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Heimat- und Kulturabend der Meckenheimer SPD

Ella Anschein und Jürgen Nimpsch begeistern

„Kunst hat das Privileg, nicht auf alles eine Antwort geben zu müssen.“

26.04.2017 - 13:33

Meckenheim. Mit einem großen Kulturprogramm unter dem Schwerpunkt „Heimat“ hatten die Meckenheimer Sozialdemokraten in der vergangenen Woche in das Theatrum Gaudium eingeladen.

Hausherr Peter Zachow freute sich sichtlich über die vielen Besucher, aber auch über viele bekannte Gesichter.

Werner Albrecht als stv. Vorsitzender der SPD Meckenheim übernahm die Begrüßung der Gäste, allen voran der Poetry-Slammerin Ella Anschein sowie des ehemaligen Bonner OB Jürgen Nimpsch. Umrahmt wurde das Ganze von einer Ausstellung des Karikaturisten Manfred Weil, der von Fraktionschefin Dr. Brigitte Kuchta vorgestellt wurde.

Manfred Weil wurde 1920 in Köln geboren und musste im Krieg vor den Nazis flüchten. Im Jahre 1945 kehrte er nach Deutschland zurück, studierte in Köln, war Mitglied des Künstlerkreises Bonn und lebte bis zu seinem Tod im Jahre 2015 mit seiner Frau Alisa in Meckenheim.

Groß war die Freude daher bei allen Besuchern, dass Alisa Weil an diesem Abend unter den Besuchern weilte. Von 1968 bis 1974 hatte Manfred Weil unter anderem auch Karikaturen für den Vorwärts gezeichnet. Und viele dieser Karikaturen sind auch heute noch aktuell oder lassen einen nachdenklich stimmen. So zeichnete er unter dem Titel „Ihr Sturmverwehrten, heimatlosen“ im Vorwärts am 12. Juni 1969 eine Inschrift auf den Sockel der amerikanischen Freiheitsstatue „Grüne Dollars in schwarze Hände“.

Hintergrund war, dass der damalige Präsident Nixon im Wahlkampf versprochen hatte, einen Teil des Staatskapitals für „Schwarze und eine schwarze Wirtschaft“ auszugeben. Freilich diente das nur zum Stimmenfang, denn Nixon äußerte sich zum Thema Schwarze mit dem Zitat „Diese kleinen Neger-Bastarde, die von Sozialhilfe wie eine Meute Hunde leben.“

In einer weiteren Karikatur zu einem Artikel vom 3. September 1970 mit der Überschrift „Dem Mietwucher an den Kragen“ ging es darum, dass die Bundesregierung auf Mieten und Baupreise drückte. Stärkung der Mieter, Sozialwohnungsbau und Fehlbelegung: alles Stichworte aus dem damaligen Artikel, aber irgendwie doch sehr aktuell.


„Kunst hat das Privileg, nicht auf alles eine Antwort geben zu müssen.“


Folke große Deters, SPD-Kandidat für den Landtag formulierte anschließend als Motto für den Abend „Kunst hat das Privileg, nicht auf alles eine Antwort geben zu müssen.“

Zuvor hatte er sich in bemerkenswerter Weise mit Grundsatzfragen von Politik auseinandergesetzt, die es verdient hätten, auch einmal abseits des Wahlkampfgetöses diskutiert zu werden. Poetry-Slammerin Ella Anschein aus Bonn übernahm dann mit einer Liebeserklärung an das Land NRW das Wort. Sie schaffte es innerhalb weniger Sekunden, das gesamte Publikum zu fesseln und atemlos zu machen.

Sehr emotional, berührend, und für viele auch aus dem Bauch und dem Herz sprechend, zeigte sie ihre Liebe an dieses Land und auch an das Rheinland.

„An fremden Menschen riecht man nicht“, so lautete ihr zweites Stück. Es erzählte vor der Erfahrung, wenn man in einen Bus steigt und es kommt einem ein extrem guter Geruch entgegen. Wie spricht man diese Person an? Wer verbirgt sich dahinter? Und wie schaffe ich das, bevor sich die Wege trennen? Und wenn es funktioniert, koche ich für ihn? Wie fessele ich ihn?

Das Stück „Dörthe, Du bist schön“ beschreibt eine Frau, die allein durch ihre Ausstrahlung die Menschen in ihren Bann zieht. Die 38 und nicht 25 Jahre alt ist, die Kleidergröße 40 statt 32 hat, dafür aber viel Mitgefühl und zwei Kinder. Für all diese Nummern gab es viel Applaus vom Publikum und als Zugabe gab es noch einen Text, der viel vom Lebensgefühl der heutigen Jugend in Bonn erzählt. Auch wenn sich Sprache und Klamotten verändert mögen haben, es hat sich doch in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert. Selbst die Marke des Apfelkorns ist gleich geblieben.


Was ist Heimat?


Aber was ist Heimat? Jürgen Nimpsch, Ex-OB von Bonn übernahm es, eine Antwort darauf zu finden. Freilich als Künstler, denn Jürgen Nimpsch hat eine jahrzehntelange Biographie auch

als Schauspieler aufzuweisen und ist ein Kenner der rheinischen Mundart. Darüber hinaus verfügt er über einen gewissen Hang zur Selbstironie, was seinen Vortrag zu einer vergnüglichen und kurzweiligen Lehrstunde machte.

