Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler entschied mit großer Mehrheit
Entlang der Ahr sollen 81 Bäume gefällt und 93 Bäume neu gepflanzt werden
Neugestaltung der Ahruferallee soll rund 750.000 Euro kosten – Fuß- und Radweg soll verbreitet werden
Bad Neuenahr. Rechtzeitig zur Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler soll die an der Ahr entlangführende Allee gegenüber dem Kurpark in der Lindenstraße und in der Georg-Kreuzberg-Straße neu gestaltet und nach Ansicht des Stadtrats auch aufgewertet werden. Das beschloss der Stadtrat mit großer Mehrheit in seiner jüngsten Sitzung. Insgesamt sollen demnach 81 Bäume gefällt, im Gegenzug allerdings sogar 93 Bäume neu gepflanzt werden. Man rechnet hierfür mit Gesamtkosten von rund 750.000 Euro.
Mit der Gestaltung der Allee entlang der Lindenstraße und der Georg-Kreuzberg-Straße soll die Möglichkeit eröffnet werden, die dort entlanglaufenden Fuß- und Radwege neu zu profilieren und zu verbreitern, zugleich soll die zum Teil sehr heterogene und in einigen Bereichen nach Expertenansicht auch nicht mehr entwicklungsfähige Allee neu bepflanzt werden und so ein einheitliches Erscheinungsbild erhalten. Dabei sollen die Alleebäume auch in einem größeren Abstand als bisher gepflanzt werden, um so einerseits ihre künftige Entwicklung zu stärken und die Folgekosten im Unterhalt zu minimieren und andererseits, um Platz für zusätzliche Sitzbänke zu gewinnen und so den Promenadencharakter zu verstärken. Das Büro bbz berlin Landschaftsarchitekten, das den Gestaltungswettbewerb gewonnen hatte, sieht die beiden Promenadenabschnitte nördlich der Ahr als wesentlichen Bestandteil seines Entwurfs und als zentrale Klammer, die die Parkteile westlich und östlich der Kurgartenbrücke zusammenhalte.
Zehn Bäume wenigern in der Lindenstraße
Mittlerweile hatte die vereidigte Baumsachverständige Dr. Julia Engels in einem Baumgutachten die einzelnen Bäume entlang der Allee begutachtet, auf dieser Grundlage erstellte das Büro bbz berlin einen Gestaltungsentwurf für die Ahrpromenade, die dem Stadtrat in zwei Varianten vorgelegt wurde.
Bei der Allee entlang der Lindenstraße entschied sich der Rat mit 24 Stimmen von CDU, SPD und FWG für die Variante 1, die das Fällen von 42 Bäumen und die Neuanpflanzung von 32 Bäumen vorsieht. 88 der bislang dort vorhandenen 130 Bäume sollen erhalten bleiben. Hier geht es um den Bereich zwischen der Poststraße und der Landgrafenstraße entlang der Lindenstraße. Die Variante 1 sieht den Erhalt aller Bäume im Bereich der Lindenstraße vor, bis auf eine Gruppe im mittleren Bereich, in dem laut Baumgutachten von Engels größtenteils nicht vitale Bäume stehen. In diesem Bereich sollen alle 42 Bäume gefällt und durch 32 Neupflanzungen von Schwarznüssen in gleichmäßigen, aber weiteren Abständen von zehn Metern ersetzt werden. So biete man den Bäumen bessere Entwicklungschancen und gewinne Raum, um Sitzbänke und Leuchten zu platzieren, argumentiert die Stadtverwaltung. Der Fußweg der Promenade soll in diesem Bereich zusätzlich mit einer Breite von zwei Metern neu angelegt werden.
