Rheinbacher Ausschuss für Generationen, Integration und Soziales tagte
Eine stärkere Belegung der Containeranlage führt zu mehr Konflikten
Das Thema „Flüchtlinge in Rheinbach“ beherrschte die Sitzung – Gert-Uwe Geerdts berichtete über die Arbeit des Rheinbacher Flüchtlingshelferkreises
Rheinbach. Das Thema „Flüchtlinge in Rheinbach“ beherrschte die jüngste Sitzung des Rheinbacher Ausschusses für Generationen, Integration und Soziales. Derzeit seien etwa 332 Flüchtlinge mit unterschiedlichem Status in der Stadt untergebracht, berichtete Fachbereichsleiterin Susanne Pauk von der Stadtverwaltung. Um sie kümmert sich unter anderem der Rheinbacher Flüchtlingshelferkreis, dessen Sprecher Gert-Uwe Geerdts dem Ausschuss über die Arbeit berichtete.
Er warnte dabei vor einer stärkeren Belegung der Containeranlage am „Schornbusch“, denn dann bestehe die Gefahr, dass sich die ohnehin schon vorhandenen Konflikte zwischen den einzelnen Nationalitäten häuften. Mit einem weiteren Sozialarbeiter könne man hier allerdings „viel Druck aus dem Kessel“ nehmen. Schon jetzt gebe es durchaus gewisse Probleme mit Alkohol und Drogen, doch dabei unterschieden sich die Flüchtlinge nicht von deutschen Mitbürgern, denn das Problem gebe es auch in der heimischen Bevölkerung in ähnlichem Ausmaß. „Wir sollten uns davor hüten, bei Flüchtlingen andere Maßstäbe anzulegen als bei Deutschen.“
Mehr Praktikums- und Arbeitsplätze anbieten
Die Situation der Flüchtlinge beschrieb Geerdts so: „Warten, warten, warten – manche lassen sich in einer für sie ausweglos erscheinenden Situation hängen und beginnen zu verzweifeln.“ Manchmal vergehe mehr als ein Jahr, ohne dass nennenswert etwas vorangehe, was für viel Frustration bei den Asylbewerbern sorge. Geerdts plädierte in diesem Zusammenhang auch dafür, den Flüchtlingen mehr Arbeitsmöglichkeiten geben: „Es müssen mehr Praktikums- und Arbeitsplätze angeboten werden, denn die wollen arbeiten.“ Doch daran mangele es nach wie vor ebenso wie an Wohnungen für anerkannte Asylbewerber. Auch die örtlichen Sportvereine rief er dazu auf, mehr Angebote für Flüchtlinge zu machen, damit etwas Abwechslung in deren tristen Tagesablauf komme.
Insgesamt könne der Flüchtlingshelferkreis, der nicht als Verein organisiert sei, auf knapp 180 Helfer zählen, von denen allerdings nur ein kleiner Teil regelmäßig aktiv ist. Ziel sei es, den Flüchtlingen in der Stadt schnell und unbürokratisch Hilfestellung zu geben, weshalb man auch eng mit den Behörden, Vereinen und Einrichtungen Rheinbachs zusammenarbeite. Dreh- und Angelpunkt der Arbeit sei das „Café International“, das jeden Montag von 10 bis 12 Uhr im LIVE St. Martin seine Pforten öffnet. Geerdts dankte der katholischen Kirchengemeinde für die Bereitschaft, die Räumlichkeiten für diesen Zweck kostenlos Verfügung zu stellen.
Mehr Wissen über Berufe und Hobbys
Weil man anfangs aus Datenschutzgründen gewisse Probleme gehabt habe, Näheres über die einzelnen Flüchtlinge in Erfahrung zu bringen, sei man mittlerweile dazu übergegangen, die Flüchtlinge anhand eines selbstentwickelten Fragebogens zu „registrieren“. Und das mit gutem Erfolg, so Geerdts: „Wir wissen teilweise mehr als die Stadtverwaltung, etwa über die Berufe und Hobbys der einzelnen Personen.“ Denn nur so sei eine sinnvolle und individuell passende Unterstützung möglich. Ohnehin verstehe man sich überwiegend als „Bürokratielotse“, denn die Hauptbeschäftigung sei die Unterstützung bei Anträgen und Nachfragen von den jeweils zuständigen Behörden, von denen es eine große Menge gebe.
Viel Raum nehme auch die Familienbetreuung ein, beispielsweise indem man Kinder für die Schule und den Kindergarten sowie die Offene Ganztagsschule anmelde. Die Bemühungen um eine Familienzusammenführung hätten sich allerdings zunächst als unvorstellbar kompliziert und schwierig herausgestellt und seien seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr möglich. Allerdings habe es schon seit Anfang 2017 keine neuen Flüchtlinge mehr in Rheinbach gegeben, sodass beispielsweise die Kleiderstube des Flüchtlingshelferkreises mittlerweile nicht mehr genutzt werde und demnächst ihre Arbeit einstelle.
Nach wie vor für dezentrale Unterbringung
Vorgestellt wurde dem Ausschuss auch der aktuelle „Integrationsbericht“ im Rahmen des 2016 verabschiedeten „Masterplans Flüchtlinge“. Demnach verfolge die Stadt Rheinbach nach wie vor die vom Stadtrat beschlossene Richtschnur der dezentralen Unterbringung der Geflüchteten, weil auf diesem Wege eine gute Integration gelingen solle. Neben der Containerwohnanlage am Schornbuschweg mit ihren insgesamt 240 Plätzen, die allerdings nur zum Teil belegt seien, stünden der Stadt derzeit 17 Gemeinschaftsunterkünfte und 24 Wohnungen für die Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung.
Der Integrationsbericht spiegelt wider, wie sich die Bemühungen um die Flüchtlinge und die Strukturen zu ihrer Betreuung im Lauf der Jahre 2015 und 2016 qualitativ verändert haben. Nach der ersten, von großem Druck geprägten Phase, in der es schnell zu lernen und des Öfteren auch zu improvisieren gegolten habe, fühle man sich nunmehr deutlich besser aufgestellt. „Mit einem engmaschigen Netz von Hilfestellungen und der laufenden Optimierung von Verwaltungsabläufen haben wir spürbare Verbesserungen erreicht“, heißt es in dem Integrationsbericht. Doch mittlerweile führe die zunehmende Anzahl abgeschlossener Asylverfahren zu veränderten Problemstellungen sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Verwaltung, die sich nun neuen Herausforderungen stellen und andere Schwerpunkte in der Aufgabenerledigung setzen müsse. „Sicher ist, dass wir gemeinsam täglich dazu lernen und die wertvollen Erfahrungen und Erkenntnisse uns Einiges bei der Bewältigung weiterer Krisen erleichtern werden“, heißt es zum Schluss. JOST
