Politik | 20.05.2016

Lokale Aktionsgruppe (LAG) Rhein-Eifel

Die Region weiter nach vorn bringen

Die Region weiter nach vorn bringen

Region. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Rhein-Eifel wurde im Juli 2015 erstmals für die Förderperiode 2014-2020 als LEADER Region anerkannt. Seit April 2016 gibt es jetzt auch ein Regionalmanagement, sodass die Region jetzt richtig durchstarten kann.

Gemeinsam mit den Menschen vor Ort möchte die LAG die Region weiter nach vorne bringen. Die Bürger, Vereine, Betriebe etc. aus der Region sind dazu aufgerufen, bis 1. Juni innovative Projekte einzureichen. Diese werden von einem Gremium aus Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft und des Sozialbereichs bewertet. Die besten Projektideen erhalten dann einen finanziellen Zuschuss aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Am 27. April fand im alten Rathaus in Mayen eine erste Info-Veranstaltung für Interessierte statt, in der erläutert wurde, was bei der Projektantragstellung zu beachten ist. Wir haben mit der Regionalmanagerin Hannah Reisten vom Büro Sweco (früher: Grontmij) aus Koblenz gesprochen.

Frage: Frau Reisten, Sie sind seit Anfang April die Regionalmanagerin der LAG Rhein-Eifel. Wie wird man Regionalmanagerin?

Hannah Reisten: Ich habe in Mayen mein Abitur gemacht, in Trier Geographie studiert, anschließend LEADER-Erfahrung in der Wartburgregion in Thüringen gesammelt und arbeite nun für die Firma Sweco aus Koblenz. Als Büro wurden wir von der LAG mit dem Regionalmanagement beauftragt. Da es meine Heimatregion ist, lag es auf der Hand, dass ich das Projekt übernehme.

Frage: Und was ist die Aufgabe einer Regionalmanagerin?

Hannah Reisten: Für die Lokale Aktionsgruppe hat unser Büro Sweco letztes Jahr gemeinsam mit vielen interessierten Menschen aus der Region eine Lokale Integrierte Ländliche Entwicklungsstrategie - kurz LILE - erarbeitet. Diese legt die Ziele der Region bis zum Jahr 2020 fest und gibt die Richtung vor, in die sich die Region entwickeln soll. Die LILE hat die Region als Wettbewerbsbeitrag zur Anerkennung als LEADER-Förderregion beim rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten eingereicht. Mit Erfolg. Meine Aufgabe ist es nun, die LAG und ihre Gremien bei der Umsetzung zu begleiten.

Frage: Die Region Rhein-Eifel besteht aus den Verbandsgemeinden Adenau, Bad Breisig, Brohltal, Vordereifel und der Stadt Mayen. Welchen Vorteil bringt es, dass diese nun zusammen „LEADER-Region“ sind?

Hannah Reisten: LEADER ist ein Förderprogramm der EU zur Entwicklung des ländlichen Raums. LEADER steht für „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ und bedeutet übersetzt „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. Das Programm soll die Zusammenarbeit innerhalb der Region stärken. Grundlage hierfür ist die LILE, in der die Akteure aus allen fünf Kommunen gemeinsam Ziele definiert haben, die sie erreichen möchten. Dabei haben sie nicht nur gebiets-, sondern auch fachübergreifend zusammengearbeitet.

Letztlich dient die Zusammenarbeit und Vernetzung der regionalen Partner immer der Umsetzung von konkreten Projekten. Die Projekte sollen allen beteiligten und der gesamten Region einen konkreten Nutzen bieten, zum Beispiel Arbeitsplätze schaffen, den Bekanntheitsgrad der Region erhöhen oder die Lebensqualität in der Region verbessern.

Hierfür stehen der Region bis zum Jahr 2020 insgesamt 2,7 Millionen Euro aus Fördermittel der EU, des Landes und der Kommunen zur Verfügung. Davon fließen ein Teil in die Umsetzung des LEADER-Programms in der Region, der größte Teil, 2,1 Millionen Euro, steht aber für die Förderung der Umsetzung von Projekten zur Verfügung. Damit wird das Budget der Projektträger aufgestockt, um die Realisierung zu erleichtern.

Frage: Gibt es schon konkrete Projekte?

Hannah Reisten: In der Phase, in der die LILE erstellt wurde, haben uns über 100 Projektideen erreicht. Diese gilt es nun zu konkretisieren und die Ideengeber zu motivieren, einen Projektantrag einzureichen. Die LAG hat ihren ersten Projektaufruf mit 324.750 Euro gestartet, die als Zuschuss zu innovativen Projekten vergeben werden sollen.

Frage: Das heißt, die LAG vergibt jetzt 324.750 Euro Fördermittel für ein Projekt?

Hannah Reisten: Es wird nicht die gesamte Summe nur für ein Projekt vergeben. Die Mindestförderung liegt bei 2.000 Euro, und maximal ist ein Zuschuss von 250.000 Euro pro Projekt möglich. So kann die LAG mehreren guten Projekten eine finanzielle Unterstützung geben. Ein zweiter Projektaufruf ist im Spätsommer vorgesehen, und bis zum Ende der Förderperiode im Jahr 2020 wird es noch viele weitere Projektaufrufe geben.

Frage: Und wie wählt die LAG die Projekte aus, die einen Zuschuss bekommen?

Hannah Reisten: Die LAG hat ein Entscheidungsgremium, das die Projektauswahl trifft. Das Gremium besteht aus den fünf Bürgermeistern vier Partnern aus der Wirtschaft und vier Partnern aus der Zivilgesellschaft. Diese wählen die Projekte anhand fester Projektauswahlkriterien aus und entscheiden gemeinsam über die Höhe der Förderung. Die Projektauswahlkriterien und Fördersätze sind in der LILE festgeschrieben und für jeden einsehbar.

