Politik | 10.08.2013

Autoliebhaber Edgar Rausch kämpft für den Nürburgring

Die Grüne Hölle und eine Universität

Adenauer Unternehmer fordert Arbeitsplätze, Uni oder Hochschule. Finanzierung aus EU-Mitteln

Noch fährt kein Wagen der Achterbahn, sie soll nach der Abnahme viele Gäste an die Rennstrecke locken

Adenau. Es muss eine Mischung aus traditioneller Grüner Hölle und High-Tech-Firmen sein, aus Chance für junge Eifelaner, die immer weniger Arbeitsplätze in der Region um die schönste Rennstrecke der Welt finden, aus Angeboten für Studenten oder Fachhochschüler, aus Unterhaltungsevents und Übernachtungsmöglichkeiten, und, und, und. Edgar Rausch hat Visionen, wie es am Nürburgring und in der strukturschwachen Eifel weitergehen kann. Mit dem 54-jährigen Leiter des Adenauer Autohauses Rausch sprach Werner Meyer.

Blick aktuell: Herr Rausch, wie kommt Ihre starke Bindung zum Ring?

Edgar Rausch: Ich bin hier geboren, schon mit 16 mit meiner Kreidler über die Rennstrecke gerast, bei Langstreckenrennen und den 24 Stunden erfolgreich gestartet. Brücken, Gebäude, Statuen und Bilder - Alles wird Weltkulturerbe. Hat das der Nürburgring nicht auch verdient? Was ist so bekannt wie diese historische, einzigartige und berüchtigte Rennstrecke? Was ich nun sehe, bricht mir fast das Herz. Seit Langem wird über Verkauf oder Versteigerung gesprochen, es gibt eine Vielzahl von Interessenten. Ernsthafte und nicht so ernsthafte. Was jetzt ganz wichtig ist: Es muss ein verantwortungsvoller Käufer gefunden werden, der sich auch für die Region stark macht, internationale Kontakte pflegt, Arbeitsplätze und Ausbildungsstellen schafft, Rennsportbegeisterte anspricht und Touristen anlockt. Es ist kurz vor 12. Wir müssen handeln, sofort. Im Gläubigerausschuss sind drei von fünf Mitgliedern aus Adenau. Sie müssen genau zusehen, dass der Käufer sich mit seinen Planungen an den Interessen der Region ausrichtet.

Blick aktuell: Wie wollen Sie das Umfeld stark machen?

Edgar Rausch: Es sind Anregungen, die ich formuliere. Beginnen sollte man mit einem für Ring und Eifel elementaren Problem. Die jungen Leute finden hier immer weniger qualifizierte Ausbildungsplätze und wandern in die Städte ab. Das müssen wir stoppen. Warum soll sich nicht eine Technische Universität hier ansiedeln, eine Fachhochschule oder ähnliche Einrichtung. Hier stehen inzwischen einige kaum genutzte Gebäude, die sich super dafür eignen würden. Ringboulevard und Eifeldorf bieten sich an als Platz für Klassenräume oder Hörsäle. Die Abwanderung unserer Jugend muss so verhindert werden. Warum werden Milliarden ausgegeben, um Städte wie Stuttgart unterirdisch auszuhöhlen oder Flughäfen zu bauen wie in Berlin, wobei die Folgekosten nicht absehbar sind. Das kostet den Steuerzahler Milliarden. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltungen müssen verhindern, dass die Eifel weiter ausblutet. Studenten finden rund um den Ring viele leer stehende Häuser, die 30000 bis 50000 Euro kosten. Wenn ein Student sich eine solche Immobilie kauft und an eine WG mit fünf Personen vermietet, von jedem 200 Euro im Monat bekommt, hat er sein Haus in fünf Jahren mehr als bezahlt.

Blick aktuell: Eine schöne Vision. Doch woher wollen Sie Studienplätze und hochqualifizierte Arbeitsstellen nehmen, wie eine solche Idee umsetzen?

