Politik | 17.02.2023

Senioren- und Behindertenrat Südlicher Westerwald

Chance für Menschen mit einer Behinderung verbessern

Arbeitsmarkt im Westerwald soll inklusiver werden - „Inklusionsrundreise Arbeit“ wird für 2023 geplant

Westerwaldkreis. Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen im Westerwaldkreis lag im Oktober 2022 noch auf einem hohen Niveau, ist aber rückläufig. Mit 213 registrierten Arbeitssuchenden ist dies die geringste Zahl seit den ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie. Gegenüber dem Vorjahr ging sie um 47 Personen oder 18,1 Prozent zurück. Da diese offizielle Statistik nur ein geringer Teil der Menschen mit einem Handicap abbildet, die eine angemessene Arbeit suchen oder sich beruflich verändern wollen, dürfen die Anstrengungen nach Ansicht des Netzwerkes „Senioren- und Behindertenrat Südlicher Westerwald“ (SBR-SÜW) nicht nachlassen, den Arbeitsmarkt in der Region inklusiver zu gestalten.

Da das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) derzeit an gesetzlichen Regelungen zur Verbesserung der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt arbeitet und beispielsweise die beschäftigungspflichtigen Betriebe, die keinen einzigen behinderten Menschen beschäftigen, verstärkt beteiligen will, bleibt die Hoffnung, dass diese Reformschritte wirken und die Chancen für Menschen mit einer Behinderung bei den Arbeitgebern erhöhen. Landesweit sind von fast 46.000 Pflichtarbeitsplätzen, die in Unternehmen ab 20 Beschäftigten mit einem Menschen mit Behinderung besetzt werden müssen, 12.475 nicht besetzt. Daraus ergibt sich eine Beschäftigungsquote von vier Prozent. Im Westerwaldkreis sind 1.573 Menschen mit einem Handicap auf solchen Arbeitsplätzen beschäftigt. „Den vielen Unternehmen und Verwaltungen, die ihre Pflicht erfüllen und den Menschen mit einem Handicap eine Chance geben, gilt unser Dank“, so Uli Schmidt als Koordinator des Netzwerkes. Jedoch bestehe trotz aller damit verbundener Herausforderungen in dieser Krisenzeit die Hoffnung, dass auch diejenigen Arbeitgeber künftig ihre Verpflichtung besser erfüllen, denen das bisher aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich war.

Der SBR ist überzeugt, dass viele Arbeitgeber in der Region mehr schwerbehinderte Menschen einstellen und beschäftigen wollen; dies scheitere aber oftmals an fehlenden Kenntnissen über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten oder Einsatzmöglichkeiten von schwerbehinderten Menschen in ihren Betrieben. Um diese Barrieren aufzulösen, wurden im neuen Teilhabestärkungsgesetz die Aufgaben der „Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber“ (EAA) eingeführt.

Die neuen Ansprechstellen sollen Arbeitgeber informieren, beraten und unterstützen bei der Ausbildung, Einstellung und Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen. Sie wurden eingerichtet, um proaktiv und unabhängig vom Einzelfall für die Einstellung und Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen zu werben, Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen und eine Lotsenfunktion in Bezug auf die anderen beteiligten Leistungsträger und Stellen wahrzunehmen.

Im Westerwaldkreis wird diese neue Funktion seit Juni 2022 wie bisher schon der Integrationsfachdienst (IFD) vom Diakonischen Werk ausgefüllt. EAA-Mitarbeiter Tim Herrmann ist erfreut über großes Interesse an Unterstützung bei der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen im Kreis: „Wir arbeiten in enger Kooperation mit der Arbeitsagentur, Job-Center, dem Integrationsamt, der Deutschen Rentenversicherung, der IHK und der Kreishandwerkerschaft sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft“, so Herrmann hoffnungsvoll.

Ein zentraler Punkt wird bei den Bemühungen sein, wie es in Zukunft besser gelingen kann, Menschen mit einer Behinderung ein inklusives Arbeiten ohne Barrieren zu ermöglichen. Dazu gibt es im Kreis einige (noch zu wenige) Inklusionsfirmen, die in ihrer Mitarbeiterschaft einen hohen Teil von „Behinderten“ beschäftigen und dafür eine finanzielle Unterstützung bekommen. Eine davon ist die Wäscherei Delfin der Hachenburger Service Gesellschaft gGmbH (HSG), die sich über fehlende Aufträge nicht beklagen kann: „Wir haben gut zu tun und beenden bald ein erfolgreiches Jahr 2022“ so HSG-Geschäftsführer Erhard Hauptmann. Er wies daraufhin, dass die für solche Unternehmen hohe Pflichtquote bei der HSG erfüllt wird und zeigt sich verwundert, dass noch immer nicht auch andere Unternehmen den Schritt zur Inklusionsfirma gehen.

