Politik | 22.02.2021

Parents for Future - Wachtberg für Renaturierung verschotterter Vorgärten

Der Natur wieder zu ihrem Recht verhelfen

Bürgerantrag für mehr Begrünungen in Wachtberger Vorgärten

Wachtberg. In Wachtberg nehmen die sogenannten „Schotterggärten“ einen immer größeren Raum ein. Wo bisher begrünte Vorgärten mit blühendem Pflanzenbewuchs waren, werden in immer mehr Vorgärten die Vegetationsschichten abgetragen und durch Schotter oder Kiesschüttungen ersetzt.

Diese „ökologisch fragwürdige Gesstaltung“, so Olly Rudolf von den Parents, findet sich nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Altbauten. Sehr oft werden auch bei Eigentümerwechsel oder bei Erbfolgen nicht überbaute Grundstücksflächen um Wohngebäude durch Schotter- oder Kiesschüttungen, sowie durch Beton bzw. Steinplatten versiegelt und so der Natur de facto entzogen. Zunehmend werden dabei auch vorhandene Hecken entfernt und durch Plastikzäune oder Steingabionen ersetzt.

Damit wird, so die Aufassung der Parents for Future, nicht nur gegen die geltende Landesbauordnung verstoßen, sondern der Natur auch wichtige Lebensgrundlagen entzogen. In Zeiten, in denen es auf die Erhaltung möglichst naturnaher Fläche ankommt, stoßen solche „ökologisch abgestorbenen Flächen“ auf immer deutlichere Kritik – nicht nur der Parents, sondern auch innerhalb der Nachbarschaft, die es aber „mit innerem Groll und des lieben Friedens willen“, aber verärgert, hinnehmen. Bedauerlicherweise, so Kristian Lempa in der Pressemitteilung, dulde auch die Gemeinde „wider besseren Wissens“ die zunehmende Verschotterung. Diese „Duldungsstarre“ soll nun ein eingereichter Bürgerantrag in ein konsequentes und proaktives Verwaltungshandeln umlenken.

Nicht nur, dass die Landesbauordnung vor zwei Jahren in Richtung Natur-und Artenschutz verschärft wurde, auch in Wachtberg soll nun eine „Satzung zur Gestaltung der Bodenbeschaffenheit und Oberfläche der unbebauten Flächen“ diskutiert werden. Das zumindest haben die Wachtberger Parents in einem Bürgerantrag an den Rat vorgeschlagen, nachdem das Thema wohl in Wachtberg aus unterschiedlichen Gründen keiner angeht. Man erkenne zwar in der Verwaltung, dass diese reinen Schottervorgärten nach den einschlägigen Vorgaben des § 8 der Landesbauordnung eindeutig gesetzeswidrig seien, dulde aber offensichtlich diese Unart der Gartenanlagen, geben die Parents in einer Pressemitteilunng enttäuscht zu bedenken.

„Da nützen auch ein oder zwei Pflanztöpfe mit irgendwelchem standortfremdem Gehölz aus dem Baumarkt nichts, wenn ringsum hunderte Quadratmeter versiegelt oder sonst der Natur entzogen werden“ gibt sich auch Christa Alt von den Parents sicher, eine Mehrheit im Rathaus zu finden. Dabei berufen sich die Parents auf die Koalitionsvereinbarung vom 2. November letzten Jahres. So heißt es bereits in der Präambel. „Wir wollen die Stärken unserer Gemeinde, das Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger und die Chancen einer zukunftsweisenden Weiterentwicklung nutzen, um das Leben für alle noch besser zu machen.“

Auch beim Thema Umweltschutz sehen sich die Parents sinngemäß auf einer Linie mit dem entsprechenden Abschnitt zum Thema Umwelt und Natur.

Doris Arenz von den Parents, die sich seit Jahren schon dieses Themas angenommen hat, ist davon überzeugt, dass das vorgeschlagene Konzept mehrheitlich angenommen werden wird.

In diesem Zusammenhang soll die Verwaltung gebeten werden, sich mit den Eigentümern der betreffenden Grundstücke in Verbindung zu setzen, die überwiegend verschotterte Vorgärten haben. Dort soll die Gemeinde die Eigentümer beraten, wie die verschotterten Flächen am einfachsten naturverträglich zurückzubauen sein könnten. „Mit Beratungen in einem freundlichen Gespräch und mit naturschutzkonformen Beispielen“ solle man auf die hohe Bedeutung hinweisen, die selbst kleine Fläche für das Mikroklima auch in der Nachbarschaft solcher Gärten haben.

Sollten sich jedoch kein Erfolg bei den Gesprächen vor Ort ergeben, dürfe man nicht davor zurückschrecken, unter Verweis auf die geltende Rechtslage ordnungsbehördliche Maßnahmen anzusprechen.

Hinsichtlich des ökologisch kritischen Problems der Verschotterung von größeren Vorgartenflächen vergleichen es die Parents mit der Lagerung umweltschädlicher Substanzen in undichten Behältnissen. „In solchen Fällen käme sofort die Feuerwehr, das Ordnungsamt und die Umweltbehörde und würden bußgeldbewehrt die Gefahr unverzüglich im Zuge der Ersatzvornahme beseitigen“, vergleicht Juliane Lempa von den Wachtberger Parents die „naturwidrige Anlage“ versiegelter oder weitestgehend versteinerter Wachtberger Vorgärten.

Mit dieser doppelten Strategie, der Beratung einerseits und dem Erlass einer entsprechenden allgemeingültigen Satzung andererseits, würde Wachtberg dazu beitragen, seine innerdörfliche Wohnbebauung auf zukünftige Belange der Arten-, Natur-, Umwelt und auch Klimaschutzes auszurichten. Auch wenn in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und Grüne eine vage Absichtserklärung enthalten ist, sich dieses Themas anzunehmen, glaubt man bei den Parents, dass diese Punkte aus „Angst vor der eigenen Courage“ so lange „weichgespült“ werden, bis nichts mehr davon übrig ist.

Für die Parents seien Natur-, Umwelt-und Artenschutz genauso wenig verhandelbar wie die Anstrengungen zum Klimaschutz. Daher werde man auch weiterhin darauf drängen, dass der Klimaschutz in Wachtberg so wichtig genommen werde, wie es die Koalitionäre selbst vorgäben. „Nur werden wir alle Themen ernst nehmen und nicht wie vielleicht andere zuwarten, bis der Kelch erfreulicherweise vorbeigegangen ist, kommen wir die entscheidenden Schritte weiter“, heißt es in der Pressemitteilung.

Pressemitteilung

Parents for Future - Wachtberg

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