Frage: Also stehen alle in einem Projektaufruf eingereichten Projekte im Wettbewerb zueinander?

Hannah Reisten: Genau. Die Projekte, die am meisten zu den Zielen der Region passen, erhalten eine Förderung.

Frage: Wenn ich eine Projektidee habe, wie nehme ich dann an diesem Wettbewerb teil?

Hannah Reisten: Wenn sie eine Idee haben, können Sie sich gerne bei mir melden. Zu meinen Aufgaben zählt auch die kostenlose Beratung von potenziellen Projektantragstellern. Sie nehmen an der Projektauswahl teil, indem Sie zum Stichtag des Projektaufrufs einen Projektsteckbrief einreichen – diesmal ist dies der 1. Juni. In diesem erläutern Sie Ihre Idee so konkret wie möglich, inklusive Kosten- und Finanzierungsplan. Den Projektsteckbrief können Sie auf den Webseiten der Verbandsgemeinden und der Stadt Mayen herunterladen. Er ist die Entscheidungsgrundlage für die Projektauswahl durch das Entscheidungsgremium. Zusätzlich können Sie in der Sitzung des LAG-Entscheidungsgremiums Ihr Projekt selbst vorstellen. Wenn dieses über Ihr Projekt positiv entscheidet, müssen Sie nur noch einen formellen Förderantrag stellen, der bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier eingereicht wird. Wenn Sie von dieser Ihren Bescheid erhalten haben, können Sie mit der Umsetzung starten.

Frage: Haben Sie ein paar Tipps für mich?

Hannah Reisten: Ja. Es gibt ein paar formelle Kriterien, die vorab zu beachten sind und die Sie prüfen sollten: Zum Beispiel muss das Vorhaben im LEADER-Gebiet Rhein-Eifel liegen, mit dem Vorhaben darf noch nicht begonnen worden sein, und es muss in die Ziele der EU, des Landes und der Region passen. Überlegen Sie sich genau, wer Projektträger sein soll und was Sie konkret gefördert haben wollen, dem Projektsteckbrief müssen Sie nämlich eine Kostenaufstellung beifügen. Außerdem sollten Sie daran denken, dass Sie immer auch einen Eigenanteil einbringen müssen.

Frage: Wie viel Geld bekomme ich, wenn mein Projekt die Jury überzeugt?

Hannah Reisten: Ich empfehle Ihnen, bei der Kostenkalkulation mit der Basis-Förderung zu rechnen. Diese liegt bei privaten Antragstellern bei 35 Prozent der förderfähigen Kosten, bei gemeinnützigen Antragstellern bei 40 Prozent und bei öffentlichen Zuwendungsempfängern bei 65 Prozent. Falls Ihr Projekt eine besonders gute Qualität hat, besteht die Möglichkeit, dass das Entscheidungsgremium den Fördersatz erhöht. Maximal können Sie 250.000 Euro Zuschuss erhalten.

Frage: Sie sagten, dass zu Ihren Aufgaben auch die Vernetzung gehört. Was bedeutet das und wie setzen Sie das in der Praxis um?

Hannah Reisten: Es ist wichtig, die Fähigkeiten der lokalen Bevölkerung für die zukünftige Entwicklung ihrer Region zu mobilisieren. Die Kreativität vor Ort soll eine tragende Rolle spielen, denn die Menschen der Region wissen am besten, was für Ihre Region das Richtige ist. Die Region hat sich drei Handlungsfelder, also drei Themen, gegeben: „Wohnen und Leben“, „Tourismus und Wirtschaft“ sowie „Natur und Landschaft“. Hierzu wird es bald thematische Arbeitskreise geben, in denen die verschiedenen Akteure bestimmte Themen gemeinsam bearbeiten und Projekte entwickeln, die dann im Idealfall gefördert werden.

Jedes Jahr gibt es außerdem ein öffentliches Regionalforum, in dem die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen präsentiert werden und themenübergreifende Projekte diskutiert werden. In diesen Veranstaltungen kommen Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden und fachlichem Hintergrund zusammen und arbeiten gemeinsam an der Entwicklung ihrer Heimatregion. Sie vernetzten sich. Jeder in der Region ist deshalb herzlich dazu eingeladen, sich an diesen Veranstaltungen zu beteiligen. Die Termine werden wir frühzeitig in der Presse und unter www.leader-rhein-eifel.de bekannt geben, wobei der Internetauftritt sich derzeit noch im Aufbau befindet.

Frage: LEADER ist ein europäisches Programm. Haben Sie auch Kontakt zu anderen LEADER-Regionen?

Hannah Reisten: Ja, auch mit denen bin ich vernetzt. Mit den rheinland-pfälzischen LEADER-Regionen „Vulkaneifel“, „Rhein-Wied“ und „Welterbe Oberes Mittelrheintal“ sowie der Region „Eifel“ aus Nordrhein-Westfalen streben wir eine projektbezogene Zusammenarbeit an. Mit den anderen rheinland-pfälzischen Regionalmanagern tauschen wir uns bei regelmäßigen Treffen aus. Die „Deutsche Vernetzungsstelle ländlicher Raum“ gehört zur Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Ihre Aufgabe ist die Vernetzung aller deutschen Aktionsgruppen. Ein Mal jährlich findet ein deutschlandweites Treffen der Regionalmanager statt. Manche Regionen stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie unsere, da ist ein Austausch schön. Man kann gemeinsam Ideen entwickeln, seine Erfahrungen weitergeben und von denen anderer profitieren. Pressemitteilung

der Sweco GmbH

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