Edgar Rausch. Hier ist die Politik gefragt. Sehen Sie: In dem Text zu Fördermitteln der Europäischen Union steht, ich zitiere: `Die EU vergibt Fördermittel, um bestimmte gesellschaftspolitische Zielsetzungen umzusetzen. Beispielsweise fließt in strukturell schwache Gebiete mehr Geld, um den Abbau der Ungleichgewichte zwischen einzelnen Regionen zu ermöglichen. Der Fokus der finanziellen Unterstützung liegt zum Beispiel auf der Stärkung der Forschungs- und Entwicklungskapazitäten.` Das Alles trifft genau auf unsere Region Ring zu. In dem EU-Topf sind Milliarden Euro. Jetzt müssen die Politiker Anträge stellen und das Geld abrufen. Wenn nicht, müssen wir Bürger auf die Straße gehen, in Mainz oder Brüssel. Wir alle sind betroffen: Rentner, Kinder, Schüler und Jugendliche, Firmen, Vereine, Unternehmen - wir alle eben. Nutzen wir unsere letzte Chance!

Blick aktuell: Universität oder Fachhochschule, soll das auch aus EU-Mitteln finanziert werden?

Edgar Rausch: Das muss versucht werden. Denkbar ist aber auch, dass Firmen Schülern Praktikumplätze anbieten und so neue Mitarbeiter finden. Rund um den Nürburgring, zum Beispiel im Gewerbepark Meuspath, gibt es eine Vielzahl von Weltunternehmen, die sich bewusst hier angesiedelt haben, um auf der Rennstrecke zu testen. Diese Firmen könnten eng mit einer Bildungseinrichtung zusammenarbeiten, die eine technische Ausrichtung hat, vielleicht mit dem Schwerpunkt Auto. Aber das darf nicht Alles sein. Wir brauchen Serviceunternehmen, Produzenten und Forschung. Es entsteht in unserer Gesellschaft ein starkes Ungleichgewicht, die strukturschwache Eifel erlebt das schmerzlich. Verantwortungsvolle Politiker und Gewerbetreibende müssen dem entgegenwirken. Wir brauchen qualifizierte Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Aus einer Kooperation könnte die Uni/Hochschule mitfinanziert werden.

Blick aktuell: Und was wird aus Rennstrecke, Fahrerlager und Tribünen?

Edgar Rausch: Wer hier auch nur da Wort ´Verkauf` in den Mund nimmt, handelt fahrlässig und unverantwortlich. Wie gesagt, die neuen Gebäude oder die Achterbahn müssen endlich genutzt werden. Aber die Grüne Hölle ist der Wirtschaftsfaktor der Region. Tausende von Fahrern jedes Jahr, Tausende Besucher an der Strecke, Tausende bei Rock am Ring oder den 24 Stunden, beim Oltimer-Grand-Prix am kommenden Wochenende und bei unzähligen Veranstaltungen mehr. Hier sind die Leute verunsichert, wie es weiter geht. Leerstände in den Orten zeugen davon, Wohnungen bleiben unvermietet, Häuser sind kaum zu verkaufen. Wir haben hier eine gute Infrastruktur und einen Mix aus Technik, Natur und Motorsport. Die Rennstrecke steht im Mittelpunkt. Aber auch die neuen Gebäude gehören dazu - nicht abreißen, nutzen. Jetzt ist es notwendig, eine Mischung zu finden aus diesem Rundkurs und den schon historischen Gebäuden rundum, dazu Unterhaltung und ein Angebot nicht nur halbjährlich, sondern das ganze Jahr. Der Tourismus muss angekurbelt werden, es muss ein Angebot im Sommer und Winter geben. Wir haben Natur, Ruhe, Erholung, Wandern, Radfahren, Motorsport und Technik. Dazu brauchen wir Ausbildungsplätze und wertige Stellen, um die Jugend zu halten. Es ist höchste Zeit zu handeln, und zwar von allen Parteien. Wir haben Euch gewählt und keine Konkursverwalter!

Blick aktuell: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Noch fährt kein Wagen der Achterbahn, sie soll nach der Abnahme viele Gäste an die Rennstrecke locken
Die Grüne Hölle und eine Universität
Die Grüne Hölle ist ein Anziehungspunkt für Hobbyfahrer und Autohersteller, für Besucher und viele internationale Firmen, die auf der Rennstrecke testen.

Noch fährt kein Wagen der Achterbahn, sie soll nach der Abnahme viele Gäste an die Rennstrecke locken

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