Politik | 02.11.2018

Bendorfer Stadtrat diskutiert Zukunftskonzept Mobilität

Buslinien von und nach Neuwied stark eingeschränkt

Schulstandort Bendorf könnte gefährdet sein

In Bendorf muss man jetzt lange auf einen Bus nach Neuwied. warten. GM

Bendorf. Zu einer erheblichen Einschränkung der Fahrtmöglichkeiten zwischen Neuwied und Bendorf hat der im September stattgefundene Fahrplanwechsel der Linien 107 und 54 geführt. Der Fahrplan der Linie 107 weist aufgrund der Veränderung des Taktes von halbstündlich auf stündlich eine wesentlich schlechtere Verbindung zwischen Bendorf und Neuwied auf, so sind beispielsweise an der Verknüpfungshaltestelle „Bendorf Park“ von den ehemals achtunddreißig Verbindungen nur noch dreiundzwanzig übrig geblieben. Auch das Angebot der Linie 54 wurde auf acht Fahrten halbiert, weggefallen sind vor allem die Verbindungen in den Abendstunden, der letzte Bus fährt um 16.17 Uhr. Davon betroffen sind auch die Bendorfer Stadtteile Sayn und Mülhofen, so fallen an der Bendorf-Sayner Haltestelle „Ritterweg“ neun Verbindungen weg, auch hier sind vor allem die Abendstunden nach 16.29 Uhr betroffen. Ebenfalls hat die Planung des Kreises Neuwied, die Buslinie 54 zwischen Engers und Mülhofen auf einen reinen Schülertransport zu reduzieren, zu beachtlichem Unmut in der Bevölkerung geführt. Die Beschwerden von Bendorfer Bürgern hat auch die SPD-Stadtratsfraktion veranlasst, mit einer deutlichen Erklärung gegen den neuen Fahrplan und eine Verbesserung des Angebotes an die Verwaltung heranzutreten.

In der letzten Stadtratssitzung gab Bürgermeister Michael Kessler seiner Verwunderung Ausdruck, dass die Stadtverwaltung weder von Neuwied noch vom Landkreis, der für den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) zuständig ist, im Vorfeld Kenntnis von dieser Einschränkung der Mobilität erhalten hat. Kessler: „Letztendlich absegnen muss das, was der Landkreis Neuwied macht, der LBM nach Anhörung des Landkreises Koblenz und der Stadt Bendorf. Diese Anhörung hat aber vor der Entscheidung nicht stattgefunden. Wir sind überrollt worden, wir wussten von nichts.“ Nachdem die Stadt von dem vollzogenen Fahrplanwechsel erfahren hat reagierte der Bürgermeister mit einem Schreiben an den LBM, die Kreisverwaltung Neuwied und die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und forderte darin, die Verbindungen deutlich zu verbessern und zumindest wieder in den alten Zustand zu versetzen.

SPD-Ratsmitglied Christoph Mohr wies darauf hin, dass bei den jetzigen eingeschränkten Busverbindungen von und nach Neuwied mittelfristig der Schulstandort Bendorf gefährdet sei. Sehr viele Schüler aus den benachbarten Gemeinden Engers, Heimbach-Weis und Block besuchten sowohl das Gymnasium wie auch die Realschule in Bendorf, durch die Einschränkung der Busverbindungen könnten diese Schüler nicht mehr sicher und zeitig an den Schulen an- und nach Hause zurückkommen. Mohr: „Die Schülertransporte haben sehr gelitten, es gibt weniger Linien- und es fahren keine Einsatzbusse mehr. Die Schülerbusse sehen mehr nach Vieh- als nach Schülertransporten aus. Es ist höchst bedenklich, was den Schülern dort zugemutet wird. Jeden Morgen haben wir halbe Klassen im Unterricht sitzen, weil Busse gar nicht fahren. Wenn das so weitergeht, würde ich mich nicht wundern, wenn wir aus dem Kreis Neuwied in zwei Jahren keine Schüler mehr haben.“

