Bürgerversammlung zur „geplanten Gleichstromtrasse“ in Koblenz-Wallersheim:
Bürgerinnen und Bürger nach wie vor besorgt wegen gesundheitlicher Risiken
Suche nach alternativer Trassenführung gefordert
Koblenz-Wallersheim. Der CDU-Ortsverband Koblenz-Wallersheim hatte am jetzt zu einer Bürgerversammlung ins Gasthaus Krämer eingeladen. Trotz nahezu tropischer Temperaturen war der Veranstaltungsraum bis auf den letzten Platz mit höchst interessierten und äußerst erwartungsvollen Bürgerinnen und Bürgern gefüllt. Durch die Veranstaltung führte kompetent, sachlich und mitunter auch sehr humorvoll der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Ernst Knopp. Im Hinblick auf den Tagesordnungspunkt „Geplante Gleichstromtrasse in Wallersheim - Vorstellung des Vorhabens und Diskussion“ waren Vertreter der Fa. Amprion, einer der vier in Deutschland ansässigen und tätigen Übertragungsnetzbetreiber (ÜBN) und unter anderem für die Region Mittelrhein und damit speziell auch für das Gebiet Koblenz beziehungsweise Wallersheim zuständig, anwesend. Zum Punkt „Einzelhandelskonzept für Wallersheim und wie geht es nun weiter?“ war der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Bauordnung, Frank Hastenteufel, eingeladen worden. Da von äußerstem aktuellen Interesse, wurde das Vorhaben der für Wallersheim geplanten Gleichstromtrasse an den Beginn der Veranstaltung gestellt und von der Sprecherin der Fa. Amprion GmbH mit Sitz in Dortmund, Joëll Bouillon, zunächst das Unternehmen kurz vorgestellt. Sie wies unter anderem darauf hin, dass die Fa. Amprion GmbH, wie auch die anderen drei Übertragungsnetzbetreiber, nicht nur das Netz überwacht und betreibt, sondern auch für dessen Bau verantwortlich ist. So haben die Übertragungsnetzbetreiber den ausdrücklichen gesetzlichen Auftrag, das Stromnetz bedarfsgerecht auszubauen. Daran schlossen sich die Ausführungen von Joëll Bouillon über den Zustand des in Wallersheim bereits vorhandenen Netzes sowie Vorstellungen über die zukünftige Trassenführung, einschließlich alternativer Lösungsansätze, Stand der Umweltverträglichkeitsanalyse, Stand der Umweltverträglichkeitsanalyse und natürlich auch Fragen zu möglichen gesundheitlichen Gefahren für die Bevölkerung im konkret von der Trassenführung betroffenen Gebiet an. Ergänzt wurden diese Ausführungen durch die weiterhin seitens der Fa. Amprion GmbH anwesenden Mitarbeiter Cronau und Schröder. Diese erklärten sich unter anderem zum Stand des Planfeststellungsverfahrens, zu dem Unterschied zwischen elektrischen und magnetischen Feldern sowie zu den bevorzugten Technologien der Stromüberwachung, insbesondere zum Gleich- und Wechsel- beziehungsweise Drehstrom. In der sich anschließenden Diskussion traten mehrere Bürgerinnen und Bürger auf, die ihre Fragen sehr fundiert, beziehungsweise qualifiziert vortrugen und die - was natürlich nicht verwundern konnte - schwerpunktmäßig mögliche gesundheitliche Risiken beziehungsweise Gefahren für die Bevölkerung betrafen wie zum Beispiel ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern, Verursachung von Krebs durch niederfrequente Felder und mögliche Gefahren für die menschliche Lunge.
Dem wurde durch die Vertreter der Fa. Amprion im Wesentlichen dadurch entgegengetreten, dass nationale und internationale Expertenkommissionen, nach Auswertung entsprechender Unterlagen, zu dem Ergebnis gekommen wären, dass erhöhte gesundheitliche Risiken nicht festgestellt werden konnten.
Antworten nicht zufriedenstellend
Was aber letztendlich die Mehrheit der anwesenden Bürgerinnen und Bürger nicht zufriedenstellen konnte, die - mit Verweis auf ihnen bekannte anderslautende Untersuchungen - darauf drängten, dass hier alternative Trassenführungen untersucht und zum Inhalt der Planungen gemacht werden sollten. Bevor abschließend noch einzelne weitere interessierende Fragen von Anwesenden zu ihrem Stadtteil beantwortet wurden, hatte Frank Hastenteufel noch Zeit und Gelegenheit, zum aktuellen Stand des Einzelhandelskonzeptes für Wallersheim zu referieren. Auch er tat dies sehr souverän und höchst fundiert. Dabei ging es auch - neben einer zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Versorgung der Bevölkerung - um Fragen zur „Erhaltung einer grünen Lunge“, den nach wie vor in Aussicht genommenen Bau einer Mehrzweckhalle, schlechthin um den Bau eines Sportgeländes und um Überlegungen zum Bau von Wohnungen. Dabei wies Frank Hastenteufel ausdrücklich darauf hin, dass man sich hier immer noch in einem informellen Stadium befinden würde und noch kein Bebauungsplan vorläge. Die entsprechenden planungsrechtlichen und sonstigen Voraussetzungen geschaffen, geht Frank Hastenteufel davon aus, auch bei einer abgeschlossenen Suche nach einem geeigneten Investor, dass eine Umsetzung des Gesamtvorhabens einen Zeitraum von etwa zwei Jahren beanspruchen dürfte. Hinsichtlich des integrierten Stadtteilentwicklungskonzeptes (ISEK) „Soziale Stadt Neuendorf“ wurde noch festgestellt, dass es wichtig sei, dies als Fördergebiet abrechnen zu können, um das auch bei zukünftigen entsprechenden anderen Vorhaben machen zu können.
Zusammenfassend blieb der Eindruck, dass auf dieser Bürgerversammlung, trotz einiger brisanter und konfliktbeladener Themen, engagiert, letztlich aber immer sachlich bleibend diskutiert wurde und das auch dank einer sehr professionellen Leitung durch den Vorsitzenden des CDU-Ortsverbandes Wallersheim, Ernst Knopp.
Die Karte zeigte den geplanten Verlauf der Gleichstromtrasse über Wallersheim und Kesselheim.
Zahlreiche Fragen kamen natürlich aus dem Publikum, wie hier von Claudia Probst (CDU Ratsmitglied). Fotos: Udo Stanzlawski
Die Räumlichkeit im Gasthaus schien aus allen Nähten zu platzen, so groß war das Interesse an dieser außergewöhnlichen Bürgerversammlung.
In der CDU-Ortsverband Bürgerversammlung im Gasthaus Krämer in Wallersheim standen sie Rede und Antwort: Ernst Knopp (CDU-Wallersheim), Oliver Cronau (Amprion GmbH), Joëll Bouillon (Amprion GmbH), Benjamin Schröder (Amprion GmbH) und Frank Hastenteufel (Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Bauordnung). (v.l.)
