Ahrtal-Werke: Fernwärmeanschluss könnte für Bürger verpflichtend werden
Handwerker fühlen sich übergangen
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ergebnisse letzte Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sorgten bei Frank Wershofen, Obermeister der SHK- Innung, für Stirnrunzeln. Der Inhalt des Zusammentreffens: Zukünftige Hausbauer sollen verpflichtend an das Fernwärmenetz der Ahrtal-Werke angeschlossen werden. Das gelte ebenso, wenn der Eigentümer eine bereits bestehende Heizung erneuert. Rechtlich gesehen ist diese Verpflichtung zulässig, das regelt die Gemeindeordnung des Landes Rheinland-Pfalz. Die Gründe zu diesem Schritt seien aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar, auch für Wershofen. Denn Bürgermeister Guido Orthen brachte hier die Umweltverträglichkeit von Fernwärme in die Diskussion ein. Dass die Heizmethode umweltfreundlich ist, stellt der Obermeister nicht in Frage.
Keine „Schrauber vom Dienst“
Wershofen sieht hier dennoch eine massive Benachteiligung der Handwerksbranche. „Wenn in jedem Haus ein Fernwärmeanschluss liegt, laufen die Handwerker Gefahr, zu bloßen „Schraubern vom Dienst“ degradiert zu werden“, befürchtet er. So blieben Aufträge aus und dies hätte schließlich Auswirkungen auf die Kassen der Betriebe. Wershofen vermutet dadurch eine konkrete Gefährdung von Arbeitsplätzen. Auch den Kunden sieht er übergangen. Schließlich habe jeder Hausbesitzer andere finanzielle Möglichkeiten und Ansprüche an seine Heizungsanlage. Auswahlmöglichkeiten seien schlicht nicht mehr vorhanden, und das sei „nichts anderes als ein Monopol und das Gegenteil von freier Marktwirtschaft.“ So sei der Kunde praktisch „gefangen“, wie Wershofen betont. Fair sei das nicht, denn der Verbraucher habe auch in finanzieller Hinsicht keine Auswahlmöglichkeiten. Etwa 14 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland werden mit Fernwärme versorgt. Obwohl Fernwärme in der Regel als Nebenprodukt der Stromerzeugung anfällt, liegt der Fernwärmepreis für private Verbraucher teils deutlich über den Preisen für Heizöl, Erdgas und Holzpellets. „Der Bezug von Fernwärme koste zehn Cent pro Kilowattstunde, bei Gas liegen wir bei sechs Cent, bei einer Pelletheizung sind es nur 4,5 Cent“, erläutert der Obermeister die preislichen Unterschiede. „Unser aller Ziel sollte es doch sein, Energie einzusparen. Wenn ich als Hausbesitzer unabhängig vom Verbrauch einen hohen Grundbetrag für Nahwärme zahlen muss, dann habe ich doch in der Regel kein Interesse daran, mein Haus energiesparender zu gestalten. Das ist kontraproduktiv,“ fügt er hinzu. Und: „Wir haben nichts gegen Fernwärme, nur etwas gegen den Zwang, sich anschließen zu müssen.“
Sorgen bei den Schornsteinfegern
Auch Jürgen Vier, Schornsteinfegermeister in Bad Neuenahr-Ahrweiler, meldet Bedenken an. Vier teilt sich mit zwei anderen Kollegen die Betreuung der Haushalte in der Kreisstadt. Nun befürchtet er eine eine schlechte Zukunftsperspektive für die Ausübung seines Berufes. „Pro Jahr werden in der Stadt rund 100 Heizungen getauscht,“ weiß Vier. „Wenn die Haushalte nun alle auf Fernwärme umsteigen müssen, gibt es nach und nach weniger Betätigungsfelder für uns“. Der Schornsteinfegermeister hält eine Umrüstung in manchen bestehenden Gebäuden durch die baulichen Voraussetzungen sowieso für extrem schwierig.
Für Frank Wershofen kam die Beratschlagung im Ausschuss übereilt. „Es wäre schön gewesen, wenn man zuvor mit den Handwerkern gesprochen hätte“, sagt er. Gemachte Sache ist die Verpflichtung an das Fernwärmenetz jedoch nicht. Denn der Haupt- und Finanzausschuss kann nur Empfehlungen aussprechen. Eine endgültige Entscheidung wird der Stadtrat fällen. ROB
