„BLICK aktuell“ sprach mit Bürgermeister Ammel (Stadt) und Lempertz (VG) über das Ende von „Rock am Ring“ in Mendig:
„Der Weggang schmerzt“
Jörg Lempertz: „Wer uns Mendiger kennt, der weiß, dass Rückschläge für uns keine Hindernisse bedeuten“
Mendig. Die Nachricht vergangene Woche kam überraschend und verbreitete sich wie ein Lauffeuer: „Rock am Ring“ kehrt zurück an den Ring und verlässt den Veranstaltungsort der letzten beiden Jahre, das ehemalige Flugplatzgelände in Mendig. Ein Grund, für BLICK aktuell, das Gespräch mit
Bürgermeister Jörg Lempertz (VG Mendig, mitte) und Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel) zu suchen.
Blick aktuell: Wann haben Sie von der Entscheidung erfahren, dass Rock am Ring 2017 wieder zum Nürburgring zurückgehen wird?
Jörg Lempertz: Marek Lieberberg hat uns im Vorfeld persönlich diese Entscheidung mitgeteilt. Er hat mit uns offen über die Beweggründe gesprochen und seine Entscheidungswege im Detail dargelegt.
Blick aktuell: Was ging in Ihnen vor, als Sie am Montag die Nachricht erhielten, Rock am Ring geht wieder zurück zum Nürburgring?
H.-P. Ammel: Das hat wehgetan. Gerade weil wir als Stadt und Verbandsgemeinde in den zurückliegenden Jahren, seit es um die Thematik dieser Veranstaltung an unserem Ort ging, alles dafür getan haben, Rock am Ring hier bei uns eine neue Heimat zu geben. Nun steht die Entscheidung des Veranstalters, wieder zurück an die Rennstrecke in die Eifel zu gehen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren.
Blick aktuell: Wie geht es nun weiter in Mendig?
Jörg Lempertz: Mendig war gerne Gastgeber für Rock am Ring. Der Weggang schmerzt, das ist klar. Allerdings gibt es für uns keinen Grund zur Resignation. Ganz im Gegenteil: Dieses engagierte Zusammenspiel mit unseren Mitarbeitern, das parteiübergreifende Miteinander und die unterstützende Kraft der Bevölkerung hat uns stärker gemacht und bewiesen, dass unsere kleine Kommune selbst riesige Herausforderungen stemmen kann. Darauf bin ich absolut stolz!
Blick aktuell: Manche sprechen davon, dass die Absage vielleicht doch etwas mit den Wetterkapriolen in diesem Sommer zu tun haben könnte.
H.-P. Ammel: Selbst dann könnten wir ja auch nichts dafür. Wir machen zwar schon vieles möglich hier in Mendig, aber beim Wetter sind auch wir machtlos. Die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter war immer sehr effizient und professionell. Da haben auch Meinungsverschiedenheiten und verschiedene Einschätzungen bestimmter Sachlagen nie etwas dran geändert. Unser Kommunikationsfaden, wenn ich das so sagen darf, ist nie abgerissen. Von daher hat die aktuelle Entscheidung zurück zum Nürburgring zu gehen, nichts mit den Ereignissen in diesem Sommer zu tun.
Jörg Lempertz: Das hat Lieberberg in seiner Presseerklärung ja auch noch mal ganz deutlich gesagt, als er davon sprach, dass man der Stadt und der Verbandsgemeinde ausdrücklich für ihren Mut und ihr professionelles Engagement danke.
H.-P. Ammel: Für die Stadt Mendig, die Verbandsgemeinde Mendig und für die gesamte Region hat die Veranstaltung zusätzlich eine enorme mediale Aufmerksamkeit und Wertsteigerung bedeutet. Diese Pfründe sind uns sicher. Die Stadt Mendig und die Verbandsgemeinde Mendig blicken mit Stolz auf das gemeinsam Geleistete zurück. Und wenn ich „gemeinsam“ sage, dann meine ich auch ausdrücklich „gemeinsam“. Denn die überparteiliche Zusammenarbeit für das Projekt „Rock am Ring“ in Mendig hat die Stärke dieser Stadt und der Verbandsgemeinde eindrucksvoll bewiesen.
Planungen für 2017 waren in vollem Gange
Blick aktuell: Hatten denn in Mendig die Planungen für 2017 bereits begonnen?
