Politik | 18.01.2024

Landesregierung nötigt nun auch Niederwambach zu Steuererhöhungen

Doppelhaushalt 2024/2025 „zähneknirschend“ beschlossen

Niederwambach. 700.000 Euro Einnahmen stehen Ausgaben in Höhe von knapp 800.000 Euro jährlich gegenüber – das sind die Zahlen, die die Verbandsgemeindeverwaltung dem Ortsgemeinderat Niederwambach für die Haushaltsjahre 2024-2025 vorgelegt hat.

Knapp 500.000 Euro der Ausgaben entfallen auf Umlagen für den Landkreis und die Verbandsgemeinde – u.a. für KiTa, Schulen, Schulbusse, Schwimmbad, Feuerwehr und natürlich auch die Verwaltungen selber. Die Umlagen werden übrigens so berechnet, als hätte die Gemeinde die Steuern auf die vom Land vorgegebenen Hebesätze erhöht. Die Ablehnung einer Steuererhöhung für das Jahr 2023 hat die Ortsgemeinde Niederwambach so gesehen schon einige Tausend Euro „Strafe“ gekostet. Nach Abzug der Umlagen verbleiben der Ortsgemeinde Niederwambach damit zur Bewältigung eigener Aufgaben in der kommenden Haushaltsplanung jährlich nur ca. 200.000 Euro.

Der größte Ausgabenposten mit ca. 50.000 Euro ist für die Aufforstung notwendig, Insekten und Sturm haben, getrieben durch den Klimawandel, den Gemeindewald schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bedenkt man, dass die Ortsgemeinde Niederwambach in der Vergangenheit durch Holzverkauf ein sattes Plus von ca. 50.000 Euro jährlich erwirtschaftet hat, ist hier deutlich nachzuvollziehen, warum der Haushalt trotz jahrelanger Sparsamkeit und des Verzichts auf teure Projekte aus eigener Kraft auf keinen Fall ausgeglichen werden kann. Nach Abzug von Personalkosten und weiteren Kosten für Pflichtaufgaben bleibt der Ortsgemeinde von den Einnahmen nichts mehr übrig. Jede weitere Maßnahme innerhalb der Gemeinde bringt die Kasse folglich ins Minus.

2022 wurden den Kommunen in Rheinland-Pfalz zur Finanzierung der Haushalte durch eine Änderung des Landesfinanzausgleichsgesetzes Rheinland-Pfalz (LFAG) „Daumenschrauben“ angelegt. Die Regelungen zwingen die Gemeinden faktisch dazu, die Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer massiv zu erhöhen und somit die ohnehin durch Inflation und Energiekrise stark belasteten Bürgerinnen und Bürger stärker zur Kasse zu bitten. Sollten die Steuern nicht auf die vom Land geplanten Nivellierungssätze angehoben werden, sind die Aufsichtsbehörden angewiesen, unausgeglichene Haushalte nicht zu genehmigen. Damit wäre selbst das Wenige, was derzeit noch für die Menschen in den Dörfern geboten wird, nicht mehr finanzierbar. Und bei Investitionen gäbe es keine Förderung vom Land – dann regiert der Stillstand.

Niederwambach ist schuldenfrei und verfügt auch noch über Rücklagen. Der Grundsatz „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not!“, wird haushaltsrechtlich jedoch nicht zugelassen. Das von den Bürgern erwirtschaftete und angesparte Geld darf nicht zum Haushaltsausgleich genutzt werden. Vielmehr müssen die Bürger dabei zusehen, wie die Rücklagen der Ortsgemeinde durch immer weiter steigende Umlagen dahinschmelzen wie der Schnee in der Sonne.

Zähneknirschend hat der Ortsgemeinderat Niederwambach deshalb beschlossen, die Hebesätze für die Grundsteuer und die Gewerbesteuer nach den gesetzlichen Vorgaben des Landes erhöhen. In Niederwambach lag der Hebesatz bei der Grundsteuer B bisher bei 365 Prozentpunkten. Eine Anhebung auf die geforderten 465 Punkte bedeutet Mehreinnahmen in Höhe von 14.000 Euro jährlich.

Die weniger einnahmerelevante Grundsteuer A wird auf 345 Punkte und die Gewerbesteuer auf 400 Punkte erhöht. Beides sorgt für eine fühlbare Mehrbelastung in der Geldbörse des Einzelnen, bringt den Haushalt aber nicht annähernd aus den roten Zahlen. Das müsste die Landesregierung mit einer Überarbeitung des kommunalen Finanzausgleichs tun und wenigstens die Dinge bezahlen, die sie bestellt hat.

Durch großes ehrenamtliches Engagement der Einwohner konnte in den letzten Jahren auf die Beantragung von Fördermitteln verzichtet werden!

Auch in den vergangenen Jahren sah die Haushaltsplanung nicht so rosig aus. Durch Ausgabendisziplin und eine breite Bürgerbeteiligung konnte bei den jeweiligen Jahresabrechnungen aber weitgehend ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt werden. Und das ganz ohne Fördermittel, die ja auch aus Steuergeldern finanziert werden. „Vielleicht sind wir da auch nicht egoistisch genug!“, merkt Ortsbürgermeister Achim Ramseyer an. Um Fördergelder zu erhalten, müssen zudem aufwendige Antragsverfahren, überbordende bürokratische Hürden wie z.B. Machbarkeitsstudien, Architektenwettbewerbe, Ausschreibungsverfahren und dergleichen durchlaufen werden. Das treibt den Preis und vorgesehene Maßnahmen dauern oft gefühlte Ewigkeiten.

Schilder oder Schilda?

So hätte die Ortsgemeinde für den von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich angelegten und mit Spenderbänken ausgestatteten Rad- und Wanderweg „Rund um Niederwambach“ bei Beachtung der „Hinweise zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr Rheinland-Pfalz“ (266 Seiten ohne Anlage) für Schilderkosten von ca. 2500,- Euro Fördermittel in Höhe von 2000,- Euro erhalten können. Nach Beratung wurden die Schilder für 300,- Euro bei einem örtlichen Unternehmer in Auftrag gegeben und konnten 14 Tage später montiert werden. Der Weg wird nach bürokratischer Definition nie ein „Premiumweg“, aber Einwohner und Besucher sind zufrieden.

„Wir haben in unserer kleinen Westerwaldgemeinde durch einige Bürgerprojekte in den vergangenen fünf Jahren mehr gespart, als uns die Steuererhöhungen in den nächsten fünf Jahren einbringen werden. Wenn die Belohnung für solche gemeinnützigen Arbeiten Steuererhöhungen sind, dann wird künftig sicher der eine oder die andere nicht mehr bereit sein, in der Freizeit die Ärmel hochzukrempeln“, befürchtet Ortsbürgermeister Achim Ramseyer.

Pressemitteilung der

Ortsgemeinde Niederwambach

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Titel
Koblenz blüht
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige
Empfohlene Artikel
31

Sinzig. Der CDU Stadtverband Sinzig bietet in diesem Jahr wieder eine Bürgerreise an: vom 30. September (Mittwoch) bis 4. Oktober (Sonntag) fahren wir mit einem modernen Reisebus der Firma Welter-Reisen nach Berlin.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2299

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Kreishandwerkerschaft
Alles rund ums Haus
Fahrer gesucht (m/w/d)
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Schulze Klima -Image
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Angebotsanzeige (April)
PR-Anzeige