Politik | 12.07.2023, 13:02 Uhr

Landeskabinett tagt in Ahrweiler mit Landrätin und Bürgermeistern zum nachhaltigen Wiederaufbau

Einsatz für ein sicheres und lebenswertes Ahrtal

Medienrummel bei der Tagung des Ministerrates in Ahrweiler.  Foto: GS
286

Kreis Ahrweiler. Zwei Jahre sind vergangen, seit eine Flutwelle auf rund 40 Kilometern im Ahrtal alles mit sich gerissen, was sich ihr in den Weg stellte, Häuser, Brücken, Bahntrassen. Sie hat zerstört, was über Jahrhunderte aufgebaut wurde. „Die Flut ist eine schreckliche und schmerzhafte Zäsur. 136 Menschen haben ihr Leben verloren. Das ist das Schlimmste. Ihrer haben wir heute gedacht und auch der Menschen, die ihre Angehörigen und Freunde verloren haben oder die bis heute von den schrecklichen Erlebnissen traumatisiert sind“, sagten Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Umweltministerin Katrin Eder und Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt nach der gemeinsamen Kabinettssitzung in Ahrweiler mit Landrätin Cornelia Weigand und den hauptamtlichen Bürgermeistern Achim Juchem, Andreas Geron, Dominik Gieler, Guido Nisius und Guido Orthen im Außenbereich des Hotels Rodderhofs am Obertor.

Für eine lebenswerte Zukunft

„Es ist kein Wiederaufbau zurück zum Stand vor der Flut, sondern ein nachhaltiger Wiederaufbau nach heutigem Stand in eine sichere, moderne und lebenswerte Zukunft“, so die Ministerpräsidentin. Der Wiederaufbau des Ahrtals sei ein Regierungsschwerpunkt. In der auswärtigen Kabinettssitzung hätten alle Ressorts über den aktuellen Stand zum Wiederaufbau berichtet und mit der Landrätin und den hauptamtlichen Bürgermeistern darüber beraten, wie bestehende Hürden gemeinsam überwunden werden können. Die Landesregierung hat laut Dreyer bereits viele Verfahrenserleichterungen beim Bund beantragt und auch durchgesetzt. „Ich sehe, wieviel Kraft, Anstrengung und manchmal auch Belastung in jedem einzelnen Projekt stecken und ich sehe auch, dass es noch Betroffene gibt, denen die Kraft fehlt, die einfach noch nicht so weit sind. Deswegen ist es gut, dass wir mit der Verlängerung Druck rausnehmen konnten. Weiterhin wurden Vergaberichtlinien durch das Land und den Bund vereinfacht, darunter auch Vorgaben der EU-Vergaberichtlinien, Vereinfachungen für das Flutgebiet im Baugesetzbuch getroffen, die Förderung für Gemeinden für den überörtlichen Hochwasserrückhalt erhöht und Planungsunterstützung für Ortsentwicklungskonzepte geleistet“, so die Ministerpräsidentin weiter.

„Botschaft an die Kommunen“

Innenminister Michael Ebling war es, der eine langersehnte Botschaft verkündete. Mit Erteilung eines Bewilligungsbescheides aus Mainz an eine Kommune, fließen ab sofort bereits 30 Prozent der veranschlagten Summe. Und es kann nachjustiert werden. So soll vermieden werden, dass Kommunen Liquiditätskredite aufnehmen müssten. Eine Nachricht, die besonders Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen begrüßte, denn er hatte ein solches Vorgehen bereits vor einem Jahr im Gespräch mit Blick aktuell gefordert. Denn bis dato mussten die Kommunen für jede Baumaßnahme in Vorleistung gehen.

Insgesamt haben die Kommunen mehr als 4500 Maßnahmen im Bereich der kommunalen Infrastruktur mit einem Schadensvolumen von rund 4,3 Milliarden Euro zu stemmen. Davon entfallen 96 Prozent auf den Kreis Ahrweiler, allein in der Kreisstadt 1400 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Alle Maßnahmen wurden in Maßnahmenplänen festgestellt. Zum 27. Juni 2023 wurden 379 Anträge mit einem Volumen von 389,4 Millionen Euro aus dem Kreis Ahrweiler bereits bewilligt. Dies entspricht einer Bewilligungsquote von über 94 Prozent. „Das alles zeigt, dass in unseren Verwaltungen in kurzer Zeit Projekte bearbeitet werden, die normalerweise in Jahrzehnten anfallen. Während sich in Nordrhein-Westfalen die Schadensregulierung auf 180 kommunale Verwaltungen verteilt, konzentriert sich im Ahrtal wegen der großen Schadensdichte alles auf fünf Rathäuser.

Hilfe für Traumatisierte

„Genauso wichtig ist aber auch, dass wir uns um die Menschen kümmern, die die Bilder der Flut nicht loslassen. Ein großer Erfolg ist, dass insgesamt 14 Psychotherapeuten eine Sonderbedarfszulassung bekommen werden. Diese werden in der Region künftig zusätzlich und dauerhaft für die vertragsärztliche Versorgung der Versicherten zur Verfügung stehen“, sagte Dreyer. Die Angebote des Traumahilfezentrums werde die Landesregierung über mindestens fünf Jahre weiter finanziell fördern.

„Bei dem für das Tal so wichtigen Mammutprojekt der Hochwasservorsorge werden kontinuierlich Fortschritte erzielt. Als Meilenstein geht derzeit das Gewässerwiederherstellungskonzept im Kreis Ahrweiler in die Umsetzung. Rund 1000 Maßnahmen sind hier vorgesehen sagte Klimaschutzministerin Katrin Eder.