Entsprechend der Gestaltung in anderen Parkbereichen werden Banknischen aus wassergebundener Wegedecke mit einer Breite von 1,50 Metern und einer Länge von sechs Metern angelegt und dort sieben Bänke des Typs „Zukunft Bad Neuenahr“ aufgestellt, vier davon mit hüftschonender Sitzfläche. Vor den Sitzbänken werden Gitterroste eingebaut, die ein „Austreten“ der Wegefläche verhindern sollen. Außerdem sollen sieben neue Abfalleimer und fünf Leuchten in gleichmäßigen Abständen im Grünstreifen zwischen Rad- und Fußweg aufgestellt werden. Alles in allem rechnet man mit Kosten in Höhe von knapp 188.000 Euro für diese Maßnahmen, was eine deutliche Einsparung in Höhe von 455.000 Euro gegenüber der ursprünglichen Kostenberechnung darstellt. Für die Variante 2, bei der bis auf vier Bäume die ganze Allee hätte erhalten bleiben können, stimmten lediglich acht Ratsmitglieder, es gab eine Enthaltung.
18 Bäume mehr in der Georg-Kreuzberg-Straße
Bei der Allee entlang der Georg-Kreuzberg-Straße entschied man sich mit 23 Stimmen für die Variante 2, bei der mehr Bäume als in Variante 1 gefällt werden sollen. Von den vorhandenen 78 Bäumen sollen nämlich 43 Bäume einschließlich der Straßenbäume am südlichen Fahrbahnrand der Säge zum Opfer fallen, im Gegenzug will man allerdings 61 Bäume – 57 neue Linden als Alleebäume und vier Kirschbäume im Bereich der Ahr – neu pflanzen. Hier rechnet man mit Gesamtkosten von etwa 570.000 Euro, mithin 20.500 Euro mehr als geplant. Zehn Ratsmitglieder hatten für Variante 1 gestimmt, bei der nur 28 Bäume hätten gefällt werden müssen.
Hier geht es um den Bereich zwischen Hemmesser Straße und Telegrafenstraße. Aufgrund der Empfehlung des Baumgutachtens bleibt die Kastaniengruppe im Süden sowie die Lindengruppe westlich davon erhalten. Sämtliche weitere Bäume entlang der Promenade werden zugunsten eines Neuaufbaus der Allee gefällt. So lasse sich entsprechend der bisherigen Planung eine qualitativ hochwertige und der Nutzung entsprechende neue Promenade realisieren, heißt es. Die Straßenbäume entlang der Georg-Kreuzberg-Straße sollen zugunsten einer nachhaltigen und vitalen Entwicklung der neu gepflanzten Alleebäume ebenfalls gefällt werden, wodurch es möglich werde, die Wegeführung von Fuß- und Radweg mit dazwischenliegendem Grünstreifen so weit wie möglich nach Norden zu verlagern. So könne man einen maximalen Abstand zwischen Fußweg und der nach dem Baumgutachten erhaltenswerten Lindengruppe umsetzen.
Mehr Platz für die Bestandsbäume
Ferner sollen die Bestandsbäume mehr Platz in einem breiteren Grünstreifen zwischen Ahrpromenade und Radweg erhalten und so besser in die Neuplanung integriert werden. Zwischen den Stellplätzen und dem Radweg ist größtenteils ein Grünstreifen von durchschnittlich 1,50 Metern Breite vorhanden, der mögliche Konflikte minimiere. Der nördliche Radweg soll in einer Breite von drei Metern neu gebaut werden. Den südlichen Fußweg will man mit einer Breite von 2,50 Metern anlegen. Dazwischen soll es einen Streifen mit wassergebundener Wegedecke in einer Breite von 1,50 Metern geben, der Bankelemente und weitere Ausstattungselemente wie Lichtstelen und Papierkörbe aufnimmt. Ein schmaler Grünstreifen soll Radweg und Ahrpromenade trennen.
Die Arbeiten sollen im Januar 2021 beginnen, insgesamt soll sich die Maßnahme bis in den November 2021 hineinziehen. Die derzeit laufenden naturschutzrechtlichen Untersuchungen sollen Anfang November abgeschlossen sein. JOST
