Antragsstopp ZIM gefährdet Forschung
GRÜNE kritisieren ZIM-Antragsstopp: Forschung braucht Sicherheit - ohne Feuerfest keine Industrie
aus Koblenz
Höhr-Grenzhausen. GRÜNE informieren sich in Höhr-Grenzhausen über Keramik als Schlüsseltechnologie und Chance für die klimaneutrale Transformation.
Der Antragsstopp beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefährdet aus Sicht der GRÜNEN wichtige Forschungsprojekte und die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen. 18 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft haben sich am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in Höhr-Grenzhausen über die Bedeutung von Keramik und Feuerfest für den Forschungs- und Industriestandort Deutschland informiert. Eingeladen hatte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Hochschule & Wissenschaft von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz. Stationen waren der Campus Höhr-Grenzhausen der Hochschule Koblenz und das benachbarte Europäische Feuerfestzentrum (ECREF).
Politik sieht Handlungsbedarf
„Ohne feuerfeste Werkstoffe gibt es keinen grünen Stahl, keinen klimaneutralen Zement und keine Chemie von morgen“, sagte Julian Joswig, Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. „Das hört sich erstmal nischig an, ist aber enorm wichtig für unsere Industrie. Aus meiner Arbeit mit Climate-Tech-Start-ups weiß ich, wie schwer der Sprung vom Labor in den Markt ist und dass er ohne verlässliche öffentliche Förderung selten gelingt. Umso weniger verstehe ich, dass das Wirtschaftsministerium ausgerechnet das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) stoppt. Die Bundesregierung will unseren Standort wettbewerbsfähiger machen und dreht denen den Hahn zu, die dafür forschen. Das ergibt keinen Sinn. Wir brauchen das ZIM zurück, und eine Industriepolitik, die auch die Mittelständler im Blick hat, die unsere Industrie am Laufen halten.“
Auch Dr. Lea Heidbreder, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Wissenschaft und Hochschule im rheinland-pfälzischen Landtag, betonte die Bedeutung des Standorts: „Die Forschung am Forschungs- und Wissenschaftsstandort Koblenz und in diesem Fall explizit am Campus Höhr-Grenzhausen der Hochschule Koblenz zeigt, wie wirksamer Klimaschutz und industrielle Innovation Hand in Hand gehen können. Mit ihrer Expertise in der Keramik, den Werkstoffwissenschaften und ressourcenschonenden Technologien leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, Rohstoffe effizienter zu nutzen, Kreisläufe zu schließen und industrielle Prozesse klimaneutral zu gestalten.“
Förderstopp trifft Forschung und Mittelstand
Die Grundfinanzierung der Forschungsgemeinschaft Feuerfest e. V. (FGF) stützt sich auf Förderprogramme wie die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Für letzteres gibt es seit Juli 2026 einen Antragsstopp durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Tobias Steffen, Sprecher der LAG und Wissenschaftler sowie AI Innovation Manager bei der FGF, erklärte: „Der ZIM-Antragsstopp ist eine Hiobsbotschaft für Forschungsinstitute und klein- und mittelständische Unternehmen. Er bedroht die Lebensgrundlage von Einrichtungen wie unserer und steht diametral zum erklärten Ziel des BMWE, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts zu steigern. Wir fordern daher die schnellstmögliche Wiederaufnahme des ZIM-Programms und eine Absicherung der Forschung für den Mittelstand durch Stärkung der Förderprogramme.“
Keramik und Feuerfest: Schlüsseltechnologien für die Transformation
Keramik steckt in Implantaten und medizinischen Geräten, in Brennstoffzellen und Windkraftanlagen, in Fahrzeugen, im Maschinenbau und in der Halbleiterfertigung. Entsprechend breit ist das Berufsfeld der Absolventen und Absolventinnen. Prof. Dr. Pascal Seffern, Prodekan des Fachbereichs bauen-kunst-werkstoffe und Standortleiter in Höhr-Grenzhausen, erläuterte die Bedeutung dieser Werkstoffe für Forschung und Wirtschaft. „Keramik ist eine Enabler-Technologie: Oft unsichtbar im Hintergrund, macht sie Schlüsselanwendungen in Energie, Mobilität, Medizin, Elektronik und Umwelttechnik überhaupt erst möglich. Ihre Bedeutung bemisst sich deshalb weniger am Umsatz als an der Funktion, die sie für ganze Technologiesysteme übernimmt“, so Seffern.