Jörg Lempertz: Ja, die Planungen für 2017 begannen bereits mit der Abreise der RAR-Besucher in diesem Jahr. Für die Aufgaben, die in unserer Zuständigkeit gelegen haben, waren die Ampeln auf Grün gestellt. Die Vorbereitungen kamen, wie in den zurückliegenden beiden Jahren auch, reibungslos voran. Unsere Aufgabenfelder, wie die der Sicherheit, der Verkehrsführung, des Emissionsschutzes, des Stadtmarketings und die Einsatzkräfteplanung waren auf der Zielgeraden. Alle Konferenzen, Arbeitsgruppensitzungen und Planungen deuteten darauf hin, dass diese genannten Aspekte ohne Probleme zielorientiert bis zur Veranstaltung hätten gelöst werden können!
Blick aktuell: Wurden denn seitens der Stadt- bzw. der Verbandsgemeinde bereits Investitionen für 2017 getätigt?
H.-P. Ammel: Die Investitionen für das Festival sind Sache des Veranstalters.
Blick aktuell: Woran hat es denn nun wirklich gelegen, dass der Veranstalter zum Ring zurückkehren wird?
H.-P. Ammel: Deutlicher, als es der Veranstalter selbst umschrieben hat, kann man es nicht mehr formulieren. Er führt wörtlich aus: „Ständig erweiterte Auflagen der Naturschutzbehörden im Hinblick auf Umwelt-, Arten- und Gewässerschutz machten jetzt weitere Investitionen in Millionenhöhe erforderlich…“
Blick aktuell: Aber es ist doch viel für den Natur- und Artenschutz geleistet worden.
Jörg Lempertz: Sicherlich mehr als für jedes andere Festival in Deutschland! Zuerst waren es Ersatzflächen für die Feldlerchen, die verlangt wurden. Als dies gelöst war, wurden Schmetterlinge thematisiert. Als diese Aufgabenstellung abgearbeitet war, kam das Verlangen nach einer Bebauungsplanänderung auf. Als diese verabschiedet war, kam vor wenigen Tagen der nächste Gedanke auf: Die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes auf und um den Flugplatz, in dem man auch Großveranstaltungen verbieten wollte. Das Zelten von Menschen sollte also verboten werden auf einem genehmigten Sonderlandeplatz nebst Fahrzeugentwicklungszentrum, Industrie- und Gewerbepark. Auf genau derselben Fläche, auf der über 50 Jahre lang die Heeresflieger erfolgreich ihr Wirken entfalteten.
H.-P. Ammel: Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Etwa 1,4 Mio. Quadratmeter Ausgleichsfläche, das sind 280 Sportplätze, hat der Veranstalter über das ganze Jahr für den Naturschutz zur Verfügung gestellt, damit die Gäste fünf Tage lang auf etwa 700.000 m² zelten konnten. Jüngstes Unterfangen war es sogar noch, neben den ganzen eben erwähnten Auflagen nochmals weitere Ausgleichsflächen für die Wiesen zu verlangen. Irgendwann läuft jedoch jedes Fass über.
Blick aktuell: Was bedeutet das jetzt für Mendig?
Jörg Lempertz: Wer uns Mendiger kennt, der weiß, dass Rückschläge für uns keine Hindernisse bedeuten. Im Gegenteil. Wir nehmen dies eher als Ansporn, unsere Sprungkraft im Hindernislauf zu verbessern. Das kann uns nicht beeindrucken. Ein Beweis dafür ist ja nicht zuletzt die Erfolgsgeschichte Konversion selbst. Als wir hier vor knapp acht Jahren begonnen hatten, den Flugplatz über die Konversion einer neuen Nutzung zuzuführen und den Standort für Industrie- und Gewerbeansiedlung zu entwickeln, hat doch kaum jemand an das geglaubt, was er nun heute auf dem Gelände vorfinden kann. Eine gesunde Infrastruktur und immer mehr Firmen, die unserer Heimat Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft schenken.
Blick aktuell: Wie hat denn die Bevölkerung auf die Nachricht reagiert?
H.-P. Ammel: Die Enttäuschung ist in Mendig mit Sicherheit groß, aber auch in der umliegenden Region. Die emotionale Bindung zum Festival hier bei uns in Mendig war ja von Anfang an spürbar. Was hier alles entstanden ist, sucht seinesgleichen.
Blick aktuell: Wäre denn eine andere Großveranstaltung in Mendig denkbar?
Jörg Lempertz: Den Focus auf weitere Veranstaltungen zu legen, ist sicher richtig. Man könnte den eingeschlagenen Weg konsequent weiter beschreiten, da im Spätsommer und Herbst die Brutvorgänge der Feldlerche abgeschlossen sind und damit die Artenschutzproblematik weitestgehend ausgeblendet werden kann. Wir haben in Mendig immer an Chancen geglaubt und Visionen verwirklicht. Das wird auch in Zukunft mit den flexiblen und weltoffenen Mendigern gelingen.
Blick aktuell: Vielen Dank für das Gespräch! FRE
