Politik | 19.02.2024

Wie sich die Hilfsorganisationen besser auf Naturkatastrophen vorbereiten

Fluthilfekonferenz tagte in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Staatssekretärin Nicole Steingaß spricht bei der Fluthilfekonferenz.  Foto: EA/Adams

Bad Neuenahr-Ahrweiler. In Bad Neuenahr-Ahrweiler fand jetzt die 4. Fluthilfekonferenz statt. Dazu hatten die DRK-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie die Caritas international und die Diakonie Katastrophenhilfe in die Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung in Ahrweiler eingeladen. Ziel der Initiatoren ist es, durch eine bessere Vernetzung der unterschiedlichen Akteure aus den Bereichen Katastrophenvorsorge und Katastrophenhilfe auch im Falle naturbezogener Gefahrenlagen jederzeit gewappnet zu sein.

Denn die Naturkatastrophe vom Juli 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen und die damit verbundenen und bis heute andauernden Auswirkungen hätten deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Bevölkerungsschutz in Deutschland zu stärken, um gut auf Extremwetter vorbereitet zu sein, so die Initiatoren der Konferenz. Leitungs- und Führungskräfte aus Hilfsorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Gruppen der ungebundenen Helfer sowie den Bundes-, Landes-, und Kommunalbehörden tauschten sich unter dem Motto „Gemeinsam stark in Katastrophen“ zum zukünftigen Umgang mit Naturkatastrophen aus.

Die Wiederaufbaubeauftragte des Landes, Staatssekretärin Nicole Steingaß aus dem Innenministerium, erinnerte an die Tage nach der Flut. „Viele von Ihnen waren damals im Einsatz. Viele von uns haben Erinnerungen und Bilder im Kopf. Manche haben Dinge erlebt, die wir nur aus Erzählungen unserer Großeltern kannten. Zerstörung, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit der ersten Tage waren für uns, die wir in der Nachkriegszeit lebten, unvorstellbar.“ Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der gesamten Bevölkerung, der Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden, der „Blaulichtfamilie“ sowie zahlreicher Verbände und Organisationen hätten es ermöglicht, die größte Naturkatastrophe der Nachkriegsgeschichte zu bewältigen, so Steingaß.

„Klimawandel macht keine Pause“

Die Staatssekretärin machte aber auch klar. „Der Klimawandel macht keine Pause, und wir müssen uns bewusst sein, dass uns extreme Wetterereignisse auch in Zukunft vor neue Herausforderungen stellen werden. Auf Starkregen, Überflutungen, Dürren, Hitzestress werden wir uns vorbereiten müssen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass wir uns bestmöglich auf diese Bedrohungsszenarien vorbereiten.“

Das Land Rheinland-Pfalz habe den Brand- und Katastrophenschutz mit einer umfassenden Reform auf eine neue Grundlage gestellt. „Unser Ziel ist es, noch besser auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Wir passen gesetzliche Grundlagen an, stärken die kommunalen Strukturen vor Ort und investieren in Ausbildung, Ausrüstung und Infrastruktur. Zudem setzen wir uns für eine länderübergreifende Zusammenarbeit ein.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg sei die Einrichtung eines zentralen Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz, das Anfang des kommenden Jahres seine Arbeit aufnehmen werde. „Zudem werden wir noch in diesem Jahr ein 24/7-Lagezentrum in Koblenz eröffnen. Dieses Zentrum ermöglicht es uns, die Lage im Bevölkerungsschutz landesweit proaktiv zu beobachten und zu analysieren. Hier laufen im Ernstfall alle relevanten Informationen zusammen und werden zu einem umfassenden Lagebild des Landes zusammengeführt. Dadurch verbessern wir die Kommunikation, die Ressourcenplanung und die Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte.“

Bewusstsein stärken

Das Land will aber auch das Bewusstsein für mögliche Katastrophenlagen und die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung stärken. „Auch das ungebundene, zeitlich begrenzte Ehrenamt hat in bestimmten Einsatzlagen ein enormes Potenzial, und wir möchten Spontanhelferinnen und -helfer besser einbinden und unterstützen. Dafür werden wir eine Internet-Plattform einrichten, die als Wegweiser und Informationsplattform dienen soll.“

Die Fluthilfekonferenz helfe dabei, sich zu vernetzen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. „Es ist wichtig, dieses Hilfsnetzwerk kontinuierlich zu pflegen, auszubauen und zu verbessern“, so die Staatssekretärin.

Anke Marzi, Vorstandsvorsitzende des DRK-Landesverbandes Rheinland-Pfalz erklärte bei der überregionalen Zusammenkunft: „Bereits in der Akutphase waren wir gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern vor Ort, um Hilfe zu leisten. Aktuell sind wir mit weiteren Hilfsorganisationen sowie Wohlfahrtsverbänden nach wie vor in den betroffenen Regionen im Bereich des Wiederaufbaus im Einsatz. Da jederzeit mit Naturereignissen dieser Größenordnung zu rechnen ist, geht unser Blick auch in Richtung Zukunft. Denn es gilt gut auf Vorkommnisse dieser Art vorbereitet zu sein und vorhandene Strukturen weiter auszubauen.“

Staatssekretärin Nicole Steingaß spricht bei der Fluthilfekonferenz. Foto: EA/Adams

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