Tiere nicht erreichbare Wege- und Böschungsbereiche werden gemulcht und durch ehrenamtliche Mitglieder des HVO in einem Dreigenerationenprojekt händisch von den Neophyten befreit. Auch im Ouellgebiet des Aubachs und seiner Zubringer sind ehrenamtliche Helfer mit Motorsensen jährlich im Einsatz, um einen erneuten Sameneintrag talwärts zu verhindern. Schon in 2014 lobte Dr.Ulrich Kleemann, Präsident der SGD-Nord, in einem Schreiben diese ehrenamtliche Arbeit für den Naturschutz. Durch das Bündel der Bekämpfungsmaßnahmen werden sich die vielfältigen Gräser und Kräuter der heimischen Auenvegetation ihren Lebensraum wieder zurückerobern. In den Wintermonaten nahm Herr Kroll auf Anweisung der Fürstlich Wiedischen Förster die eingewachsenen Waldränder teilweise zurück und entbuschte die Wiesen von Erlenanflug und Schwarzdornhecken. Somit haben die Weidetiere einen besseren Zugang zu den Springkrautpflanzen, besonders an den Wegerändern. Auch wird großen Wert darauf gelegt, die anfallenden Hölzer zu Energieholz aufzuarbeiten, teils als stückiges Brennholz, teils als Waldhackschnitzel. Die wirtschaftliche Nutzung ist der Garant für den langfristigen Bestand des Projekts. Bereits in der vierten Vegetationsperiode nach Projektbeginn bietet das Aubachtal wieder das ursprüngliche, vielfältige Landschaftsbild, auch sehr zur Freude der vielen Ruhe suchenden und sportlichen Menschen. „Manchmal können für ein großes Problem ganz einfache Lösungen gefunden werden“, war das Resümee von Fürstin Isabelle zu Wied.
Pressemitteilung Fürstlich
Wiedische Verwaltung Neuwied
