Öffentliche Stadtratssitzung in der Stadthalle
Fokusanalyse Bendorf – ein Blick von außen
Studenten der Hochschule Koblenz stellen ihre Ideen vor
Bendorf. Die Entwicklung der Bendorfer Innenstadt schreitet weiter voran. In diesem Zusammenhang ist auch die Idee einer Wiederbelebung des Alten Kinos in der Poststraße als kulturellen Anlaufpunkt zu sehen.
Die Hochschule Koblenz hat im September 2018 ein neues Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mayen-Koblenz gestartet, in dem beispielhaft für kleine Städte und Gemeinden unter anderen die Stadt Bendorf untersucht werden soll. Ziel der Analyse ist es, zentrale Schlüsselthemen für die zukünftige Entwicklung zu benennen und gemeinsam im Rahmen einer längerfristig angelegten Kooperation neue Ideen und Impulse zu generieren. Dazu wurden ortsstrukturelle und soziodemografische Analysen durchgeführt und die Erkenntnisse anhand von Schlüsselpersoneninterviews vertieft. Die Studierenden gehen davon aus, dass die Betrachtung einer Situation aus verschiedenen Blickwinkeln einen Mehrwert generiert und zu besseren, langfristig tragfähigeren Lösungen führt.
Die Initiative von Professor Peter Thomé geht auf Erkenntnisse aus der sogenannten Fokusanalyse der Hochschule Koblenz zurück. Unter Federführung von Dipl.-Ing. Julia Trapp widmete sich die Studie von Winter 2018 bis Frühjahr 2019 der Gesamtstadt Bendorf und zeigte wichtige Themenfelder der städtischen Entwicklung auf. Studierende der Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen und der Sozialwissenschaften haben dann gemeinsam an der Aufgabenstellung „Altes Kino“ gearbeitet und sind der Frage nachgegangen, welche Nutzungen an dem innerstädtischen Standort geeignet sein können, wie diese baulich gestaltet und ortsstrukturell in die Poststraße eingegliedert werden können. Hierbei ist es ihnen wichtig, dass auch die Bürgerschaft im Rahmen von Workshops in den Prozess miteinbezogen wird.
Die Ergebnisse der Analyse sowie die studentischen Ideen für die Poststraße hat die Stadtverwaltung im Rahmen einer öffentlichen Stadtratssitzung in der Bendorfer Stadthalle präsentiert, in der auch viele interessierte Bendorfer Bürger anwesend waren.
Bendorfs Bürgermeister Michael Kessler wies vorab darauf hin, dass es sich bei der Darstellung nicht um ein Projekt der Stadt Bendorf handelt. Kessler: „Was wir heute präsentiert bekommen ist der Ausfluss der Kreativität einer jungen Generation von Architekten, die Anregungen geben wollen über bestimmte Dinge nachzudenken.“ Für diese Initiative bedankte er sich bei Professor Thomé, seinem Team sowie den mitwirkenden Studenten und Lehrkräften.
Professor Thomé und Frau Trapp stellten dann in einer umfangreichen Präsentation die Arbeiten der Studenten vor. Die Ideen der am Projekt beteiligten Studierenden Mi Phan, Linda Augustin, Ronja Münch, Vanessa Brozki, Ana Galic und Katharina Müller reichten von dem Ausbau des Gebäudes als Stadtbibliothek über den Umbau zur multifunktionalen Nutzung als Theater mit Schauspiel und Tanz oder für Yoga- und VHS-Seminare bis hin zur Verwandlung in ein Musikdorf. Neben der kulturellen Nutzung sind auch integrierte Wohneinheiten, begrünte Dächer und Ruhezonen angedacht.
In der anschließenden kontroversen Diskussion standen für die Beantwortung von Fragen Bürgermeister Kessler, Professor Thomé, Frau Trapp ebenfalls die an dem Projekt beteiligten Studenten zur Verfügung. An der lebhaften Aussprache nahmen neben Ratsmitgliedern auch Teile der anwesenden Bevölkerung teil, dabei wurde sowohl Zustimmung als auch Ablehnung für die vorgestellten Modelle deutlich. Bürgermeister Kessler gab zu bedenken, dass die Stadt nicht Eigentümer des leerstehenden Gebäudes ist und somit über einen Umbau zu einer Neunutzung nach den vorgestellten Modellen nicht entscheiden kann. Dieses Hindernis sei daher vorab zu klären.
Bei der Besichtigung der ausgestellten Modelle und Planskizzen bot sich den Anwesenden die Gelegenheit, mit den Studierenden und Lehrenden der Hochschule ins Gespräch zu kommen und weitere Einzelheiten zu erfahren.
Nach den Worten von Bürgermeister Kessler wird das Thema an der Hochschule Koblenz von der Stadt Bendorf weiter begleitet. Durch weitere Workshops mit Bürgern und Stadt soll zudem für die Studenten eine gemeinsame Basis entstehen, auf der in folgenden Semestern vertiefende Einzelprojekte als studentische Arbeiten aufbauen können – immer mit konkretem Realitätsbezug und als Impulse für die Stadtentwicklung von Bendorf.
Professor Peter Thomé erläutert das auf seine Initative von Studierenden der Hochschule Koblenz durchgeführte Projekt.
Modellentwurf ‚Altes Kino Bendorf‘.
Dipl.-Ing. Julia Trapp präsentiert die Ideen der Architekturstudenten.