Politik | 02.03.2016

Wachtberger Bildungsausschuss berät über Kindertagesstätten

Drei Provisorien sollen Engpass auffangen

Limbachstiftung will zwei Gruppen in Betrieb nehmen – Katholische Kirchengemeinde plant eine weitere provisorische Gruppe – Neubau in Villiprott

Wachtberg. Ausweislich der Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2016/17 fehlen in der Gemeinde Wachtberg etwa 150 Kindergartenplätze. Deshalb beantragte die CDU-Fraktion eine Sondersitzung des Ausschusses für Bildung und Jugend, in dem die Kindergartensituation im Drachenfelser Ländchen beraten werden sollte, zumal die Flüchtlingskinder noch nicht aber berücksichtigt seien. Unklar sei außerdem, inwieweit der von der Limbachstiftung versprochene Kindergarten in Berkum realisiert werden könne und damit als eine Säule der Kindergartenversorgung überhaupt tragfähig sein.

„Die ausreichende Versorgung mit Kindergartenplätzen ist ein wesentlicher Faktor für junge Familien bei der Standortwahl und daher ein Imagefaktor für Wachtberg als Wohnort“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Franz Jäger. Deshalb erwarte seine Fraktion Auskunft darüber, welche konkreten Maßnahmen die Verwaltung in Abstimmung mit dem Rhein-Sieg-Kreis als Träger der Jugendhilfe plane, um den Bedarf an Plätzen für das Kindergartenjahr 2016/17 sicherzustellen. Ebenso wolle man wissen, welche Auswirkungen diese gegebenenfalls auf den noch zu verabschieden Gemeindehaushalt 2016 hätten.

CDU will Druck auf die Entscheidungsträger ausüben

„Uns treibt die Sorge, dass wir im Sommer mit einer maßgeblichen Unterdeckung dastehen, die nicht aufgefangen werden kann. Deshalb wollen wir mit der Sondersitzung den Diskussionsprozess beschleunigen und Druck auf die Entscheidungsträger ausüben“, machte Hartmut Beckschäfer (CDU) klar. Hier sei vor allem der Kreis in der Verantwortung, aber auch die Gemeinde sei nicht ganz außen vor. „Ein Teil der Verantwortung liegt bei uns, aber bislang ist bis auf die Provisorien nichts greifbar und wir wissen auch nicht, ob und was wir in den Haushaltsplan einarbeiten müssen.“

Die Bedarfsplanung sei eine Rechnung mit vielen Unbekannten und Unwägbarkeiten, erläuterte Ulla Schrödl, die Leiterin des Kreisjugendamts. Besonders in Wachtberg komme noch als Schwierigkeit hinzu, dass viele Eltern ihre Kinder in Betriebskindergärten in Bonn unterbrächten, was aber schwer vorherzusehen sei. Ein weiteres Problem sei die Finanzierung der notwendigen zusätzlichen Kindertagesstätten, denn die ausschlaggebende Landesförderverordnung werde wahrscheinlich erst Ende April verabschiedet, und was darin stehe, wisse derzeit noch niemand. Ein vorzeitiger Baubeginn vor Antragstellung sei jedoch förderschädlich, sodass man realistisch mit der Ausschreibung für die neuen Kindertagesstätten erst dann beginnen könne, wenn die Verordnung vorliege.