Konzept für den Tourismus

„Unser Ziel ist es, dass die Menschen im Ahrtal in ihrer Heimat bleiben, dass sie eine Perspektive haben. Der Wiederaufbau der Unternehmen, der Betriebe aus Landwirtschaft und Weinbau und auch der touristischen Infrastruktur ist hierfür eine wichtige Grundlage“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsministerin Daniela Schmitt. Es sei entscheidend, die Wirtschaftsstruktur im Ahrtal zu erhalten und wiederherzustellen. Die Wirtschaftsministerin warb ebenso für den Tourismus in der Region.

„Die Neuausrichtung des Katastrophenschutzes in Rheinland-Pfalz ist mehr als nur eine Verpflichtung – es ist eine entschlossene Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit und die unvermeidbaren Folgen, die der Klimawandel auch in Zukunft mit sich bringen wird. Wir möchten leistungsfähige Strukturen auf allen zuständigen Ebenen schaffen, die die Kommunen bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Katastrophenschutz als Teil des Bevölkerungsschutzes künftig verlässlich unterstützen.

Gemischtes Fazit

„Zwei Jahre nach der Flutkatastrophe können wir im Ahrtal ein gemischtes Fazit ziehen: Trotz des enormen Grades der Zerstörung ist bereits Vieles aufgebaut worden. Zugleich befinden wir uns weiterhin in einer Ausnahmesituation, die in vielen Bereichen auch noch Jahre andauern wird. Unser Ziel ist ein nachhaltiger, resilienter und zukunftsgerichteter Aufbau für alle Generationen. Um diese Pläne umsetzen zu können, bedarf es einer optimierten Vernetzung von Förderprogrammen, einer weiteren Verschlankung von Antrags- und Genehmigungsprozessen sowie einer weiterreichenden Auslegung des Aufbauhilfefonds von einer Unterstützung des reinen Wiederaufbaus hin zur Transformation der zerstörten Region. Dafür setze ich mich als Landrätin zusammen mit den anderen Entscheidungsträgern im Kreis ein“, so Landrätin Cornelia Weigand.

Der nachhaltige und zukunftsorientierte Wiederaufbau dauert an manchen Stellen länger, als wir es uns wünschen würden. Sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich stehen wir weiterhin noch vor großen Herausforderungen“, sagte indes Guido Orthen. „Daher sehe ich dieses Treffen des Ministerrats hier bei uns als klares Zeichen dafür, dass das Ahrtal und seine Menschen in Mainz nicht nur weiter wahr-, sondern auch ernstgenommen werden und nicht nur als Symbolpolitik.“ GS

Die Mitglieder des Landeskabinettes mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Landrätin Cornelia Weigand und Bürgermeister des Kreises.  Foto: GS

Die Mitglieder des Landeskabinettes mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Landrätin Cornelia Weigand und Bürgermeister des Kreises. Foto: GS

Medienrummel bei der Tagung des Ministerrates in Ahrweiler. Foto: GS

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die Ahrtal-Werke legten dem Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler für 2025 eine Jahresbilanz von 85,4 Millionen Euro vor.  Foto: GS
132

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ahrtal-Werke um die Geschäftsführung mit Dominik Neswadba und Thomas Hoppenz sind weiter auf gutem Kurs. Daher folgte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler am Montagabend dem Aufsichtsrat des kommunalen Energieversorgers und stimmte dem vorgelegten Jahresabschluss 2025 einstimmig zu. Das Gremium beauftragte Bürgermeister Pascal Rowald, in der Gesellschafterversammlung dem Jahresabschluss der Ahrtal-Werke für das 2025 zuzustimmen und den Aufsichtsrat zu entlasten.

Weiterlesen

Die Einrichtung einer IGS an der Regionalen Schule Brohltal wurde bereits im März vom Kreistag abgelehnt. Jetzt scheiterte auch ein FWG-Antrag auf eine neue neutrale Untersuchung der Schülerzahlen im Kreis Ahrweiler.  Foto: GS
140

Kreis Ahrweiler. Im März hat der Kreistag von Ahrweiler den Antrag der Freien Wähler auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Regionalen Schule Brohltal in Niederzissen abgelehnt. Dies unter anderem mit der Begründung des beratenden „biRegio“-Planungsbüros in schulpolitischen Entscheidungen, dass „eine „IGS Niederzissen die IGS Remagen empfindlich tangieren würde“.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Imageanzeige
Bestellung Nr.: 4300003040-W100-606  / Kampagne Rheinschiene, KW 30-51
Moonlight Concert 27.11.26
Angebot Goldener Werbeherbst
Traueranzeige Wolfgang Kruft
Zählerablesung 50% Rabatt
Titel-Anzeige
Imageanzeige
Weitere Artikel
In Brogsitters Gasthaus Sanct Peter wurden die besten Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet.
723

Siegerweine zeigen die außergewöhnliche Klasse an der Ahr

Ahrweine des Jahres 2026 ausgezeichnet

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Zum 16. Mal zeichnete der Weinpreis „Ahrwein des Jahres“ die besten Weine des Anbaugebiets Ahr aus. Insgesamt 97 Weine wurden in diesem Jahr in sechs Kategorien bewertet. Die Preisverleihung fand in Brogsitters Gasthaus St. Peter in Walporzheim statt, wo Winzerinnen, Winzer und Weinfachleute zusammenkamen, um die Siegerweine zu würdigen.

Von Barbara Knieps aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
1041

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
394

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen