Politik | 07.06.2019

Jobcenter Stadt Koblenz zieht Bilanz: Trotz ermutigender Zahlen bleibt Arbeit in vielen Fällen schwierig

Der Weg in ein selbstbestimmtes Leben ist oft lang und steinig

Koblenz. Auch wenn die Weltwirtschaft schwächelt: Der deutsche Arbeitsmarkt ist robust, die Arbeitslosenzahlen sinken kontinuierlich, die Zahl der (sozialversicherungspflichtig) Beschäftigten verzeichnet Rekorde. Davon profitierten im vergangenen Jahr auch viele Koblenzerinnen und Koblenzer, die vom Jobcenter unterstützt werden. Das geht aus der nun vorgestellten Jahresbilanz 2018 der gemeinsamen Einrichtung von Stadt und Arbeitsagentur hervor.

Zahlen durchaus erfreulich

Verglichen mit den Vorjahren sind die Zahlen durchaus erfreulich: Durchschnittlich 10.208 Menschen betreute das Jobcenter Stadt Koblenz im vergangenen Jahr. Knapp 3.000 galten als nicht erwerbsfähig, kamen also für eine Vermittlung in Arbeit von vornherein nicht in Frage. Die Kundinnen und Kunden des Jobcenters verteilten sich auf 5.347 Haushalte, die sogenannten Bedarfsgemeinschaften, zu denen neben den Erwachsenen auch 3.380 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gehörten – 1.274 Kinder waren sogar jünger als sechs Jahre. Trotz des Zuzugs von Flüchtlingen und Migranten gingen die Werte im Vergleich zu 2017 zurück: Damals zählte das Jobcenter 10.312 Leistungsberechtigte und 5.399 Bedarfsgemeinschaften.

Mit einer Integrationsquote von mehr als 35 Prozent gehörte das Koblenzer Jobcenter mit seinen 142 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den erfolgreichsten in Deutschland. Trotzdem sei es schwierig, mit dem Ergebnis der eigenen Arbeit rundum zufrieden zu sein, wenn man jeden Tag auch die Menschen vor Augen habe, denen man bislang noch nicht helfen konnte, betont Jobcenter-Leiter Manfred Stein. „Gerade die Frauen und Männer, die schon sehr lange arbeitslos sind und es trotz guter Arbeitsmarktlage bisher nicht geschafft haben, einen Job zu finden, tragen ja häufig einen ganzen Strauß von Problemen mit sich herum, der ihre Bemühungen boykottiert und Schritt für Schritt aus dem Weg geräumt werden muss. Schnelle Erfolge sind da meist nicht erzielbar.“

Sechs Millionen Euro an Fördermitteln

Und ohne Förderung geht es in aller Regel auch nicht. 2018 investierte das Jobcenter Stadt Koblenz knapp sechs Millionen Euro an Fördermitteln, um die von ihm betreuten Menschen auf die Arbeitsaufnahme vorzubereiten. Hinzu kamen noch mehr als 90.000 Euro für „flankierende Maßnahmen“: So wurde im vergangenen Jahr zum Beispiel 20 Mal die Sucht- und 214 Mal die Schuldnerberatung einbezogen.

Ein wichtiges Thema und seit Jahren geschäftspolitischer Schwerpunkt des Jobcenters ist der Abbau – oder die Verhinderung – von Langzeitarbeitslosigkeit. 997 Menschen fielen 2018 durchschnittlich in diese Gruppe – dies ist der niedrigste Wert seit Einführung der Jobcenter im Jahr 2005. Angestiegen ist dagegen die Zahl derjenigen, die in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate auf finanzielle Unterstützung des Jobcenters angewiesen waren. Von diesen so enannten Langzeitleistungsbeziehern gab es 2018 durchschnittlich 4.401 – gut 350 mehr als im Jahr zuvor. Dass dieser Wert sich nicht ähnlich günstig entwickelte wie der der Langzeitarbeitslosen, liege ganz überwiegend am Zuzug geflüchteter Menschen, erklärte Stein.

Grundsätzlich könne man aber auch mit der Integration dieser Menschen zufrieden sein, betonte Agenturleiter Frank Schmidt. Da die meisten Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland über geringe oder gar keine Deutschkenntnisse verfügten und oft auch keine Ausbildung nachweisen könnten, sei eine schnelle Integration zwar häufig ausgeschlossen. Dennoch habe man von den durchschnittlich 1.765 Flüchtlingen, die dem Arbeitsmarkt in Koblenz 2018 grundsätzlich zur Verfügung standen, gut ein Drittel, nämlich 607, dauerhaft in Arbeit vermitteln können. 64 von ihnen starteten eine Ausbildung. 1.094 wurden in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen qualifiziert und auf die Vermittlung in einen Job vorbereitet.

In Koblenz liege die Integrationsquote von Flüchtlingen bei 34,4 Prozent, in vergleichbaren Jobcentern im Bundesdurchschnitt dagegen nur bei 22,7 Prozent, führte Schmidt aus. „Trotzdem ist die Vermittlung von Menschen, die in einem völlig anderen Kulturkreis aufgewachsen sind, nach wie vor ein Geschäft, das Zeit braucht. Denn neben der beruflichen Qualifikation müssen diese Menschen auch vieles andere kennenlernen, was in ihrer neuen Heimat als selbstverständlich gilt, für sie aber fremd ist.“

„Kinder sind für einige Menschen nach wie vor ein Armutsrisiko“

Doch es gibt noch andere Gruppen, auf die die Jobcenterbeschäftigten ein erhöhtes Augenmerk haben. Als besonders gefährdet, in die Abhängigkeit von Grundsicherung zu geraten, gelten beispielsweise Alleinerziehende. Denn noch immer seien es überwiegend Frauen, die mit der Verantwortung für Kinder und Erwerbsarbeit allein zurückbleiben, wusste Bürgermeisterin Ulrike Mohrs. „Damit sind Kinder für einige Menschen nach wie vor ein Armutsrisiko – und das nicht nur für zehn oder zwanzig Jahre, sondern meist ein ganzes Leben lang. Denn wer wegen der Kinderbetreuung nur wenig oder gar nicht arbeiten könne, der verfüge später auch nur über eine geringe Rente. „Frauen möglichst schnell wieder in einen guten Job zu bringen, ist uns deshalb ein großes Anliegen. Um diese Situation zu ändern, müssen wir Frauen sensibilisieren, aber auch noch immer vorhandene Vorurteile bei Arbeitgebern abbauen.“ Zum Glück gebe es in der Region gerade für Frauen ein engmaschiges Netz aus Hilfsangeboten.

Aber egal ob es um Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge, alleinerziehende Mütter oder Jugendliche ohne Schulabschluss gehe: Selbst wenn die Situation sich von Jahr zu Jahr ein wenig verbessere, werde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jobcenters die Arbeit so schnell nicht ausgehen, waren sich die Vertreter von Stadt, Arbeitsagentur und Jobcenter einig. Wichtig sei, dass man auch in den schwierigsten Fällen nie aufgebe, betonte Ulrike Mohrs. „Denn auch die Schwächsten müssen zumindest die Chance haben, ihr Leben zu verbessern und wieder selbst zu gestalten.“

Pressemitteilung des

Jobcenter Stadt Koblenz

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