Große Debatte im Mendiger Stadtrat
Extreme Verkehrssituation in der Pellenzstraße erhitzt die Gemüter
Über 30 zum Teil direkt betroffene Bürger nahmen an der öffentlichen Sitzung teil
Mendig. Ein nicht gerade alltägliches Bild bot sich am vergangenen Dienstag im Ratssaal der Stadt Mendig. Weit über 30 Anwohner der Pellenzstraße und Umgebung waren aufgrund einer eigens initiierten Flugblatt-Aktion erschienen, in der es hieß: „Von vielen wissen wir, dass sie von der Verkehrssituation in der Pellenzstraße genervt sind. Bisher haben wir es nicht geschafft, unsere Bemühungen für eine Verbesserung zu bündeln!“
Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel begrüßte die rege Teilnahme der Bürger und beschloss gemeinsam mit den Ratsmitgliedern, den ursprünglichen Tagesordnungspunkt 11 auf den Anfang der Sitzung zu verlegen.
Da auch der Stadt das Problem der vom Pkw- und Schwerlastverkehr völlig überlasteten Pellenzstraße schon lange ein Dorn im Auge ist, hatte sie bei dem Ingenieurbüro für Verkehrsplanung und -technik VERTEC in Koblenz eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Der Bürgermeister versprach, demnächst zu einer Anwohnerversammlung einzuladen, um mit allen Betroffenen über das Analyse-Ergebnis des Verkehrsplanungsbüros zu diskutieren, da dies während der Stadtratssitzung aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei.
6.500 Fahrzeuge durchfahren täglich die Pellenzstraße
Diplom-Ingenieur Markus Werhan von VERTEC, der die Analyse im Rahmen eines Powerpoint-Vortrags detailliert erläuterte, stellte zunächst fest, dass im Mai vergangenen Jahres an sieben Knotenpunkten eine Verkehrszählung durchgeführt worden sei. Demnach befuhren pro Tag durchschnittlich 6.500 Fahrzeuge die Pellenzstraße. Darin enthalten seien rund 100 Schwerlastfahrzeuge, und davon seien wiederum 70 Busse gezählt worden, die die Pellenzstraße in beiden Fahrtrichtungen frequentierten.
Werhan unterbreitete vier Vorschläge, wie man das Verkehrsaufkommen in der Pellenzstraße reduzieren könne, wobei mindestens drei Vorschläge von den Ratsmitgliedern als illusorisch abgetan wurden. Zum einen handelte es sich um eine Einbahnregelung, nach der die Pellenzstraße nur noch von Ober- nach Niedermendig befahren werden dürfte, wobei die Fahrzeuge an Stelle der Gegenrichtung die L 113 und die B 262 nutzen müssten. Dies wäre jedoch ein enormer Umweg mit entsprechendem Zeitverlust. Außerdem bedeute dies laut Werhans: Wenn jeden Tag 3.250 Pkw 1,5 Kilometer weiter fahren müssten, kämen etwa 5.000 Kilometer zusammen, was wiederum ökologisch äußerst bedenklich sei. Als zweiten, ziemlich abenteuerlichen Vorschlag unterbreitete er einen sogenannten „Ringverkehr“ über die Schäferspforte, Wollstraße, Kirchstraße, Brunnenstraße und Pellenzstraße. Das würde zwar einen Teil der Pellenzstraße um etwa 3.000 Fahrzeuge pro Tag entlasten, gleichzeitig bedeute dies jedoch, dass die Verkehrsbelastung in den kleineren Straßen um das Zehnfache anstiege. Außerdem gäbe es für den Schwerverkehr in den zum Teil sehr engen Straßen kein Durchkommen, so Werhan, der zugleich hinzufügte, dass eine Sperrung für den Schwerlastverkehr in der Pellenzstraße ebenfalls nicht möglich sei, da hiervon ja auch Busse betroffen wären. Als weitere Möglichkeit nannte der Verkehrsplaner eine südliche Umfahrung. Dies würde eine innerstädtische Umgehungsstraße bedeuten, die jedoch mit enormen Kosten verbunden sei. Das heißt, die Umgehungsstraße würde über die Molkerei- und Fallerstraße führen und an die Bahnstraße angebunden werden.
Als eine durchaus realistische Überlegung galt die Empfehlung Werhans, für die Pellenzstraße eine ähnliche Regelung, wie in der Heidenstockstraße zu schaffen. Hier wurde vor vier Jahren ein „geordneter Begegnungsverkehr“ geschaffen, indem man kleinere Parkflächen und Grünflächen so anordnete, dass der Verkehr in beide Richtungen geordnet fließen kann.