Bei der Entwicklung zu einem inklusiven Arbeitsmarkt ist auch das Budget für Arbeit zu berücksichtigen. Es ist im Bundesteilhabegesetz verankert und bietet Menschen mit Behinderung eine Alternative zur Werkstatt. Viweca, die Abteilung für Arbeitsmarktintegration der Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn, unterstützt Werkstattbeschäftigte dabei seit vielen Jahren. So konnten 40 Personen aus der Werkstatt heraus in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse im Rahmen des Budgets für Arbeit vermittelt werden. Die Arbeitgeber erhalten dauerhafte Zuschüsse vom Sozialhilfeträger zum Ausgleich für die Leistungsdifferenz und die personelle Unterstützung am Arbeitsplatz. „Dieses Instrument bewährt sich weiterhin und ermöglicht dauerhafte, gute Arbeitsverhältnisse“ beschreibt Dagmar Theis, Leiterin der Viweca, das Budget für Arbeit. Für Werkstattbeschäftigte bietet Viweca darüber hinaus Außenarbeitsplätze und Praktika, um der Perspektive Inklusion ständig einen Schritt näher zu kommen. Aktuell werden knapp 30 Personen dauerhaft außerhalb der Caritas-Werkstätten durch die Jobcoaches der Viweca in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes unterstützt. Auch diese Form der Teilhabe bietet Menschen mit Behinderung ein hohes Maß an Integration.

Alle Beteiligten teilen die Auffassung, dass es weiterer Anstrengungen, Impulsen und Instrumenten für die Erreichung eines inklusiven Arbeitsmarktes in unserer Region bedarf. Gute Beispiele sollten verstärkt nach außen getragen und anderen Mut zu eigenem Tun machen. Hier gibt es noch manche Stolperfallen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Der SBR-SÜW will dazu beitragen und plant eine ganztägige Inklusionsrundreise mit dem Landesbehindertenbeauftragten Matthias Rösch zum Thema Arbeitsmarkt durch den Westerwaldkreis – wer dabei als Gastgeber mit im Boot sein will oder sonst dazu eine Idee hat, kann sich gerne melden bei Uli Schmidt unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de.

Pressemitteilung des

Senioren- und Behindertenrat Südlicher Westerwald

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Essen auf Rädern
Holz Loth-Entsorgung
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Oster-Anzeige
fit für`s Alter?
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Titelanzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Empfohlene Artikel
Petra Schneider. Foto: privat
25

Kreis Ahrweiler. Am 23. April 2026 ist es wieder so weit: Der bundesweite Girls‘ Day/Boys‘ Day bietet jungen Menschen die Gelegenheit, spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu erhalten. Auch die CDU-Landtagsfraktion beteiligt sich erneut an diesem Aktionstag und lädt Schülerinnen und Schüler ein, einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik zu werfen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Blütenkönigin Antonia Augenstein, Bürgermeister Sven Schnieber (Mitte) sowie die Vertreterinnen und Vertreter der Stationen, Vereine und Sponsoren freuen sich auf das Blütenfest am 19. April. Fotos: DU
6

Traditionsveranstaltung geht am 19. April in die 16. Runde

Blütenfest verbindet Natur, Kultur und Gemeinschaft

Meckenheim. „Das Blütenfest hat eine Strahlkraft, die weit über die Stadtgrenzen hinausgeht. Deswegen ist es für uns sehr wichtig und wir freuen uns wieder auf eine schöne Veranstaltung“, hob Bürgermeister Sven Schnieber kürzlich die Bedeutung des Blütenfestes für Meckenheim hervor. Der Obsthof Dahlhausen war dabei zweifellos eine überaus passende Location, um auf die inzwischen 16. Auflage des am 19. April stattfindenden Traditionsevents vorauszublicken.

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Rund um´s Haus
Dauerauftrag
Daueranzeige
Rund ums Haus
Kleinanzeigen
Koblenz blüht 2026
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Anlagenmechaniker
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Kreishandwerkerschaft
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
PR-Anzeige
Dauerauftrag 2026
Imageanzeige - Ostern