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Bäume in der Bad Breisiger RheinRuhe ohne Vorwarnung gefällt

Ewige Ruhe im Wald?

Angehörige wie Hans Georg Marx sind erschüttert und fragen sich „Wo bleiben Pietät und Fingerspitzengefühl?“

15.06.2020 - 10:14

Bad Breisig. „Wann warst Du denn das letzte Mal am Grab Deiner Frau?“, wurde Hans Georg Marx von seinem Nachbarn gefragt, „Der Baum von Deiner Frau steht nicht mehr“. Umgehend machte sich der 79 - jährige Witwer auf den Weg zum Grab in der RheinRuhe. Dort angekommen, traute er seinen Augen nicht, denn der Baum, an dessen Wurzeln die Urne seiner verstorbenen Frau beigesetzt wurde, war einfach weg. Und er war nicht etwa Opfer eines Sturms, sondern einer Kreissäge geworden. Ein Stich ins Herz des Witwers: „Meine Frau hatte sich die Stelle und den Baum selbst ausgesucht, es zerreißt mir das Herz“, erklärt Marx BLICK aktuell unter Tränen. Was war passiert? Man hatte festgestellt, dass einige Bäume der RheinRuhe nicht mehr standsicher waren. Und um zu verhindern, dass die Bäume einen Spaziergänger bzw. Friedhofsbesucher erschlagen, sah sich die Stadt in Zugzwang und ließ die Friedhofsbäume kurzerhand absägen, um ihrer Verpflichtung nach Verkehrssicherung nachzukommen. Eine Baumfällaktion aus Sicherheitsgründen ist eine Sache. Dass man Witwer Hans Georg Marx nicht per Motorsäge vor vollendete Tatsache hätte stellen dürfen die andere. Denn gerade bei einem solchen Friedhof mit „Baumgräbern“ ist es eine Frage der Pietät, auf die Befindlichkeiten der Angehörigen Rücksicht zu nehmen, sprich in diesem Falle den Ehemann der Verstorbenen zuvor entsprechend zu informieren. Dieses Versäumnis soll sich in nächster Zeit nicht wiederholen, denn die Verwaltung wird die Angehörigen anderer Baumgräber im Vorfeld in Kenntnis setzen, wenn weitere Bäume gefällt werden müssen. Die schlechte Nachricht, rund 50 weitere der insgesamt über 1.000 Bäume auf dem Gelände werden aufgrund der trockenen Sommer der letzten Jahre gefällt werden müssen. Aber kein Angehöriger soll sich mehr so erschrecken wie Hans Georg Marx. Seit sich der rüstige Ex-Polizeibeamte die Grabstelle seiner Frau, die er im Jahr 2010 für 2.750 Euro erworben hatte, noch einmal mit seiner zwischenzeitlich angereisten Tochter genau angesehen hatte, ist er davon überzeugt, „dass die Baumfällaktion in diesem Falle nicht notwendig war, wenn man sich die Schnittstellen des Baumstumpfs und des gefällten Baumes ansieht“. Und noch am Muttertag hatte Tochter Marion, wie sie BLICK aktuell berichtet, die mütterliche Wald-Grabstelle begeistert im Video festgehalten, wobei sich der Baum in sattem Grün präsentiert habe. Von braunen Blättern oder abgestorbenen Ästen sei nichts zu sehen gewesen. Und so haben sich Vater und Tochter entschlossen, einen Sachverständigen einzuschalten. Das Ergebnis liegt noch nicht nicht vor.


Baum und Namensschild sind weg


Bad Breisigs Revierförster Hoffmann, der den Baum als gefährdet gesehen hatte und von Hans Georg Marx kontaktiert worden war, hatte erzählt, dass die Entscheidung bereits 14 Tage zuvor getroffen worden sei. „Dann hat die Gefahr gar nicht so akut sein können“, argumentiert Ex-Polizist Marx, „denn dann hätte man sofort gehandelt. Und außerdem hätte man innerhalb dieser 14 Tage genug Zeit gehabt, mich zu kontaktieren. Und vielleicht wäre der Baum ja in irgendeiner Form zu retten gewesen, da hätte ich mich sogar an den Kosten beteiligt“. Exakt an der Stelle, an der die Urne eingegraben wurde, liegt ein abgeschlagener Nachbarbaum, die Namenstafel der Verstorbenen ist auch nicht mehr da. Auf das Argument, dass der Baum selbst ja nicht gekauft wurde, erwidert Marx, dass man ihm aber drei Grabbäume angeboten habe, wobei sich die unterschiedlichen Preise nach der jeweiligen Größe (Umfang) der Bäume gerichtet hätten.


