Preisgericht für Architektenwettbewerb stellte favorisierte Entwürfe für das neue Verbandsgemeinde-Rathaus vor
„Ein Bau, der nach Montabaur passt“
Ulrich Richter-Hopprich zum Hamburger Siegerentwurf: „Gutes Gespür für Architektur im Unterwesterwald“
Montabaur. Anfang 2020 könnte es losgehen: Das in die Jahre gekommene Verbandsgemeinde-Rathaus bekommt ein neugebautes Nachfolgegebäude. Einen Meilenstein für die Planung stellte das Preisgericht des für 150.000 Euro teuren Architekenwettbewerbs vor: Gewonnen hat der Entwurf des Hamburger Architektenbüros „BOF“. Das Preisgeld von 35.700 Euro wurde von Florian Hoch, Sebastian Zell und Ole Flemming entgegengenommen.
Endgültige Vergabe Ende Juni
Noch ist der Siegerentwurf noch keine endgültig beschlossene Sache: Nach sogenannten „Bietergesprächen“ wird der Verbandsgemeinderat den konkreten Auftrag nach derzeitiger Planung in seiner Sitzung Ende Juni vergeben. Erst danach werden die konkreten Kosten ermittelt. „Im Rahmen der konkreten Bauplanung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verbandsgemeinde. Der konkrete Entwurf gehe lediglich „mit 60 Prozent in die Gesamtbeurteilung des Bewerbers ein.“
Richter-Hopprich ist erleichtert
„Erleichterung“ – das sei sein „erstes Gefühl“ bei der Sichtung der 15 im Vorfeld streng anonymisierten Entwürfe bei der eintätigen Sitzung des Preisgerichts gewesen, berichtete Verbandsgemeindebürgemeister Ulrich Richter-Hopprich bei der Eröffnung der Ausstellung und Ehrung der Preisträger vor geladenen Gästen. „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass man bei dem schmalen Grundstück und den Herausforderungen kreativ sein kann.“ Dass das Grundstück „etwas her gebe“, sei ihm dann schnell klar gewesen. „Beeindruckend, wie man mit schlichten Baukörpern starke Funktionalitäten schaffen kann, wie man Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit darstellen kann!“ Als Ortskundiger habe ihn die „einfache Quadratur und das gleichschenklige Satteldach“ besonders berührt. „Ein Montabaurer Urbau – ein Bau, der nach Montabaur passt!“ Richter-Hopprich erinnerte daran, dass „just an dem Bauort vor nicht allzu langer Zeit“ noch das Gerberhaus stand. Deshalb sei die Straße auch als „Gerberhof“ benannt. Die Anhebung des Satteldaches durch einen kleinen Turm signalisiere den Bürgern aus den Ortsteilen: „Hier sind wir!“ Eine tragende Idee, die die Bürger in das Gebäude einlade.
Transparentes Verfahren
Architekt Peter Strobel, der Vorsitzende des Preisgerichts, zeigte sich in seiner Vorstellung der ausgezeichneten Entwürfe beeindruckt über die euphorische „Freude über das Ergebnis“. Das aufwendige Verfahren habe sich gelohnt, aus ursprünglich möglichen 50 Büros seien 20 Architekturbüros zugelassen worden, von denen schließlich 15 Entwürfe eingereicht hätten. Im mit neun stimmberechtigten Mitgliedern ausgestatteten Preisgericht sah Strobel ein Verfahren mit einem „Höchstmaß an Transparenz und Chancengleichheit“.
Wegweisende Kriterien für deren Beratung und Entscheidung seien vor allem städtebauliche Kriterien wie Weganbindung, Einbindung in die Nachbarschaft, sowie das Gesicht des Gebäudes nach oben, das heißt die Integration des Gebäudes in die Montabaurer Dachlandschaft, gewesen. Aus Bürgersicht habe das Gebäude eine „große Übersichtlichkeit“, die Strobel mit der Lage des Sitzungssaales und des Trauzimmers begründete. Hohe Anerkennung habe der Siegerentwurf auch durch seinen Umgang mit den Kriterien „Materialität, Wirtschaftlichkeit, und Angemessenheit“ im Preisgericht gefunden. Der Eingang sei sehr einladend und führe „sehr selbstverständlich in das Gebäude“. Das große, querliegende Foyer funktioniere zweiteilig. Dadurch sei das Trauzimmer auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten des Gebäudes nutzbar. Die Obergeschosse seien „ganz klar strukturiert und übersichtlich organisiert.“ Der Sitzungssaal liege „an der höchsten, prominentesten und schönsten Stelle des Gebäudes“, so Strobel. Die Fassade bilde ein geschupptes Kleid aus Klinkermaterial, was sich aus der Wand in das Dach ununterbrochen fortentwickelt. Aus Rücksicht vor den südlichen Nachbarn bilde das Gebäude „keine Rückseite, sondern eine „allseitige, gleichwertige Behandlung.“ Fazit Strobels: „Ein Entwurf, der absolut nur hier in Montabaur denkbar ist und für lange Zeit identitätsstiftend sein kann.“
Entwürfe sind öffentlich ausgestellt
Die favorisierten und ausgezeichneten Entwürfe werden noch bis Freitag, 18. Mai in der Bürgerhalle des historischen Rathauses ausgestellt: montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12.30 Uhr.
Musikalische Umrahmung durch das Klarinetten-Trio des Landesmusikgymnasiums unter der Leitung von Iris Egermann.
Architekt Peter Strobel erläuterte die Grundzüge des Sieger-Entwurfs aus Hamburg. Fotos: -GBA-
Verbandsbürgermeister Ulrich Richter-Hopprich stellte seine Eindrücke und Gedanken zur Entscheidung des Preisgerichts vor.
So soll das neue Verbandsgemeinde-Rathaus aussehen, sofern der Entwurf aus Hamburg realisiert wird. Foto: BOF