Meckenheim hat einen überaus großen Sohn herausgebracht, Johann Adam Schell von Bell. Auf ihrer Homepage schreibt der Jesuitenorden, dass sich das Leben dieses Lüftelberger Bürgers wie das Drehbuch eines Films liest, der alles verblassen lässt, was Hollywood jemals über China zustande gebracht hat.

Ist dies das Verständnis von Heimat? Das grenzte Nimpsch dann auf den Wahlkreis von Folke große Deters ein. Ist die Heimat des Wachtbergers die des Rheinbachers? Ist es das Kennen von rheinischen Lebensweisheiten? Und da gibt es so einige.

Gelassenheit ist auch von Vorteil, denn Geduld ist wichtig, denn mit der Zeit wird aus Gras Milch. Und für andere Zeitgenossen gilt: „In der Nase zu bohren ist für einige Menschen die einzige Art in sich zu gehen.“

Oder macht man es an der Kultur fest? Schließlich hat der Wahlkreis 15 Theater und Museen, welche überwiegend von bürgerschaftlichem Engagenemt leben.

Oder an der rheinischen Sprache und dem Alter. Doch Vorsicht. Es gibt ein Stadtkölsch und ein Landkölsch. Das Wort „laufen“ wird beim Stadtkölsch zu einem „loofe“ und beim Landkölsch quetscht sich da ein angedeutetes a noch hinein.

Aber alle definieren sich über das Alter, so auch der Bonner Stadtteil Oberkassel, dort gibt es sogar Nachweise von Besiedelung von vor 14.000 Jahren. Freilich sagen die Wachtberger, dass die Oberkasseler schon damals zum Picknick auf den Wachtberg gepilgert sind. Nur waren die Oberkasseler so umweltfreundlich, dass sie ihren Abfall direkt mitgenommen haben.

So hat Heimat sicherlich viele Facetten, die einer Ergründung würdig sind. Nur in einem war man sich an diesem Tag einig: Man lebt in einer der schönsten Gegenden der Welt und wer das Siebengebirge vor der Tür hat, der will hier nicht weg.

STF

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Kommentare
Jean Seligmann:
Das zwanghafte und angestrengte Bemühen, die AfD zu diskreditieren, produziert Widerspruch und Lächerlichkeit am laufenden Band.
Siegfried Kowallek:
Beim Komplex AfD, Spenden und Geheimnistuerei denke ich eher an die verdeckten Zahlungen von rund 132.000 Euro an die AfD-Politikerin Alice Weidel, bei denen die Bundestagsverwaltung wegen möglicher Verstöße gegen das Parteiengesetz Sanktionen gegen diese Partei prüft. Es stehen Strafzahlungen in dreifacher Höhe der Spenden aus der Schweiz im Raum, also rund 396.000 Euro. Jetzt will aber die AfD-Fraktion im Neuwieder Stadtrat einen Teil ihrer Aufwandsentschädigungen für einen guten Zweck spenden, was auf jeden Fall sympathisch ist im Gegensatz zu einer verdeckten Entgegennahme großer Spenden von jemandem, der etwas zu verbergen hat. Der angekündigte Verzicht auf eine medienöffentliche Bekanntgabe von Empfängern dieser Spenden befremdet mich jedoch aus zwei Gründen. Zum einen wirkt das heimliche Spenden an gemeinnützige Vereine oder Organisationen dadurch vergleichbar anrüchig wie etwa ein heimlicher Bordellbesuch, den man auch nur dann selbst öffentlich macht, wenn man erfolgreicher Kommunalpolitiker in Ochtendung ist. Zum anderen überzeugt die Begründung nicht, in der Vergangenheit sei vielerorts Druck auf Organisationen ausgeübt worden, die von der AfD eine Spende angenommen hätten. Wäre das der Fall gewesen, hätte diese Partei das doch auf jeden Fall laut und heftig angeprangert. Dieses Liebäugeln mit einem Opfermodus erinnert an den bisherigen geheimnistuerischen Umgang der AfD mit ihren Freitagsveranstaltungen im Kreis, deren Veranstaltungsort man nur auf Nachfrage mitgeteilt bekam. Dabei weiß nicht nur ich, in welcher Neuwieder Gaststätte diese Veranstaltungen stattfanden. Zudem stand deren Name sogar in einem ausgewogenen Artikel über eine AfD-Freitagsveranstaltung. Und als ich die letzte Veranstaltung dieser Partei vor den Corona-Einschränkungen in Oberbieber zum Thema „Wald und Wild“ besuchte, sah ich dort keinen einzigen Gegendemonstranten, obwohl die Partei den Veranstaltungsort zuvor sogar hinreichend öffentlich bekanntgegeben hatte. Siegfried Kowallek, Neuwied
S. Schmidt:
Das ganze Geschäftsmodell um einen „unnatürlichen“ Klimawandel beruht auf Modellberechnungen und den Verlautbarungen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Nun hat die „University of Michigan“ in einer Pressemeldung vom 30.04.2020 die Katze aus dem Sack gelassen: Etliche der IPCC-Klimamodelle prognostizieren eine unrealistisch hohe Erwärmung für die Zukunft! Wie die „Berechnungen“ für die zu erwartenden „Corona-Opfer“ (es wurden bis zu 560.000 Tote prognostiziert), vollkommen falsch!
Heinrich Heine:
Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.
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