Politik | 26.04.2018

Sitzung des Verbandsgemeinderats Mendig

Der Weg ist das Ziel

Sachstandsbericht zur Bewerbung des UNESCO Weltkulturerbe-Titels für die Region

Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbe-Antrages werden auch die Mendiger Felsenkeller sein, die der wissenschaftliche Beirat beeindruckt in Augenschein nahm.  FRE

Mendig. In der jüngsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Mendig stellte VG-Bürgermeister Jörg Lempertz den Ratsmitgliedern den aktuellen und umfangreichen Sachstandsbericht zur Bewerbung um den UNESCO Weltkulturerbe-Titel vor.

„Für die Region stellt der UNESCO Welterbe-Titel eine enorme Chance dar. So bedeutet schon alleine der Weg zu dem begehrten Titel einen entscheidenden Erkenntnisgewinn bezüglich der eigenen Kulturhistorie. Durch intensive Vorarbeit und die spätere Erstellung der umfangreichen Antragsunterlagen wird die kulturgeschichtliche Bedeutung der potenziellen Welterbe-Stätten unter völlig neuen Aspekten wissenschaftlich aufgearbeitet. Dabei steht der Nachweis, der Erfüllung der zentralen UNESCO-Kriterien, nämlich: a) Außergewöhnlicher universeller Wert (OUV=Outstanding Universal Value), b) Einzigartigkeit - Authentizität (historische Echtheit) - Integrität (Unversehrtheit) im Mittelpunkt der Bewerbung als Weltkulturerbe.

In Bezug auf die touristische Bedeutung werden sich ein möglicher Welterbe-Titel und ein entsprechendes Marketing während des Bewerbungsverfahrens (zum Beispiel unter dem Stichwort „Auf dem Weg zum Welterbe“) überaus positiv auswirken. So hat das Prädikat „UNESCO-Weltkulturerbe“ aus touristischer Sicht sowohl national als auch international eine hohe Markenbekanntheit und ist durchweg positiv besetzt“, so die einleitenden Worte des Bürgermeisters der VG-Mendig, Jörg Lempertz, der weiter ausführte: Am 10. und 11. Januar 2017 besuchten Mitglieder des Arbeitskreises Welterbe Eifeler Mühlsteinrevier das Bergwerk Rammelsberg, welches zusammen mit der Altstadt von Goslar und der Oberharzer Wasserwirtschaft bereits UNESCO-Weltkulturerbe ist. Ähnlich der Exkursion im Frühjahr 2016 zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte stand auch hier ein Austausch mit Verantwortlichen und Mitarbeitern dieses Industriedenkmals im Fokus.

Nach Beschluss des Beitritts der Ortsgemeinden Ettringen und Kottenheim zur bestehenden Kooperation der Städte Mayen und Mendig sowie der Verbandsgemeinde Mendig in den jeweiligen Räten erfolgte am 15. Februar 2017 im Mendiger Rathaus die Unterzeichnung der neuen Kooperations-Vereinbarung durch die fünf Bürgermeister der beteiligten Kommunen.

Der angedachte Beitritt der VG Vordereifel soll noch in diesem Jahr nach Beschlussfassung in den VG-, Stadt- und Ortsgemeinderäten vollzogen werden. (Anmerkung der Redaktion: In der jüngsten VG-Ratssitzung stimmten die Mitglieder bereits einstimmig für diesen Beschluss).

Am 17. Februar wurde das UNESCO-Projekt Vertretern der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz vorgestellt. Generaldirektor Thomas Metz befürwortete das Projekt und sprach sich dafür aus, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Jedoch sei es notwendig, als einen der nächsten Schritte eine klare Gebietsabgrenzung des Mühlsteinreviers auszuarbeiten.

Bei dieser Abgrenzung sei zu beachten, dass keine wirtschaftlichen Interessen (zum Beispiel bergrechtliche Erlaubnisse) – weder zum jetzigen Zeitpunkt noch zukünftig – entgegenstehen. Eine Anerkennung der Schutzzone bedeute auch eine Unveränderbarkeit des Gebiets. Zudem sei es wichtig, eine Einordnung des Reviers in eine Objektkategorie der UNESCO – zum Beispiel „Vorindustrielles Industriedenkmal“ oder „Kulturlandschaft“ – vorzunehmen.

Bewerbungsverfahren bedeutet auch Erkenntnisgewinn

In Bezug auf die vorgestellte Präsentation des Projekts betonte Thomas Metz, dass in der aktuellen Version besonders der Mühlstein im Vordergrund stehe. Er empfehle allerdings, den Schwerpunkt in Richtung der Stätte sowie der immateriellen kulturellen Bedeutung zu verschieben. Richtig sei, so der Generaldirektor, die Erkenntnis der Arbeitsgruppe, dass der Sektor der Industriedenkmäler eine bisher noch unterrepräsentierte Kategorie im Bestand der vorhandenen Welterbe-Stätten darstelle. Die Arbeit an einer Bewerbung um den Welterbe-Titel bedeute einen unermesslichen Erkenntnisgewinn für die beteiligten Kommunen und sorge für eine Wahrnehmung dieser historischen Industrielandschaft in der Region und im Land Rheinland-Pfalz.

Als erstrebenswerte Zwischenschritte im Zuge der Welterbe-Bewerbung nannte Thomas Metz eine Anerkennung als nationales und als europäisches Kulturdenkmal (Anmerkung: Aufnahme in die Liste der „national wertvollen Kulturdenkmäler“, Anerkennung als „Denkmal europäischer Industriekultur“ und Bewerbung um „Europa-Nostra-Preis“). Zudem sicherte der Generaldirektor die Unterstützung der GDKE innerhalb des Beirats des Eifeler Mühlsteinreviers sowie bei weiteren Schritten, wie der Vorstellung des Projekts auf Landesebene, zu. Am 29. Mai 2017 fand im Sitzungssaal der Stadtverwaltung Mayen die erste Sitzung des Fachbeirats statt. Das Projekt wurde den Beiräten Vertreter aus Forschung, Lehre und Fachbehörden präsentiert. Im Anschluss daran entwickelte sich eine interessante Diskussion, in deren Verlauf die Fachbeiratsmitglieder wertvolle Anregungen äußerten.

Die geplanten Innenmarketingmaßnahmen, die zu einer Identifikation der Bevölkerung mit dem Welterbe-Vorhaben beitragen sollen, wurden am 26. August 2017 mit einer geführten Wanderung durch das Antragsgebiet von Mendig über Kottenheim und Ettringen nach Mayen eingeleitet. Unterwegs hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich an fünf Stationen über die Industrielandschaft des Eifeler Mühlsteinreviers zu informieren. Die Resonanz der rund 150 Teilnehmer fiel so positiv aus, dass eine dauerhafte Ausschilderung der Strecke sowie eine Wiederholung der geführten Wanderung im laufenden Jahr angedacht sind.

Den Fokus stärker auf die Kulturlandschaft legen

Am 28. November 2017 hatten die Mitglieder der Arbeitsgruppe ‚Wissenschaft‘ des Arbeitskreises die Möglichkeit, beim Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur in Mainz Dr. Andrea Stockhammer (Abteilung 2 Allgemeine Kulturpflege, Zuständigkeit UNESCO-Weltkulturerbestätten in Rheinland-Pfalz, Immaterielles Kulturerbe, Europäisches Kulturerbesiegel) das Projekt vorzustellen und um Hilfestellung für die weitere Vorgehensweise anzufragen. Stockhammer ermutigte die Anwesenden, das Projekt weiter voranzubringen. Ähnlich wie bereits Metz empfahl sie, den Fokus auf die eigentliche Stätte, also die Kulturlandschaft und das vormoderne Industrierevier zu richten und die Bedeutung des Mühlsteins nachrangiger zu thematisieren sowie das UNESCO-Kriterium der Einzigartigkeit noch ausführlicher zu begründen. Zudem sei die Zusammenstellung von detailliertem Kartenmaterial sehr wichtig für das Verfahren. Ziel der weiteren Vorgehensweise sollte sein, mittels wissenschaftlich fundierter Arbeiten nachzuweisen, dass das Eifeler Mühlsteinrevier die von der UNESCO geforderten Kriterien erfüllt, um auf die deutsche Tentativliste zu gelangen, die ab 2020 fortgeschrieben wird.

