Stadtrat Rheinbach diskutiert über Lüftungsanlagen
Gesundheit der Kinder sollte wichtiger sein als die Kosten für die Stadt
Verwaltung soll zunächst bei den Schulen und Kindergärten nachfragen, welche Räume überhaupt dafür infrage kommen
Rheinbach. Der Einsatz von HEPA-Luftfiltern in den Rheinbacher Schulklassen und Kindertagesstätten notwendig? Diese Frage diskutierte der Rheinbacher Stadtrat auf Antrag der FDP in seiner jüngsten Sitzung. Dabei gingen die Ansichten auseinander, doch am Ende wurde die Verwaltung einstimmig damit beauftragt, in den einzelnen Schulen und Kindertagesstätten nachzufragen, welche Räume überhaupt dafür infrage kämen und dann dem Rat über das Ergebnis zu berichten. „Wir brauchen Klarheit, dass das, was wir machen, auch etwas bringt“, fasste CDU-Fraktionschef Joachim Schneider zusammen. Es sei wichtig, schnellstmöglich die Räumlichkeiten, in denen keine ausreichende Lüftung möglich sei, zu identifizieren und hierfür ein entsprechendes Lüftungskonzept zu entwickeln. So könne man die Sicherheit für die Kinder und das Lehrpersonal erhöhen und zugleich die finanzielle Belastung im Blick behalten.
Aus Sicht der FDP zu wenig
„Wir haben als Schulträger eine Verantwortung für die Bildung unserer Kinder“, begründete die FDP-Fraktionsvorsitzende Jana Rentzsch ihren Antrag. Jeder, der sich im Schulbetrieb bewege, wisse, dass die Möglichkeiten des Lüftens im Alltag begrenzt seien. Luftfilter könnten die Aerosolkonzentration in schlecht zu lüftenden Räumen merklich verringern und so effektiv zum Gesundheitsschutz beitragen. Sie fand es daher unverständlich, dass der Rat sich nur zu einer Bedarfsabfrage in den Schulen durchringen konnte und zweifelte, ob das in Schulen überhaupt nötig sei. „Das ist aus unserer Sicht zu wenig.“ Die Kosten für Installation und Wartung solcher Anlagen könnten auch mit Fördermitteln des Bundes unterstützt werden. „Die Bildung unserer Kinder sollte uns es wert sein, unsere Schulen so auszustatten, dass wir der Lage im Herbst nicht wieder nachlaufen, sondern frühzeitig dafür sorgen, dass Unterricht wieder stattfindet und wir auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet sind“, so Rentzsch.
Der Erste Beigeordnete Dr. Rafael Knauber hatte zuvor die Schwierigkeiten bei der Anschaffung und Installation stationärer Lüftungsanlagen geschildert, die sehr teuer an darüber hinaus derzeit am Markt vergriffen seien. Das Düsseldorfer Schulministerium habe ermittelt, dass 98 Prozent der Klassenräume auf althergebrachte Art durch Öffnen und Schließen der Fenster gelüftet werden könnten, so dass die Installation von zusätzlichen Lüftungsanlagen zumindest dort nicht notwendig sei. Auch Dieter Huth (UWG) sah keine Notwendigkeit, ein solch kostenintensives Projekt anzugehen, zumal bei Kindern die Infektionsrate geringer und die Verläufe leichter seien.
Keine günstige Kosten-Nutzen-Relation
Dr. Georg Wilmers (SPD) sah keine günstige Kosten-Nutzen-Relation bei der Installation von stationären Lüftungsanlagen und sprach sich ebenfalls dagegen aus. Dem entgegnete Dr. Timo Wilhelm-Buchstab (CDU), der Schutz und das gesundheitliche Wohl der Kinder sei wichtiger als die finanziellen Kosten für die Stadt und plädierte dafür, alles zu unternehmen, um Infektionen, die in den Schulen beginnen und in die Familien getragen werden könnte, so viel wie möglich zu unterbinden. „Gerade die aktuelle Entwicklung zeigt, dass vermehrt Infektionen bei Kindern und Jugendlichen mit neuen Virusvarianten auftreten und die Entwicklung im Spätjahr kaum absehbar ist“, sagte er.
Die beiden Christdemokraten Ferdinand Pfahl und Bruno Weber wiesen zudem darauf hin, dass es bereits Gespräche mit in Rheinbach ansässigen Herstellern von Lüftungssystemen gegeben habe, die ihre Unterstützung signalisiert hätten. Zudem gebe es ein Förderprogramm des Landes zur Installation von mobilen Luftreinigungsanlagen für Räume mit unzureichender Lüftungsmöglichkeit. Darin würden Maßnahmen bis zu einer Höhe von 4000 Euro pro Gerät gefördert. Pfahl bot sogar an, den kompletten Gewinn, den er aus seinem privaten Covid-Testzentrum erziele, für die Anschaffung von Luftfiltern für die Rheinbacher Schulen zur Verfügung zu stellen.
JOST