Die keramische Ausbildung am Standort Höhr-Grenzhausen ist dabei deutschlandweit einzigartig und bietet eine hervorragende Vernetzung in die Industrie sowie Forschungseinrichtungen. Bei einem Rundgang durch die Labore sahen die Gäste unter anderem thermisch-physikalische Prüfeinrichtungen, die Rasterelektronenmikroskopie und das chemische Labor.
Feuerfest als Grundlage der Grundstoffindustrie
Am ECREF stellte Dr. Kerstin Hauke, Leiterin der Forschungsgemeinschaft Feuerfest e. V. (FGF), die Forschungseinrichtung vor. Feuerfeste Werkstoffe kleiden die Hochtemperaturanlagen aus, in denen Stahl, Glas, Zement, Aluminium und chemische Grundstoffe hergestellt werden. Damit hängen auch alle nachgelagerten Branchen von ihnen ab. Ohne feuerfeste Werkstoffe würde die gesamte industrielle Wertschöpfungskette zusammenbrechen. Die Umstellung auf klimaneutrale Verfahren wie die wasserstoffbasierte Stahlherstellung stellt neue Anforderungen an diese Materialien. Genau diesen Herausforderungen stellt sich die FGF in vorwettbewerblichen und bilateralen Forschungsprojekten.
Die FGF entwickelt dafür Prüfmethoden und forscht gemeinsam mit Unternehmen an neuen Lösungen. „Unsere Prüfmethoden entwickeln wir im Rahmen vorwettbewerblicher Forschungsprojekte. Von dort aus bringen wir sie direkt in die Entwicklungsabteilungen mittelständischer Unternehmen der Feuerfestindustrie und leisten damit einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts“, so Tobias Steffen.
An dem Austausch nahmen neben Heidbreder und Joswig unter anderem der Landtagsabgeordnete Carl-Bernhard von Heusinger, Rebecca Stallbaumer aus dem Landesvorstand der GRÜNEN Rheinland-Pfalz, Mitglieder der LAG, Stadtbürgermeister Wolfgang Letschert sowie Markus Ströher von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kannenbäckerstadt teil. Der Verband der Deutschen Feuerfest-Industrie (DFFI), vor Ort vertreten durch Frau Dr. Elke Steinle, unterstützte den abschließenden Austausch und lud alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu Snacks und Getränken in entspannter Atmosphäre ein.
Über die LAG Hochschule & Wissenschaft
Die Landesarbeitsgemeinschaft Hochschule & Wissenschaft von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz vernetzt seit 2017 hochschulpolitisch aktive Grüne im Land. Sie erarbeitet Positionen zu aktuellen Fragen der Hochschul- und Wissenschaftspolitik, berät den Landesvorstand und wirkt an den Wahlprogrammen mit. Dabei arbeitet die LAG bewusst auch über Parteigrenzen hinweg, um gemeinsam die bestmöglichen Bedingungen für Hochschulen und Wissenschaft in Rheinland-Pfalz zu erreichen.
Pressekontakt
Tobias Steffen & Samara Ziehl Sprecher der LAG Hochschule & Wissenschaft, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz
lag-hochschule@gruene-rlp.de
Tobias Steffen (Forschungsgemeinschaft Feuerfest e. V., Sprecher LAG Hochschule & Wissenschaft der Grünen RLP) über feuerfeste Werkstoffe als Schlüsseltechnologie für den Industriestandort Deutschland. Foto: Dr. Lea Heidbreder
Weitere Themen
Besichtigung des Campus Höhr- Grenzhausen der Hochschule Koblenz mit Vertretern und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik; v.l.n.r.: Julian Joswig, Carl-Bernhard von Heusinger, Mia Smit, Dr. Elke Steine, Dr. Lea Heidbreder, Gordon Gniewosz, Prof. Dr. Pascal Seffern, Tobias Steffen, Dr. Marcel Bastian, Dr. Kerstin Hauke, Peter Buchholz, Rebecca Stallbaumer, Samara Ziehl. Foto: Vanessa Günster