Gutachter soll den Arbeitskreis unterstützen

Im weiteren Verlauf des Gesprächs befürwortete Stockhammer die bereits im Rahmen des Projekts geschaffenen Strukturen (interkommunale Kooperation, Arbeitskreis, Geschäftsstelle und Beirat) sowie die möglicherweise zukünftig angedachte Gründung eines Vereins oder eines Zweckverbands. Den Verfahrensregeln gemäß sei es außerdem notwendig, alle Ebenen von der Kommune, über den Landkreis, bis hin zum Land – das letztlich der Antragssteller ist – in das Projekt einzubinden. Abschließend bot sie an, als nächsten Schritt einen aus Mitteln des UNESCO-Etats des Ministeriums bezahlten Gutachter mit dem Projekt Welterbe Eifeler Mühlsteinrevier zu befassen. Dieser soll vor Ort einen Eindruck von den Gegebenheiten gewinnen und den Mitgliedern des Arbeitskreises beratend zur Seite stehen. Für diese Aufgabe wäre nach ihren Worten Prof. Dr. Helmuth Albrecht von der TU Bergakademie (Lehrstuhl für Technikgeschichte und Industriearchäologie) geeignet. Albrecht ist außerdem Leiter der Welterbe-Projektgruppe am Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte – Montane Kulturlandschaft Erzgebirge/Krusnohori, die ihren Antrag beim UNESCO-Welterbe-Zentrum in Paris bereits eingereicht hat. Die Anwesenden verständigten sich dahingehend, dass Stockhammer Kontakt mit Albrecht aufnehmen wird. Erst nachdem Albrecht vor Ort war und das Gutachten verfasst wurde, soll zu einem späteren Zeitpunkt durch die Bürgermeister auch auf politischer Ebene an das Ministerium herangetreten werden. Dies sei, so Stockhammer, der gängige Verfahrensablauf, da zunächst die jeweilige Fachabteilung mit dem Projekt befasst wird. Wie Stockhammer inzwischen mitteilte, hat Albrecht der Begutachtung zugestimmt und wird diese noch in diesem Jahr vornehmen. Die zweite Sitzung des wissenschaftlichen Beirats fand am 23. Januar in Mendig statt. Der Fokus lag dabei besonders auf konkreten Maßnahmen und Aspekten im Zusammenhang mit dem Welterbe-Vorhaben. Nach Vorstellung des aktuellen Stands der wissenschaftlichen Bearbeitung und Untersuchung ging es in der anschließenden Diskussionsrunde um verschiedene Themenkomplexe, die es im Verlauf des Antragsverfahrens zu berücksichtigen gilt (unter anderem die geographischen Verbreitungsgebiete der Mühlsteine, Erkenntnisse über die konjunkturelle Entwicklung des Industriereviers anhand von Zollquellen, sprachwissenschaftliche Besonderheiten mit Bezug zum Bergbau). Außerdem boten die Beiratsmitglieder fachliche und wissenschaftliche Unterstützung zum Beispiel bei der Anlage eines Quellenrepertoriums mithilfe von Studenten an. Die nächste Sitzung des Fachbeirats ist für den 24. August in Mayen geplant. FRE

Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbe-Antrages werden auch die Mendiger Felsenkeller sein, die der wissenschaftliche Beirat beeindruckt in Augenschein nahm. Foto: FRE

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