Politik | 06.05.2015

Rhein-Sieg-Kreis: Appell vom Veterinäramt

Hände weg von jungen Wildtieren

Kreis. Mit weichem Fell und süßen Knopfaugen sitzen sie jetzt in den Wiesen: Hasenbabys oder auch junge Rehkitze, die erst vor wenigen Tagen oder Wochen das Licht der Welt erblickt haben. Nicht selten erwecken sie dabei den Anschein, allein und völlig verlassen auf weiter Flur zu sein - für viele Menschen ein eindeutiges Indiz, dass der Wildtiernachwuchs Hilfe benötigt. Dabei handelt es sich aber in nahezu allen Fällen um eine Fehleinschätzung. „Junge Wildtiere wie Jungvögel, Junghasen, Rehkitze, Igel oder auch Jungfüchse sind in den allermeisten Fällen keineswegs verlassen oder hilflos und benötigen auch keine menschliche Hilfe. Es ist in der Natur völlig normal, dass Elterntiere ihre Jungen zur Nahrungsbeschaffung kurzzeitig allein zurücklassen oder aber bei der Annäherung von Menschen zum Eigenschutz geflüchtet sind“, erläutert Dr. Klaus Mann, Leiter der Abteilung Tiergesundheit im Kreisveterinäramt. Jungtiere bleiben dann nicht selten dicht an den Boden gedrückt bis zur Rückkehr ihrer Elterntiere liegen. Junge, oft schon weitgehend befiederte Vögel wiederum geben ihren Eltern ihre Position natürlicherweise durch lautstarkes Rufen kund. Auch diese Jungvögel brauchen keine Hilfe, sondern sind durch ihre Eltern bestens versorgt. Der leider oft spontane Entschluss zur „Rettung“ der Tiere dagegen endet für diese nicht selten mit großem Leid. Was gut gemeint ist, kann dramatische Folgen haben: „Wer solche Jungtiere aus falsch verstandener Tierliebe mit nimmt, bringt sie hierdurch möglicherweise in Lebensgefahr, setzt sie aber auf jeden Fall erheblichen Leiden und großem Stress aus. Denn fast niemand ist in der Lage, die elterliche Fürsorge und den natürlichen Lebensraum dieser Tiere angemessen zu ersetzen“, warnt Dr. Klaus Mann eindringlich. Infolge der enormen Stressbelastung durch die Gefangenschaft in fremder Umgebung und durch die Trennung von Eltern und Geschwistertieren sowie durch mangelhafte oder falsche Versorgung sterben viele dieser Tiere einen qualvollen Tod. Schon das bloße Anfassen solcher Jungtiere kann dazu führen, dass sie von ihren Eltern wegen des anhaftenden menschlichen Geruchs nicht wieder angenommen werden und dann tatsächlich auf den Menschen angewiesen sind. Und das ein Leben lang: Vom Menschen aufgezogene Wildtiere lassen sich kaum jemals erfolgreich auswildern und sind daher zeit ihres Lebens auf Versorgung angewiesen. Hilfe durch den Menschen ist nur dann gerechtfertigt, wenn junge Wildtiere offensichtlich verletzt aufgefunden werden. „Handeln Sie in solchen Fällen aber bitte keinesfalls spontan, sondern holen Sie sich immer fachkundiger Rat ein. Tipps zum richtigen Verhalten erhalten Sie z.B. beim Veterinäramt, dem nächstgelegenen Tierarzt, dem Jagdpächter oder dem Forstamt“, empfiehlt Dr. Klaus Mann und appelliert: „Bei unverletzt aufgefundenen Jungtieren aber gilt zu deren Schutz: Hände weg und möglichst zügig weitergehen, damit die Elterntiere sich schnell wieder um die Versorgung ihrer Schützlinge kümmern können.“

Pressemitteilung

Rhein-Sieg-Kreis

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