Lange Warteliste für die kommunalen Kindergärten

Laut Gemeindeverwaltung gibt es derzeit für das im August beginnende neue Kindergartenjahr in Wachtberg insgesamt 156 freie Plätze in den örtlichen Kindergärten. Die Zahl der freien Plätze im Tagespflegebereich könne derzeit noch nicht genannt werden, hier stünden insgesamt 84 Betreuungsplätze zur Verfügung. Auf der Warteliste für die kommunalen Kindergärten stünden derzeit allerdings 93 Ü3-Kinder und 142 U3-Kinder, hinzu komme eine unbekannte Zahl von Kindern, die auf den Wartelisten der Kindertagesstätten in anderer Trägerschaft geführt würden. Kinder, die nach dem 1. November 2015 geboren seien, sowie solche, die nach Wachtberg zuziehen, seien auf den Wartelisten noch nicht berücksichtigt. Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) hatte auch schon einige Vorschläge, wie man zusätzliche Kindergartenplätze bis zum Beginn des Kindergartenjahres noch schaffen könne. Zum einen könne die private Limbachstiftung, deren Kuratoriumsvorsitzende sie qua Amt ist, bis dahin noch zwei provisorische Gruppen errichten und in Betrieb nehmen. Außerdem sei die katholische Kirchengemeinde bereit, eine weitere provisorische Gruppe am katholischen Familienzentrum in Berkum zu errichten. Eine weitere Gruppe könne an die bestehende kommunale Kindertagesstätte in Werthhoven angebaut werden, außerdem sei der Bau einer zwei- bis dreigruppigen Kindertagesstätte in Villiprott auf einem gemeindeeigenen Grundstück möglich, hier müsse die Trägerschaft allerdings noch geklärt werden.

Grundstück in Niederbachem ist zu klein für Kindergarten

Die ebenfalls angedachte Errichtung einer zweigruppigen Kindertagesstätte durch die evangelische Kirchengemeinde in Niederbachem werde es wohl vorerst nicht geben, teilte Pfarrerin Kathrin Müller mit. Das ins Auge gefasste Grundstück sei nämlich nicht groß genug für einen Kindergarten samt Freifläche und gehöre zudem auch nicht vollständig der evangelischen Kirche. UWG-Fraktionsvorsitzender Joachim Mittweg war sich nicht mehr sicher, ob die Limbachstiftung überhaupt noch der richtige Partner für den Kindergarten-Neubau sei und fragte, ob man andere Investoren fragen oder die Gemeinde selbst die Maßnahme auf den Weg bringen solle. Offergeld fand diese Zweifel unangebracht, denn im Verwaltungsrat sei man sich längst einig, dass es weitergeht, die Pläne für ein verkleinertes Gebäude ohne Seniorenzentrum und Geschäftsstelle seien praktisch fertig. „Wir sind dabei und werde Plätze zur Verfügung stellen“, beteuerte die Bürgermeisterin in ihrer Eigenschaft als Kuratoriumsvorsitzende der Limbachstiftung.

Qualifiziertes Personal und pädagogische Konzepte notwendig

Pfarrer Hermann Josef Zeyen machte darauf aufmerksam, dass es nicht mit Gebäuden allein getan sei, „wir brauchen auch qualifiziertes Personal und pädagogische Konzepte.“ Bei der Limbachstiftung und der katholischen Kirchengemeinde sei dies bereits vorhanden, ebenso wie betriebswirtschaftliche Fahrpläne, denn schließlich hingen davon auch Arbeitsplätze ab. Auch Jörg Wilms (FDP) war der Ansicht, dass die Limbachstiftung in Sachen Finanzierung noch der sicherste Hafen sei. „Wir sollten froh sein, dass wir die Limbachstiftung in der Gemeinde haben, denn sie nimmt uns Etliches an Kosten ab“, ergänzte auch Dr. Bernd Becker (SPD). Christian Feddern (Unser Wachtberg) bat darum, die Planungen für die Zeit danach nicht außer Acht zu lassen, denn das mittlerweile große Sammelsurium von Provisorien müsse irgendwann in feste Räumlichkeiten überführt werden. Da noch vieles unklar war, fasste das Gremium lediglich den einstimmigen Beschluss, finanzielle Mittel für Bau und Betrieb von Kindertagesstätten im Haushaltsplan 2016 einzustellen, deren Höhe die Gemeindeverwaltung bis zur Ratssitzung am 1. März noch konkretisieren soll. Gelinge dies nicht, sah es Jörg Wilms durchaus als denkbar an, dass man die Haushaltsberatungen insgesamt so lange verschiebe, bis es in dieser Sache Klarheit gebe.

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