Konzept soll mit den Anwohnern besprochen werden
Während Helmut Selig (SPD) dafür plädierte, die Anwohner in die weiteren Überlegungen mit einzubeziehen, da diese täglich mit den Problemen in der Pellenzstraße konfrontiert würden, sprach Ernst Einig (CDU) sich für eine kurzfristig zu realisierende Verkehrsberuhigung mit einer klar definierten Vorfahrtsregelung aus. Leo Heinen (Bündnis 90/Die Grünen) räumte den Fußgängern absolute Priorität ein und forderte drastische Geschwindigkeitsbegrenzungen. Außerdem sei zu überlegen, Pfähle an bestimmten Punkten zu installieren, damit nicht über den Bürgersteig gefahren werden könne. „Wir sollten die erforderlichen Maßnahmen jedoch nicht auf die lange Bank schieben“, so Heinen im Hinblick auf die Tatsache, dass seit der Verkehrszählung bis dato immerhin ein Jahr verstrichen sei. Ebenso drastisch wie originell war dagegen der Vorschlag von Stephan Retterath (Bündnis 90/Die Grünen): „Wir sollten die Pellenzstraße so unattraktiv wie möglich gestalten, damit nur noch wenige Autofahrer sie nutzen wollen!“
Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel schlug vor, ein Verkehrskonzept zu erarbeiten und darüber gemeinsam mit den Anwohnern zu sprechen. Ähnlich wie bei der Planung für die Heidenstockstraße könne man den Anwohnern bei der Gelegenheit zeigen, was für die Pellenzstraße geplant wurde. Anschließend bestehe die Möglichkeit, den einen oder anderen Vorschlag zu testen, was nach einer entsprechenden Probephase eine gute Grundlage für die weitere Planung sei. Nachdem der Stadtrat einstimmig für diesen Vorschlag votiert hatte, erhielt Stadtbürgermeister Ammel vom Rat den Auftrag, gemeinsam mit der Verwaltung die weitere Planung in Auftrag zu geben. FRE
Über 30 betroffene Anwohner der Pellenzstraße und Umgebung waren zur Stadtratssitzung gekommen

Tach,Herr Steil.
In Sachen Verkehrsbelastung/Verkehrssicherheit empfehle ich Ihnen einen Blick in "Lebenswertes RÜBENACH" zu werfen.Die Anwohner der betroffenen AACHENER Straße können seit Jahrzehnten ein Lied davon singen,obwohl letzteres die durch Abgase etc. belastete Luft dies kaum zulässt.Ihre Probleme sind auch die Unsrigen. Maßnahmen,die nunmehr (zum Teil) nach jahrelangem zähen Ringen seitens der BÜRGERINITIATIVE von der STADT (unzureichend) kostengünstig durchgeführt wurden, zeigen bis dato ihren Negativwert auf.Die örtliche Präsenz von in Rübenach wohnenden Stadtratsmitgliedern von SPD u.CDU kann man nicht als Vorteil,sondern eher als Hindernis bei der Behebung der hier nach wie vor bestehenden extremen Verkehrssituation bezeichnen.Als "Verdammt in alle Ewigkeit" könnte man das Problem der Verkehrssituation und Verkehrssicherheit bezeichnen.Warum das so ist?Weil wir von Egomanen u.den Bürgern vollkommen entfremdeten Selbstdarstellern regiert/bevormundet werden.
Leider geht in dieser Maßnahme unter, dass die Stadt Mendig auch aus einem oberen Stadtteil besteht und die Anlieger der oberen Pellenzstraße auch Hilfe benötigen. Videozählungen haben ergeben, dass wir mittlerweile schon die 8000 Fahrzeuge in 24 h erreicht haben. Tendenz steigend. Lärm, Abgase, Raser die der hohe Durchgangsverkehr mitbringen müssen angegangen werden. Alle bisherigen Anfragen an die Stadt haben nichts gebracht. Eine Umgehung kann nur die Stadt entlasten. Alles andere ist Augenwischerei und der Stadtrat zeigt hier deutliche Schwächen. Neue Videozählungen 2018 in der oberen Pellenzstraße sind mit weiteren Aktionen geplant. Der Rat muss die obere Pellenzstraße in das Konzept mit aufnehmen. Anträge werden gestellt. Ich hoffe auch weiterhin auf rege Beteiligung der Anlieger.
Wolfgang Steil
Obere Pellenzstraße