Wolfgang Gisevius tritt aus gesundheitlichen Gründen zum 31. März zurück
Der neue Ortsbürgermeister muss bis zum 31. Juni gewählt werden
Rheinbreitbach. Nur vier Wochen nachdem Wolfgang Gisevius mit Ansgar Federhen von Bündnis 90/Die Grünen seinem neuen Ersten Beigeordneten auf der Januar-Sitzung des Rheinbreitbacher Gemeinderats zur glücklichen Wahl gratuliert hatte, überraschte der Bürgermeister von Rheinbreitbach die Ratsmitglieder mit seinem Rücktritt, den er seinem Vorgänger, VG-Chef Karsten Fehr, zum 31. März angekündigt hatte. „Sein Entschluss, aus gesundheitlichen Gründen zurückzutreten, kam auch für mich sehr überraschend. Ich habe aber vollstes Verständnis dafür, dass er in seiner Lebensplanung nunmehr andere Prioritäten als politische setzt und wünsche ihm für seine Zukunft alles erdenklich Gute“, erklärte der Bürgermeister der VG Unkel. Als ehrenamtlicher Ortsbürgermeister von Rheinbreitbach habe sich der 74-jährige Sozialdemokrat stets für einen Ausgleich in der Politik engagiert und das schwierige Amt als Mediator ausgeübt. Für die Zeit nach dem 31. März werde die Verwaltung gemeinsam mit dem Rheinbreitbacher Ortsgemeinderat und der Aufsichtsbehörde die notwendigen weiteren Schritte erörtern und einleiten. „Zunächst gilt jedoch Wolfgang Gisevius mein Dank dafür, dass er sich als Rheinbreitbacher Ortsbürgermeister ehrenamtlich für das Gemeinwohl eingesetzt hat und sich auch mit Sicherheit bis zum Ende seiner Amtszeit weiterhin einsetzen wird“, betonte Karsten Fehr. Der gebürtige Dresdner Gisevius, der vor seiner Pensionierung etwa für die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie das Forum Nordrhein-Westfalen tätig war und als Kenner kommunalpolitischer Gegebenheiten gilt, hatte 2014 für viele überraschend mit Unterstützung auch von Grünen und FDP dem christdemokratischen Bürgermeisterkandidaten Andreas Nagel mit 52,64 Prozent der Stimmen das nachsehen gegeben. „Der Erste Ortsbeigeordnete Ansgar Federhen und der VG-Bürgermeister Karsten Fehr, haben mich am Samstag, 24. Februar telefonisch darüber informiert, dass Wolfgang Gisevius zum 31. März als Ortsbürgermeister aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt. „Wir sind von seinem Entschluss überrascht worden und wünschen Wolfgang Gisevius von Herzen Gesundheit“, erklärte die CDU-Fraktionsvorsitzende Anita Unkels. Der Gemeindeordnung entsprechend müssten die Rheinbreitbacher Bürger spätestens drei Monate nach Freiwerden der Stelle, also bis spätestens Ende Juni, einen neuen Bürgermeister wählen. Bis zur Amtseinführung des nächsten Ortsbürgermeisters werde der Erste Beigeordnete Ansgar Federhen die Amtsgeschäfte führen. Die CDU werde zu gegebener Zeit beraten, wen sie als Kandidatin oder Kandidaten für die nun anstehende Bürgermeister-Wahl nominiere.
Dass es zu dieser kommen wird, sieht auch Karsten Fehr so. „Die Möglichkeit, die Direktwahl auszusetzen, sehe ich vorerst nicht. Wir werden bis spätestens zum 31. Juni den Nachfolger von Wolfgang Gisevius wählen“, erklärte er. Die Kosten für die Wahl würden sich in überschaubaren Grenzen halten, da ja nur der Bürgermeister zu wählen sei. Laut Büroleiter Jörg Harperath belaufen sich diese auf rund 6.100 Euro, wobei die Personalkosten in der Verwaltung für die Begleitung der Bürgermeisterwahl und für die Briefwahl nicht zu beziffern seien. Sollte es zu einer Stichwahl kommen, müsste mit weiteren Ausgaben in Höhen etwa 2.400 Euro gerechnet werden, so Jörg Harperath.
Das setzt allerdings voraus, das mindestens zwei Rheinbreitbacher bereit sind, für das Amt bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2019, also für gut neun bis zehn Monate zu kandidieren. Immerhin hatte die CDU nach dem Rücktritt ihres Parteifreundes Manfred Kaulen keinen eigenen Kandidaten gegen den Sozialdemokraten Roland Thelen ins Rennen geschickt. Erst nach einer Unterbrechung der Sitzung am 24. Januar, hatte sich die Fraktion darauf verständigt, Ansgar Federhen zu unterstützen, der erst zum 1. Januar 2017 als Beigeordneter zurückgetreten war und sich nun spontan als Kandidat ins Gespräch gebracht hatte und dann nach zweimaligem Patt-Wahlausgang per Losentscheid das Rennen gemacht hatte.
Abgesehen von dem Rücktritt Manfred Kaulens haben die Christdemokraten in dieser Legislaturperiode schon etliche Ratsmitglieder ersetzen müssen. So rückten nach nur zehn Monaten Petra Ockenfels und Ralf Röder im März 2015 für Andreas Nagel und Udo Böhme nach und im Mai 2017 Kurt Bley für Erich Nagel, bevor dann Udo Hillenbrand im Januar für den bisherigen Fraktionsvorsitzenden Hermann-Josef Becker in den Gemeinderat nachrückte. Dessen Ausscheiden bedauert der SPD-Fraktionsvorsitzende Rudolf Martin fast ebenso wie den Rücktritt von Wolfgang Gisevius. „Ich habe mit meinem Schulfreund etwa im Ausschuss ‚Sparen‘ über die Parteigrenzen hinweg konstruktiv zum Wohle der Bürger zusammengearbeitet. Wie Wolfgang Gisevius bin ich der Ansicht, dass ideologischen Winkelzüge in der Kommunalpolitik nichts zu suchen haben“, erklärte er. Auch wenn in Rheinland-Pfalz bereits im Frühjahr 2019 Kommunalwahlen und damit die Wahlen der Ortsbürgermeister anstehe, werde der Ort wohl in den kommenden drei Monaten einen Sonntag opfern müssen, so der Kommentar des Sozialdemokraten.
DL
