Politik | 15.06.2016

Leserbrief zur Pressemitteilung der Kreisverwaltung vom 07. Juni: „Wir müssen draußen bleiben!“

Das hat mich richtig erbost

Bereits seit vielen Jahren bin ich ganzjährig, mehrmals die Woche am Riedener Waldsee. Oft als Gast in der Seehütte, als Gassi-Geherin oder aber im Sommer auch als Badegast.

Immer hat mir besonders gut gefallen, dass dort noch nicht alles reglementiert ist. Und trotzdem funktioniert: Es gab nirgendwo Müllberge oder arge Verschmutzung. Auch keine Tretminen. Das Ökosystem war und ist in Ordnung!

Als ich jetzt die o.a. Pressemittelung las, war ich richtig erbost. Da wird es doch tatsächlich so dargestellt, dass das ganze Ökosystem kippen könnte, wenn Hunde im Wasser baden.

Dazu möchte ich gerne mal meine Beobachtungen aus dem letzten Sommer berichten:

Kurz nach Mittag kommen die Badegäste in Scharen. Am liebsten würden sie auf der Liegewiese parken, um ja nicht zu weit gehen zu müssen - denn sie sind ausgerüstet, als wollten sie mehrere Tage bleiben. Als Erstes werden Teppichgroße (mind. 2 x 2m), reflektierende, supermoderne Thermo-Matten ausgebreitet - ohne Rücksicht auf das Gras. Dann werden Schirme in den Boden gerammt, die Kühltasche oder aber der Bierkasten am Ufer, im Schilf abgestellt. Auch wenn dadurch Schilf bricht und die Enten aufgeschreckt werden.

Dann wird gegessen. Der Hauptmüll wird meist entsorgt, aber Pizzareste, halbe Brötchen usw. landen gerne im hohen Gras der Böschung oder im Wasser. Sicher sehr gesund für Enten und andere Tiere.

Die Überreste des Nikotinkonsums - auch Kippen genannt, werden rund um die reflektierende, supermoderne Thermo-Matte im Gras ausgedrückt und liegen gelassen. Schön, wenn man da barfuß drüber laufen muss. Noch schlimmer, wenn dass die Enten nachts auch müssen.

Als Nächstes wird sich eingecremt - mit Lichtschutzfaktor 15-30. Je höher, umso mehr Chemie steckt drin. Und dann geht man nach einiger Zeit - glänzend wie eine Speckschwarte, eingeölt mit Chemie ins Wasser. Natürlich nicht immer über den Badesteg, sondern man schlittert irgendwo zwischen dem Schilf und Steinen ins kühle Nass.

Es ist medizinisch einwandfrei erwiesen, dass das automatisch zu Harndrang führt, den man nur mit äußerster Willenskraft unterdrückt bekommt. Aber warum denn, sieht ja erstens keiner und zweitens ist man die Flasche Bier vom Mittagessen schon mal los, ohne den weiten Weg zur Toilette gehen zu müssen - wenn - natürlich querfeldein - nicht über den Weg.

Dann komme ich mit meinem Hund, natürlich angeleint, bleibe auf dem Weg, weil der zwischen den Menschenmassen eh die Orientierung verlieren würde.

Natürlich sehe ich zu, dass er sich vorher entleert hat, weil er ja zwischen den ganzen - oben näher beschriebenen - Thermomatten sowieso keine Gelegenheit dazu hätte.

Und wenn der kleine Hund, der jeden Tag gekämmt, regelmäßig entwurmt wird, kein Ungeziefer an sich hat und nur Biofleisch frisst, dann an einer unbelebteren Stelle ins Wasser geht - eigentlich ja in erster Linie zum Trinken - aber dann evtl. noch eine kleine Runde schwimmt - dann ist er ganz sicher verantwortlich fürs Kippen des Ökosystems und damit des Badesees.

Jahrelang waren dort ganzjährig immer viele Hunde unterwegs und auch im Wasser und es hat dem See und der gesamten Umwelt offensichtlich nicht geschadet.

Aber jetzt fallen die Massen ein und Schuld - klar, wie immer, hat zuerst das Tier und dann der böse Hundehalter!

Andrea Schäfer

aus Ettringen

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