Claus Dreesbach über das fertiggestellte Remagener Stadthotel
„Frühmorgendliches Großstadtbild“
Frühmorgens. Ein Müllwagen quält sich piepend rückwärts in die schmale Obergasse rein. Braune Tonne.
Ab welchem Verhältnis „Straßenbreite zu Häuserhöhe“ darf man eigentlich von „Straßenschluchten“ sprechen?
Ein Bus rauscht vorbei. „Remagen Bahnhof“.
Ein Müllwagen schluckt mit Getöse den gelben Verpackungs-Abfall. Bum-bum-bum-bum! Mülltonne im Takt!
Er führt einen Auto-Korso an. All die Pendler rheinab aus Kripp und den Neubau-Siedlungen Römerhof, Lange Fuhr, die wollen zur Arbeit.
Mitten drin der Gliederbus mit bildungshungrigen Inselschülern/mwd.
Kaum hat sich der ganze Stau in schrittweise Bewegung gesetzt, kommt der Müllwagen aus der Obergasse hoch und will in die Bahnhofstraße einbiegen. Vorfahrt achten!
Ein Bus „Betriebsfahrt“ läßt ihn vor. In der Bahnhofstraße stehn ja nur zwei braune Tonnen.
Alles folgt in Schleichfahrt. Irgendwer in der Blechkarawane braucht wohl „Hallo Wach!“. Seine Bässe wummern lauter als die Mülltonnen.
Warum bloß hält der nächste Bus mitten auf der Straße? – Aha! Da hat einer sein stolzes Vehikel so dämlich zu dem Postwagen geparkt, dass der Bus dazwischen nicht durchpasst. Nur eben Brötchen und ‘nen Becher Kaffee holen.
Da fällt mir doch ein alter Zeitungs-Artikel ein. Gleiche Titelzeile. Mag rund hundert Jahre her sein:
„Gestern Nachmittag, um sechzehn Uhr dreizehn Minuten, in der Remagener Drususstraße, zwischen Bahnhofsgebäude und Abzweigung Koblenzer Straße, begegneten sich zwei Lokomobile. Beide mit zwei hochbrackigen Anhängern, wobei die in Richtung Köln fahrenden, hoch beladen, dem reichlich befeuerten Lokomobil heftige Qualmwolken entlockten.
Den beiden leeren Anhängern des Gegenzuges verpassten ihre acht vollgummibereiften Zwillingsräder ein lautstarkes Geklapper, das sich auf der abschüssigen Straße zur Unterführung hin, über den rundköpfigen Basaltquadern des Pflasters, zu einem ohrenbetäubenden Crescendo auswuchs.“
Claus Dreesbach,
Remagen
