Niederdreeser Straße war Thema im Rheinbacher Verkehrsausschuss
Das geplante Verbot der Ausfahrt soll ausgesetzt werden
Rheinbach. Mit dem geplanten Verbot, von der Niederdreeser Straße in Niederdrees aus in die Bundesstraße 266 zwischen Oberdrees und Essig einzubiegen, beschäftigte sich der Rheinbacher Verkehrsausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Der Oberdreeser Ortsvorsteher Kurt Brozio (CDU) hatte dies in einem Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung setzen lassen. „Die Öffentlichkeitsbeteiligung hätte viel früher stattfinden müssen“, zeigte er sein Unverständnis über die Vorgehensweise des Straßenverkehrsamtes des Rhein-Sieg-Kreises, die Sperrung ohne vorherige Anhörung oder Information der Bevölkerung anzuordnen.
Die Einmündung einfach zu schließen, sei keine Lösung, fand Brozio. Hier seien praxisnahe Alternativen erforderlich. Nach seinem Kenntnisstand sei die Unfallhäufigkeit in den vergangenen Jahren gesunken, ganz im Gegenteil zu den Behauptungen der Unfallkommission. Die hatte dargelegt, seit 2010 seien an dieser Stelle die Kriterien einer Unfallhäufungsstelle erfüllt. Mit den drei Unfällen im Jahr 2013 seien die Kriterien einer Unfallhäufungsstelle wiederholt erreicht und zwängen die Unfallkommission per Erlass zum Handeln. Brozio hielt dem entgegen, dass seit dem Höhepunkt im Jahr 2011 mit fünf Unfällen die Zahl kontinuierlich falle auf nur noch zwei bislang im Jahr 2014. Insofern sollte das Jahresende abgewartet werden, um bei der Entscheidung alle aktuellen Zahlen und Hintergründe berücksichtigen zu können.
Abgesehen davon verlagere eine Schließung dieser Ausfahrt das Gefahrenpotenzial lediglich in die Ortslage von Oberdrees, wo die Kreuzung der Bundesstraße mit der Mieler Straße schon jetzt überaus problematisch sei. Brozio forderte, Bürgermeister Stefan Raetz solle sich beim Land Nordrhein-Westfalen für den raschen Bau der Ortsumgehung Miel einsetzen, denn diese sei sehr wichtig für die Entlastung von Oberdrees und Niederdrees, besonders vom überregionalen Fernverkehr. Außerdem plädierte er dafür, den Tempo-70-Bereich zu erweitern bis zur Ortseinfahrt Oberdrees und darüber hinaus im Bereich der Einmündung ein Überholverbot einzurichten. Weiter regte er an, die Leitplanken rund um die Einfahrt niedriger zu gestalten, weil sie teilweise die Sicht auf nahende Fahrzeuge versperrten. Die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen sollten zumindest für ein halbes Jahr getestet werden, das solle Raetz mit dem Straßenverkehrsamt und der Unfallkommission vereinbaren.
Ähnlich sah es der Ortsvorsteher von Niederdrees, Holger Klöß (SPD). „Unsere Bürger kritisieren die Entscheidung durchweg“, wusste er und schloss sich den Forderungen Brozios an. Außerdem regte er ebenfalls an, Stoppschilder an der Einmündung anzubringen und außerdem eine durchgezogene Mittellinie im Einmündungsbereich aufzubringen. Zugleich machte er klar: „Niemand stellt die Gefährlichkeit dieser Einmündung in Frage, aber ein Umweg über Oberdrees ist keine Alternative.“ Völliges Unverständnis zeigte er auch für die Vorgehensweise der Kreisverwaltung, eine so weit reichende Entscheidung ohne vorherige Information der Bürger zu treffen.
UWG-Sprecher Albert Wessel begrüßte seinerseits alle Maßnahmen, die die Sicherheit an dieser neuralgischen Stelle erhöhten, und fand einen Umweg von einigen hundert Metern für 60 bis 70 Fahrzeuge pro Tag durchaus akzeptabel. Er könne sich durchaus vorstellen, eine Sperrung für sechs oder zwölf Monate zu prüfen - sie aber auch wieder zurückzunehmen, wenn sie nichts bringe. Ähnlich äußerte sich auch Dr. Nils Lenke (Grüne), „denn für uns gehen Menschenleben vor, wir sollten hier keine Experimente machen.“ Außerdem halte sich bekanntlich ohnehin fast niemand an ein Tempolimit, schon gar nicht außerhalb geschlossener Ortschaften. Auch er sah den Umweg über Oberdrees als zumutbar an.
Karsten Logemann (FDP) hielt nichts von „Basta-Politik“ aus dem Kreishaus und lobte die beiden Ortsvorsteher für ihren guten Blick auf die Sache. Deshalb sollte ihren Vorschlägen gefolgt werden, und die Verkehrskommission sollte sich noch einmal mit dem Thema befassen. Vor allem sollten zuerst die vorgeschlagenen Maßnahmen getestet werden, bevor die Einmündung komplett gesperrt werde.
Bürgermeister Stefan Raetz wies darauf hin, dass er wenig Hoffnung habe, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen von der Unfallkommission akzeptiert würden. „Das ist alles schon in der Vergangenheit immer wieder vorgebracht worden und wurde stets verworfen“, wusste er. Er sagte jedoch zu, noch einmal das Gespräch zu suchen - machte aber auch klar: „Wenn die nicht einlenken, setze ich die Anordnung umgehend um, sonst bin ich am Ende persönlich in der Haftung, wenn doch ein Unfall an dieser Stelle passiert.“ Mit dieser Vorgehensweise erklärte sich die Mehrheit des Ausschusses einverstanden, bei zwei Gegenstimmen der Grünen und zwei Enthaltungen der UWG.
