Politik | 29.06.2021

Leserbrief zum Artikel „Die CDU Ratsfraktion Bendorf stellt die Weichen auf Information - Interessante Fakten zum Vorhaben der Reaktivierung“ in der Ausgabe KW 25, Seite 10

Gemeinsam ausloten, wie eine Rektivierung aussehen könnte

Liebe CDU-Ratsfraktion,

ich würde mich freuen, Sie würden Ihre Haltung und Ihre Faktensammlung zur Brexbachtalbahn noch einmal überarbeiten, auf den unbefangenen Beobachter wirkt sie widersprüchlich, unausgegoren und einseitig - wie gesammelte Ressentiments nicht wie eine Faktensammlung:

1. Verkehrswende nennt man die Verlagerung von Individualverkehr hin zum (z.B. schienengebundenen) ÖPV; wieso die kostengünstige (da weitgehend ehrenamtlich geleistete) Reaktivierung einer Schienenstrecke schlecht für die Verkehrswende sein soll ist ... erklärungsbedürftig.

2. Seien Sie versichert, es werden keine 50 Züge rund um die Uhr diese Strecke benutzen, wenn die Züge nur Luft transportieren. Entweder werden Züge genutzt - dann sind sie gut weil umweltfreundlich und energieeffizient oder sie fahren nicht - auch die Fahrten der Busse zum ICE Bahnhof Montabaur wurden stark reduziert, weil es nicht genügend Fahrgäste gab - ebenso wie der Busverkehr nach Heimbach-Weiss. Die demagogisch hochgegriffenen 150 Minuten Schrankenschließzeit sind für das Verkehrsaufkommen durchaus erträgliche 10,4 Prozent, 90 Prozent des Tages stünden die Straßen dem Auto- und LKW-Verkehr zu Verfügung. Wenn es für diese Strecke allerdings über die touristische Nutzung hinaus keinen Bedarf gibt, wird auch nur eine touristische Nutzung erfolgen - mit entsprechend geringer „Schrankenzeit“ nur am Wochenende und entsprechend geringem „Bahnlärm“. Gibt es einen Bedarf, na dann ist diese Strecke Teil der von Ihnen positiv gesehenen Verkehrswende.

3. Ist eine touristische Nutzung also nun ein Gewinn oder nicht? Wenn Sie sich mit aller Macht gegen jegliche Reaktivierung wenden, wird es auch keine touristische Nutzung geben - kann auch das Zeltlager im Brexbachtal nicht wieder an den öffentlichen PV angeschlossen werden. Mir unvergessen sind die zahlreichen Sonderzüge zu den grossen Zeltlagern dort und der Bedarfshalt Pfadfinderlager für Wanderer und Zeltlagerbesucher.

4. Könnte die CDU Ratsfraktion Bendorf gemeinsam mit dem eingetragenen Verein Brexbachtalbahn ausloten, wie eine Reaktivierung aussehen könnte, ohne das es zu den befürchteten Nachteilen für Bendorf kommt; wie eine Reaktivierung mit der Stadt Bendorf und zum Nutzen der Stadt Bendorf aussieht. Es ist unverschämt dem Brexbachtalbahn e.V. zu unterstellen, der Entwicklung Bendorfs, der Lebensqualität in Bendorf sowie dem Bendorfer Bürger schaden zu wollen - aber wenn Rat und Stadtverwaltung der Stadt Bendorf nicht proaktiv tätig werden, sondern dem ehrenamtlich tätigen Verein nur Knüppel zwischen die Beine werfen, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn dann für Bendorf „nur“ die zweitbeste Lösung realisiert wird.

5. Die Brexbachtalbahn könnte bei der Bewerbung Bendorfs für die LAGA als umweltfreundliche Verbindung der Veranstaltungsorte Kulturpark Sayn und Industriepark

Bendorfer Hafen durch zwei zu schaffende Haltepunkte in der Langfuhr und am Heinzenweg helfen; Erfolgreiche Beispiele sind die Seilbahn zur Festung und das Schiff für die Fahrt zum Geysir auf dem Namedyer Werth. Für den Bahnhaltepunkt Bendorf der Rheinstrecke ist es bis zur LAGA zu spät, für die Einbindung der Brexbachtalbahn als Zubringer von Neuwied und dem ICE-Halt Montabaur zur LAGA und umweltfreundliches Transportmittel innerhalb der LAGA nicht.

6. Die Brexbachtalbahn wäre eine attraktive (und preiswerte) Möglichkeit für den Transport des Holzeinschlages aus dem Bendorfer Wald - je geringer die Transportkosten umso höher die Erlöse Bendorfs aus dem Holzverkauf.

7. Die Brexbachtalbahn hat bei ihrem Bau viel Geld gekostet, läßt sie sich wirtschaftlich betreiben, wird das Vermögen des Steuerzahlers volkswirtschaftlich sinnvoll genutzt und steht nicht ungenutzt in der Landschaft.

Fahren Sie doch mal mit dem Zug nach Linz und weiter mit der Kasbachtalbahn (betrieben von der Eifelbahn Verkehrsgesellschaft mbH des Herrn Seyffert) auf die Höhe nach Kalenborn - verbinden Sie die Fahrt mit einer zünftigen Wanderung oder einer Radtour. Erleben Sie dort den seit 22 Jahren bestehenden touristischen Verkehr, den sich der Verein Brexbachtalbahn für die Bahnstrecke im Brexbachtal wünscht.

1989 rollte übrigens lediglich der letzte planmäßige Personenzug durch Bendorf - 3 Städte Wandertage und touristische Verkehre gab es viele Jahre länger. Wie passt es eigentlich zusammen, dass die Strecke durchs Brexbachtal Bestandteil des Trassensicherungsvertrages zwischen DB und dem Land RLP mit einem positiven Nutzen-Kosten-Faktor für die Reaktivierung des SPNV war, wenn angeblich gleichzeitig die künftige Befahrung durch das Land ausgeschlossen wurde? Bis auf das Verbindungsstück „Kauflandkreisel“ „B42 Kreisel“ harmonieren übrigens sämtliche aufgeführten strassenbaulichen Massnahmen mit einer Reaktivierung der Bahnlinie.

Und je nach Engagement von Stadtrat und Stadtverwaltung Bendorf könnte es eine kostengünstige Lösung für das eine kleine problematische Teilstück geben. Hat die CDU-Ratsfraktion in Bendorf keine wirklichkeitsnäheren Argumente, um gegen die Reaktivierung Stellung zu beziehen? Ist die jetzige vehemente Kommunikation kontra Brexbachtalbahn und das Bauprojekt Ihres Fraktionsmitglieds an eben dieser Bahnstrecke nur Koinzidenz? Gibt es außer dem Schreckgespenst Bahnlärm am Hellenpfad andere, nicht angeführte Gründe für diese Pressemitteilung? Wenn Sie sich wirklich um die Lärmbelastung in der Bendorfer Innenstadt sorgen würden, schritten Sie gegen überlaute Quads, Motorräder und sonstige veränderte KfZ ein, die in der Innenstadt weit mehr Lärm verursachen, als die Brexbachtalbahn jemals machen wird. Auch die Sorge um den Erhalt des Zustands des Brexbachtals scheint mir vorgeschoben - denn die Wiederinbetriebnahme wird dem Tal ebensowenig schaden wie über 100 Jahre Bahnbetrieb (nicht) geschadet haben.

Peter Birkenhauer, Bendorf

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