Politik | 26.11.2016, 13:50 Uhr

Grafschafter Dorfentwicklungsausschuss zeigte sich beeindruckt

Frische Ideen einer Studentengruppe zeigten das Potenzial der Ortskerne auf

Bachelorarbeit wurde in der Vettelhovener Kaiserhalle vorgestellt – Bebauung der zweiten Reihe könnte eine Option für die Zukunft sein

Grafschaft. Zutiefst beeindruckt von den Ergebnissen einer gerade fertiggestellten Bachelorarbeit zeigten sich die Mitglieder des Grafschafter Bau-, Planung- und Dorfentwicklungsausschusses bei der jüngsten Sitzung. Eine Gruppe von Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern, Fachgebiet Landschaft- und Freiraumplanung, hatte sich die Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts zur Beseitigung von Leerstand im Dorfkern am Beispiel von Gelsdorf und Bengen auf die Fahnen geschrieben. Heraus kamen einige überaus interessante Vorschläge, über die die Kommunalpolitiker nun in nächster Zeit einmal nachdenken wollen. Die Studenten Carlo Hahn, Annemarie Becker, Vanessa Dunker und Annika Worch präsentierten das Ergebnis in der Vettelhovener Kaiserhalle.

Basis für das interdisziplinäre Bachelorprojekt am Lehrstuhl von Prof. Dr.-Ing. Karl Ziegler war das flächendeckende Kataster für alle leerstehenden Gebäude in den Ortskernen der Grafschafter Dörfer, das genau einem Jahr vorgestellt worden war. Daraus sollten Ansätze für ein städtebauliches Konzept zur Bewältigung des Leerstands entwickelt werden. Dafür wurden beispielhaft einzelne leerstehende Anwesen in Gelsdorf und Bengen näher betrachtet, die Studenten erstellten jeweils individuelle städtebaulich-architektonische Konzepte für jedes einzelne Gebäude.

Witzige und innovative Wohnideen verwirklichen

Die zielten insbesondere darauf ab, dass auch die „zweite Reihe“ besser als bisher als attraktiver Bereich der Wohnbebauung genutzt werden könne. Besondere in der Gimmiger Straße in Bengen.

Dort sind praktisch alle Häuser direkt an die Straße gebaut, weisen nach hinten aber oft sehr viel Platz auf. Hier sei die Bebauung des rückwärtigen Grundstücksteils durchaus eine Option zur Verbesserung der Attraktivität des Dorfkerns. Dabei könne man einige witzige und innovative Wohnideen verwirklichen, waren die Studenten überzeugt. Bei einer Reihe von leerstehenden Gebäuden zeigte der Daumen jedoch nach unten, hier stand als einzig sinnvolle Lösung ein Abriss und ein neues Konzept für den dadurch entstehenden Freiraum zur Debatte.

Auf besonderes Interesse stieß bei den Kommunalpolitikern die Idee, in Bengen im Bereich zwischen der „Gimmiger Straße“ und dem „Bengener Bach“, östlich der Kirche, ein kleines Baugebiet mit rein theoretisch bis zu 20 Baugrundstücken zu schaffen. Diese würden sich in zwei Reihen hinter der der jetzigen Bebauung aufreihen. Erschlossen würden sie über zwei Brücken, die zum Wirtschaftsweg parallel zum Bach würden, sowie durch eine Stichstraße von einer Baulücke in der Gimmiger Straße aus.

Kommunalpolitiker wären nie auf die Idee gekommen

Das sei zwar ein rein akademisches Konzept, das in dem Umfang niemals realisiert werden könnte, räumte auch Professor Ziegler ein. „Aber das Konzept hat einen großen Charme, weil wir als Kommunalpolitiker niemals auf diese Idee gekommen wären“, fand CDU-Sprecher und Beigeordneter Michael Schneider, der einst in diesem Bereich aufgewachsen war. Das könne einer der neuen Wege sein, die die Grafschaft einschlagen müsse – neben der Entwicklung weiterer Neubaugebiete. Allerdings wusste er auch, wo das Problem liegt: „Da müssen dann aber auch alle mitmachen.“

Lothar Barth war ebenfalls beeindruckt, denn das Konzept zeige, welche Reserven man noch besitze, um attraktiven Wohnraum in den alten Ortskernen zu schaffen. Und auch Udo Klein (SPD) sah im Konzept einen wertvollen Denkanstoß für den künftigen Umgang mit Leerständen in den Ortskernen. Fraglich sei allerdings, ob die jetzigen Besitzer der leerstehenden Gebäude die dafür notwendigen finanziellen Mittel aufbringen könnten und wollten, oder ob es Investoren oder Projektentwickler gebe, die sich der Sache annehmen würden.

JOST

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