Informationsveranstaltung zum Thema „Bürgerbus Höhr-Grenzhausen“ im Keramikmuseum
Ein Mobilitätsprojekt für die ältere Generation
50. Bürgerbus soll am 1. September starten
Höhr-Grenzhausen. Am Freitag, 7. April lud die Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen zu einer zweistündigen Informationsrunde ein. Circa 140 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten dieser Einladung, um sich über die Chancen und Möglichkeiten des Serviceprojektes „Bürgerbus“ zu informieren und nutzten die Gelegenheit in diesem Rahmen zur Fragestellung und Diskussion. Um 17 Uhr eröffnete Verbandbürgermeister Thilo Becker die Veranstaltung und begrüßte Herrn Dr. Holger Jansen (Leiter des Projektes Bürgerbusse Rheinland-Pfalz) sowie Ralph Hintz (Beauftragter für den Bürgerbus der Verbandsgemeinde Langenlonsheim und Berater im Projekt Bürgerbusse Rheinland-Pfalz) sowie anwesende Mitarbeiter der Verbandsgemeindeverwaltung. Er informierte, dass bereits im Jahr 2010 ein Bürgerbus in Höhr-Grenzhausen eingeführt werden sollte. In dem Ergebnis der damals durchgeführten Bürgerumfrage spiegelte sich jedoch wieder, dass die Bevölkerung keine Notwendigkeit für die Einrichtung dieses Services sah.
Am 6. März dieses Jahres unterstützte der Verbandsgemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung nun einstimmig die Umsetzung der Bürgerbuspläne, so Becker. Das jetzt geplante Mobilitätsprojekt richte sich hauptsächlich an die ältere Generation, die nicht mehr alleine zum Arzt oder zum Einkaufen gehen oder fahren könne. Dabei spielen auch die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs eine Rolle, die in ländlichen Gebieten nicht immer die besten seien.
Das Leben wieder lebenswerter machen
Ziel sei, so Becker, das Leben dieser Menschen wieder lebenswerter zu machen und deren Lebensqualität zu steigern. Die Ausrichtung des Bürgerbusses richte sich nach den individuellen Bedürfnissen und Bedarfen. Für den einen sei dies die Fahrt zum Supermarkt, für den anderen die zum Metzger. Die Fahrer holen die Menschen vor der Haustür ab und bringen sie auch dorthin wieder zurück. Geplant sei der Einsatz des Bürgerbusses zunächst an zwei Wochentagen. Er betonte, dass der Bürgerbus nicht in Konkurrenz mit den ansässigen Taxiunternehmen trete. Seine Begrüßung schloss er mit den Worten: „Ich wünsche mir, dass wir das Projekt für Sie umsetzen können. Das Ganze geht aber nur mit Ihnen.“ Danach übergab er das Wort an Herrn Dr. Holger Jansen. Dieser präsentierte das Konzept und die Daten und Fakten, die hinter dem Projekt stehen. Im Fokus stehe dabei die Erhöhung der ländlichen Mobilität, da zum Beispiel das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nicht immer in ausreichendem Maße vorhanden sei. Neubaugebiete, Gewerbestandorte und Freizeitziele werden oft nicht erreicht. Es habe ein Wandel in den kleineren Orten und Dörfern stattgefunden. Hier gebe es kaum noch Möglichkeiten zum Einkaufen und man sei auf die Beförderung zu Supermärkten, Post, Bank und Ärzten angewiesen. Ziel sei es, bessere Lebensbedingungen für den ländlichen Raum zu schaffen. Jansen betonte die lokale individuelle Organisation als Stärke des Angebotes. Es sei ein Miniverkehrsunternehmen, das auf die Wünsche der Menschen eingehe. Älteren Menschen biete es somit die Möglichkeit, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden zu bleiben, da sie durch den Bürgerbus mobil bleiben. „Ich wünsche mir, dass wir zusammen mit Ihnen das Projekt entwickeln, dass zu Ihrem Bedarf passt.“, sagte Jansen. Abschließend bat er um das Engagement der Bevölkerung.
