IG beanstandet Bauvorhaben auf dem Gelände der „Traube“:
„Gemeinderat geht auf Bedenken von Anwohnern nicht ein“
Anwohner sehen ihre Bedenken nicht ernstgenommen – Bemängelt wird
außerdem: Das Planungsbüro gehöre dem Investor und sei nicht unabhängig
Thür. Mit Mehrheit aus CDU und SPD hat der Thürer Gemeinderat bei seiner Sitzung am 4. Juni den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Gaststätte „Zur Traube“ beschlossen und ermöglicht damit die Errichtung eines Acht-Parteien-Hauses in einem Umfeld, in dem sich bisher ausschließlich Ein- oder Zweifamilienhäuser finden.
Der Beschluss stößt auf Unverständnis und Ablehnung von Anwohnern, die sich in einer gemeinsamen Stellungnahme entschieden gegen das Vorhaben in seiner jetzigen Dimensionierung ausgesprochen hatten. Aus Sicht der Interessengemeinschaft (IG) ging der Gemeinderat in seinen Beratungen nur sehr oberflächlich auf die begründeten Bedenken der Anwohner ein. Die Stellungnahme der Mehrheitsfraktion, auch der Wirt der ehemaligen Kneipe habe früher aus dem Fenster geschaut, stellt kaum eine geeignete Antwort auf Bedenken hinsichtlich des Verlusts von Privatspähe in den anliegenden Gärten und Höfen dar. Auf eine zunehmende Verkehrsbelastung und steigenden Parkdruck auf „Schmiedegasse“ und „Eulenschrei“ wurde ebenfalls nicht hinreichend eingegangen.
Zudem bemängelt die IG, dass die gesetzlich vorgesehene Abwägung der verschiedenen Argumente nicht etwa durch das Bauamt der Verbandsgemeinde oder einen durch die Gemeinde bestellten unabhängigen Planer erfolgte, sondern unmittelbar durch ein im Eigentum des Investors befindliches Planungsbüro und damit durch einen abhängig Beschäftigten des Investors. Von einem fairen Abwägen der unterschiedlichen Interessen kann aus Sicht der IG in dieser Konstellation nicht ausgegangen werden. Dies äußerte sich beispielsweise in einem vorgebrachten Höhenvergleich der Bestands- und der Neubebauung, in dem zwar die Gebäude in der Fallerstraße aufgeführt wurden, bewusst aber nicht die deutlich niedrigeren Häuser in der Schmiedegasse, die durch die Höhe des Bauvorhabens im Besonderen beeinträchtigt werden.
Die IG respektiert den politischen Willen des Gemeinderates, das Vorhaben trotz vorgetragener Bedenken zu ermöglichen, zeigt sich aber gleichzeitig enttäuscht von der einseitigen Behandlung im Gemeinderat. Die IG wird das Projekt auch zukünftig kritisch begleiten.
Kontakt zur Interessensgemeinschaft: ig-thuer@web.de
Pressemitteilung der IG Thür