Herbert Speyerer von der FDP gab seiner Sorge Ausdruck, dass viele Arbeitnehmer ohne Pkw ihren Arbeitsplatz nicht mehr erreichen können oder ein Besuch von Patienten in den Neuwieder Krankenhäusern unmöglich wird und ähnliches mehr. Speyerer: „Das können wir so nicht hinnehmen.“ Weiter wollte er dieses Thema zum Anlass nehmen, nicht nur über den Busverkehr, sondern allgemein auch über andere Teile des ÖPNV zu diskutieren und wies in diesem Zusammenhang auf das jüngst in der Verbandsgemeinde Vallendar eingeführte Seniorentaxi hin, für dessen Nutzung die Kommune einen Zuschuss gewährt. Ebenso gab er zu bedenken, dass es für Personen, die den Bus nutzen oder sogar zwingend auf ihn angewiesen sind, eine Zumutung sei, bei Wind und Wetter an vielen ungeschützten Haltestellen warten zu müssen, hier sieht er dringenden Handlungsbedarf seitens der Stadtverwaltung.

Willi Eiter von der WUM-Fraktion forderte, mit Nachdruck darauf zu drängen, dass der bislang geltende Busfahrplan wieder in Kraft gesetzt wird.

SPD-Fraktionschef Manfred Bauer bezweifelte stark die Sinnhaftigkeit der ÖPNV-Ausrichtung in der Region. Bauer: „Wir reden über Mobilität und Klimaschutz und weg vom Auto. Der ÖPNV in Bendorf wird aber immer teurer und unattraktiver.“ Einigermaßen bedient werde auch nur die rechte Rheinschiene. Zum Beispiel benötige ein Arbeitnehmer für die rund 10 km lange Strecke auf die andere Seite nach Mülheim-Kärlich mit dem Bus rund eineinhalb Stunden. Und wenn jemand im Einzelhandel bis spät abends arbeiten muss, der komme nach Bendorf mit dem Bus nicht mehr zurück. Auch Verbindungen in den Westerwald gebe es viel zu wenige. „Das hat auch etwas mit dem Standort zu tun. Wenn die Menschen, die hier leben wollen, nicht mehr die Möglichkeit haben oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten oder sehr hohen Preisen und schlechteren Bedingungen den ÖPNV zu benutzen, so wird das zu einem Standortnachteil für Bendorf. Der Landkreis müht sich um den ÖPNV in unserer Heimatstadt null, wir müssen anfangen uns als Kommune dagegen zu wehren, wir wollen einen günstigen ÖPNV der schneller, attraktiver und besser ist“, so Bauer weiter.

Bürgermeister Kessler sieht die Krux an der ganzen Sache darin, dass in jedem Landkreis nur in seinen Grenzen gedacht wird, diese Strukturen müssten gedanklich aufgebrochen werden. Kessler: „Wir müssten längst Institutionen oder mindestens Gesprächskreise schaffen, die permanent tagen und diese Dinge austauschen. Wir werden in diesen Strukturen, wenn sie so bleiben, nicht weiterkommen.“ Er schlug vor, das Thema in dem Planungsausschuss zur Diskussion zu stellen und dort ein Konzept zu erarbeiten.

Der Stadtrat verabschiedete sodann einstimmig die nachfolgende Resolution:

• Der Stadtrat fordert den Landesbetrieb Mobilität und den Landkreis Mayen-Koblenz auf, bei der Vergabe von Buslinien und Verhandlungen mit Nachbarkreisen über die Streckenführung die Interessen der Bendorfer Bürger besser zu berücksichtigen als dies bei der jüngsten von Neuwied ausgehenden Änderung der Fall ist.

• Die Verwaltung wird beauftragt auch in Gesprächen mit dem Landkreis Neuwied und der Stadt Neuwied eine bessere Anbindung des ÖPNV zwischen Neuwied und der Stadt Bendorf herbeizuführen in Qualität und Quantität, mindestens die Wiederherstellung des alten Zustandes.

Weiter fasste der Rat einstimmig den Beschluss, die Verwaltung zu beauftragen mit Beginn des Jahres 2019 das Thema Zukunftskonzept Mobilität Bendorf auf die Tagesordnung zu setzen.

In Bendorf muss man jetzt lange auf einen Bus nach Neuwied. warten. Foto: GM

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