Beispiel Langenlonsheim
Im Folgenden schilderte Ralph Hintz, der beeindruckt von der großen Zahl der anwesenden Interessenten war, sehr ausführlich und detailliert vom Bürgerbus in Langenlonsheim. Warum Langenlonsheim? Weil diese Verbandsgemeinde ähnlich strukturiert ist wie Höhr-Grenzhausen und damit einen guten Vergleich für die Umsetzung bietet. Er berichtete sowohl über die Erfolge des Busses als auch über Probleme, die in der ersten Zeit auftraten, die aber auf Grund der lokalen Entscheidungsfreiheit auf kurzem Wege schnell behoben werden konnten. Weiterhin schilderte er unterschiedliche Situationen aus dem Alltag der Fahrer sowie der Kundinnen und Kunden, die beispielhaft und anschaulich zeigten, welche Vorteile ein Bürgerbus für die Bevölkerung bietet. Allerdings zeigte er auch die Grenzen auf. Beispielsweise sei der Bus grundsätzlich nicht dafür gedacht, Ziele außerhalb der Verbandsgemeinde, wie zum Beispiel Kliniken, anzufahren. Generell sei es so, dass der Bus nur Menschen der VG Langenlonsheim befördere und dies auch mal über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinaus, weil zum Beispiel der betreuende Arzt dort seine Praxis hat. Hintz hob während seines Vortrages immer wieder das soziale Engagement der am Projekt Beteiligten hervor. „Die Seele des Bürgerbusses ist das ehrenamtliche Team.“ unterstrich er seinen Vortrag. Schnell entwickele sich durch die gemeinsame Arbeit eine gute Gemeinschaft. Jeder könne sich auf den anderen hundertprozentig verlassen.
Die Menschen, die die Hilfe des Bürgerbusses annehmen, seien dankbar. Fahrziele seien aber nicht nur Besorgungen und Termine, sondern auch Fahrten zur Eisdiele oder zu sonstigen Freizeitaktivitäten. Die Menschen haben somit wieder die Möglichkeit in Kommunikation und Kontakt zu ihren Mitmenschen zu treten, statt sich alleine zuhause zu isolieren. In der sich anschließenden Fragerunde wurden alle aufkommenden Fragen ausführlich beantwortet und mit lebendigen Beispielen belegt. Thilo Becker ermunterte zum Mitmachen und Helfen und bat auch darum, dass die Anwesenden Menschen in ihrem jeweiligen Umfeld auf das Projekt aufmerksam machen, damit ausreichend freiwillige Helfer zur Umsetzung gefunden werden können. „Wenn nicht genügend Unterstützer gefunden werden, wird dieses Projekt leider im Sande verlaufen.“, gab Becker zu bedenken. „Unser Ziel ist es das Projekt am 1. September 2017 zu starten.“, sagte er. War der ein oder andere auch etwas skeptisch, so steckte der nächste schon voll Tatendrang, dieses Projekt zu unterstützen.
„Lasst uns einfach mal anfangen!“
Ein Bürger stand einfach auf und rief couragiert und laut: „Lasst uns einfach mal anfangen!“ Dafür erntete er großen Applaus und die Zustimmung des Publikums und traf den Nagel genau auf den Kopf, denn tolle Konzepte sind eine Sache- was zählt ist ihre Umsetzung. Und genau damit endete die Veranstaltung. Diejenigen, die sich bereits entschieden hatten, sich ehrenamtlich im Projekt Bürgerbus zu engagieren und ihren Mitbürgern zu helfen das Leben lebenswerter zu machen, haben direkt die bereitliegenden Formulare ausgefüllt. Wie geht es nun weiter? Wenn genug Helfer gefunden sind, findet eine Fachveranstaltung mit Projektplanung statt, in der eine detaillierte Planung zur Umsetzung erfolgt. Nach der Beschaffung des Fahrzeuges kann der Bürgerbus seinen ersten Einsatz am 1. September starten. Zur Umsetzung werden noch etwa weitere 15 helfende Hände benötigt, und zwar sowohl Fahrer als auch Menschen für den Telefondienst und die Terminvereinbarung. Wer Interesse an dieser Aufgabe und Spaß am Umgang mit Menschen hat, kann sich bei Frau Bierenfeld im Höhr-Grenzhäuser Rathaus melden.
Erste ehrenamtliche Helfer melden sich für den Bürgerbus
