Wehrleiter Ulrich Rechmann legte dem VG-Rat Unkel seinen Situationsbericht vor
Gefahrenabwehr ist nicht zum Null-Tarif zu haben
Unkel. Nach vier Jahren präsentierte der Unkeler Wehrleiter Ulrich Rechmann auf der jüngsten Sitzung des VG-Rates den Mandatsträgern den Sachstandsbericht der Wehr verbunden mit einem Ausblick in die Zukunft. Zuvor hatte er zusammen mit dem Chef der Wehr, Verbandsbürgermeister Karsten Fehr, den neuen stellvertretenden Wehrführer des Erpeler Löschzugs, Volker Efferoth, vereidigt, der wenige Tage zuvor von seinen Kameraden als Nachfolger von Frank Zimmermann gewählt worden war, der die Wehrleitung als Sicherheitsbeauftragter unterstützt.
Zu Beginn seiner Ausführungen erklärte Ulrich Rechmann, dass die Feuerwehr eine Einrichtung der Kommunen sei, die nicht nur für die Brandbekämpfung, sondern auf Gemeindeebene generell im Rahmen der Gefahrenabwehr tätig wird, die wiederum eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist. „Das Aufgabengebiet der Feuerwehr hat sich bedeutend erweitert und das setzt neben gut ausgebildetem Personal auch eine zeitgerechte technische Ausrüstung voraus“, hob er hervor. Hinsichtlich der Personalsituation könne die Unkeler Wehr mit 24 Kräften in Bruchhausen, 30 in Erpel sowie elf in Orsberg, 35 in Rheinbreitbach und 33 in Unkel, also insgesamt 133 Einsatzkräften zufrieden sein, zumal man bislang Abgänge in die Alters- und Ehrenabteilung durch Neuaufnahmen kompensieren könne. „Allerdings ist die Verfügbarkeit von Kräften besonders tagsüber ein Problem. Oft zeigt sich erst beim Eintreffen im Gerätehaus, wie viele Kameraden nach der Alarmierung bereitstehen“, berichtete der Wehrleiter. Theoretisch wären 10 Prozent der Aktiven als Bauhofarbeiter vor Ort. Trotzdem würde die Tagesalarmsicherheit durch Mehrfachalarmierungen und den Ausbau der überörtlichen Hilfe auf Gemeindeebene erhöht. Grund für die prekäre Situation sei nicht nur die Trennung von Wohnort und Arbeitsplatzstätte, beeinträchtige würde die „Alarmsicherheit“ auch durch das veränderte Freizeitverhalten der Bevölkerung. „Heute bleibt man am Feierabend und am Wochenende nicht mehr im Ort oder in unmittelbarer Nachbarschaft, sondern besucht etwa Veranstaltungen in umliegenden Großstädten oder unternimmt Tagestouren“, so Ulrich Rechmann, bevor er sich den Gerätehäusern widmete.
Abgesehen von dem Bruchhausener Gerätehaus, das in Kürze fertiggestellt sein wird, sind die übrigen Unterkünfte zwischen 32 (Rheinbreitbach) und 46 Jahre (Orsberg) Jahre alt, wobei das Erpeler auch noch im Hochwassergebiet liegt, während das Unkeler von diesem eingeschlossen würde. „Aufgrund des Alters besteht bei den Häusern generell Sanierungsbedarf, während das Gros unserer 14 Fahrzeuge erst ab Mitte der 20-er Jahre ersetzt werden muss“, erklärte der Wehrleiter. Anders ist die Situation bei der persönlichen Schutzausrüstung, die angesichts der technischen Neuausrichtung in den zurückliegenden Jahren auf den neusten Stand gebracht werden müsse. Hinsichtlich der Unwetter- sowie Hochwasserlagen müsse die Ausrüstung etwa um Sandsäcke, Motorsägen und Tauchpumpen ergänzt werden. Gleiches gelte hinsichtlich eines langanhaltenden Stromausfalls.
Nach einsatztaktischen Neuausrichtungen wie etwa einem Führungsdienst für „vorgeplante Einheiten zur überörtlichen Hilfe“ des Landkreises auf Landes-und Bundesebene ging Ulrich Rechmann auf die Gefahren-und Einsatzschwerpunkte der Unkeler Wehr ein. Da nannte er vor allem die vielbefahrene B 42, die Bahnlinie am rechtsrheinischen Ufer mit rund 200 Güter- und 75 Personenzügen täglich und die Rheinschifffahrt mit 300 bis 400 Schiffen pro Tag. Nicht außer Acht lassen könne man auch die beiden Alten- und Pflegeheime mit 180 Alten- und Pflegeplätzen sowie 77 Bewohnern im Wohnpark. „Beim Brand im Pantaleon-Heim im Januar sind wir noch glimpflich weggekommen. Allerdings hatten wir nach einem relativ ruhigen Jahr 2017 mit etwa 80 Einsätzen in den ersten Wochen dieses Jahres bereits zwei weitere Großeinsätze und mussten insgesamt schon 26 mal ausrücken“, erinnerte der Wehrleiter an den Brand am Karnevalssamstag in Bruchhausen und an den Brand auf der Breiten Heide am Wochenende.
Anschließend widmete er sich dem Fehlen eines flächendeckenden Sirenensystems und der Digitalalarmierung, die jedoch frühestens 2019 anstehen und damit Haushaltsmittel erfordern würde. Dringend benötigt werde aber aus Umwelt- und Hygienegründe eine Wasch- und Desinfektionsmaschine für den Bereich Atemschutz, die kostenmäßig schon zu Buche schlagen würde ebenso wie die 35.000 Endgeräte für die Digitalalarmierung, deren Anschaffung durch die Kommunen jedoch vom Land mit Fördermitteln unterstützt werde und die aller frühestens im kommenden Jahr umgesetzt würde. Das Ende eines ehrenamtlichen Einsatz eines Wehrleiters sah Ulrich Rechmann mit der möglichen Fusion der drei Verbandsgemeinden an der Rheinschiene. „Ich kenne noch alle Feuerwehrkameraden unserer fünf Löschzüge. Mit der Fusion würden sich die Zahl der Einheiten auf 21 erhöhen, die zwischen Leutesdorf und Rheinbreitbach sowie vom Rheinufer bis hinauf in den Westerwald zuhause sind“, beschrieb Ulrich Rechmann die mögliche Situation. Und wer sollte in der Lage sein, ehrenamtlich in einem so riesigen Gebiet die Einsätze der jeweiligen Löschzüge zu leiten, zumal diese hochgerechnet 450 Mal pro Jahr alarmiert würden, wies er auf ein Problem hin, das nicht gegen eine Fusion spräche, aber von der Politik nicht aus den Augen verloren werden dürfe.
DL