Udo Heuser: „Es war keine Zeit, alle zu informieren“


Was sagt Bürgermeister Udo Heuser? „Einmal im Jahr gibt es eine Überprüfung der Bäume, und in diesem Jahr wurde festgestellt, dass ein Baum an der Römer Therme, ein Baum im Kurpark und einige weitere Exemplare in der RheinRuhe bedingt durch die Trockenheit der letzten Jahre schwer angeschlagen waren und gefällt werden mussten. Weil der Sicherungspflicht nachgegangen werden muss, steht in der Friedhofssatzung, dass natürliche Beeinträchtigungen zu dulden sind. Für uns war nicht ausreichend Zeit, alle betroffenen Angehörigen der Baumgräber vorher zu informieren“.

Die Baumfällaktion ist aber damit wohl noch nicht vom Tisch und BLICK aktuell bleibt bei diesem Thema am Ball. Es gilt, das Ergebnis des Sachverständigen und der gezogenen Baumprobe sowie eine Stellungnahme des Försters dazu abzuwarten. Bürgermeister Udo Heuser möchte aber die Wogen glätten und versprach: „Herrn Marx, den ich übrigens persönlich kenne, werde ich in den nächsten Tagen besuchen und mit ihm ein Gespräch führen“.-KMI-

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30.06.2020 12:50 Uhr
H. Oldendorf

Als wir von der Ungeheuerlichkeit hörten, dachten wir noch - unser "gesunder Baum" kann nicht betroffen sein. Am 30.5. waren wir zuletzt vor Ort. Herrliche Blätterkrone, keine Krankheitszeichen.
Nun kam auch an uns das Schreiben der VB Bad Breisig...
Es ist doch klar: wenn Betroffene vorher informiert worden wären, hätte es bis jetzt womöglich KEINE Fällungen gegeben, sondern Einsprüche und Gutachten VOR der Aktion!
An einer Gemeinschaftsgedenkstätte liegt uns nichts - wir wollen unsere Verstorbene dort besuchen, wo sie auch bestattet wurde inklusive Baum und Namensschild!
Auch sei keine Zeit für Information der Angehörigen gewesen obwohl es Aussagen gibt, dass angebliche Schäden schon 14 Tage vorher bekannt waren - Post dauert u. E. max. 2-3 Tage. Leider muss man davon ausgehen, dass Gutachten nicht zugunsten der Betroffenen ausgehen!
Es ist SEELISCHE GRAUSAMKEIT - der Baum war für uns ein Symbol, dass der Verstorbene dort Spuren hinterlässt. Was ist mit der Totenruhe???



30.06.2020 12:10 Uhr
Janine F. Multrus

Sowas unverschämtes!! Der Baum meine Großeltern wurde auch abgesägt. Der einzige unterschied war, das die Großeltern erst letztes Jahr (Mai 2019) beerdigt wurden. Wie kann es sein das der Baum nach 1 Jahr morsch ist? Kann mir das bitte jemand erklären?
Laut der aussage von Udo Heuser: „Einmal im Jahr gibt es eine Überprüfung der Bäume ..." Das heißt man hätte uns letztes Jahr schon sagen können, das der Baum den wir ausgesucht hatten bereits morsch ist..!!
UNVORSTELLBAR... DIE REINSTE FRECHHEIT!



29.06.2020 16:21 Uhr
Lindlohr

auch ich wollte meinen verstorbenen Mann besuchen und traute meinen Augen nicht, ich war fassunglos, die Grabstätte war weg. Ohne ein Wort, ohne irgendeine Infirmation, die Grabstätte war weg. Ich stand im Wald und mir liefen die Tränen, was jetzt. Die letzte Ruhestätte nicht gemeinsam ? Wir haben vier Gräber an diesem Baum. Nun kommt ein Schreiben und man soll mit einerbgemeinsamen Gedenkstätte vertröstet werden.
Es ist einfach unfassbar



17.06.2020 16:49 Uhr
C. Wagner

Was heisst denn hier keine Zeit? Mindestens einen Anruf hätte man tätigen können. Ich finde das pietätlos. Die letzte Ruhe so zu stören finde ich unmöglich : Ich hoffe die Stadt Bad Breisig zahlt auch die Umbettung der Urnen. Das wäre das Mindeste



16.06.2020 19:13 Uhr
Willi Cremanns

Wie sieht es denn im weiteren aus, im Vertrag steht das die Grabstelle für 50 Jahre gemietet ist



15.06.2020 18:44 Uhr
Bruno Kreß

Eine Sauerei ersten Grades, haben auch unsere letzte Ruhestätte dort gekauft in der Annahme, dass dort die Natur so belassen wird wie sie ist. Es hätte sich gehört die Angehörigen vorher davon zu informieren und einen gemeinsamen Weg zu finden.



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