Politik | 15.12.2020

Ahrtal-Werke: Fernwärmeanschluss könnte für Bürger verpflichtend werden

Handwerker fühlen sich übergangen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ergebnisse letzte Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sorgten bei Frank Wershofen, Obermeister der SHK- Innung, für Stirnrunzeln. Der Inhalt des Zusammentreffens: Zukünftige Hausbauer sollen verpflichtend an das Fernwärmenetz der Ahrtal-Werke angeschlossen werden. Das gelte ebenso, wenn der Eigentümer eine bereits bestehende Heizung erneuert. Rechtlich gesehen ist diese Verpflichtung zulässig, das regelt die Gemeindeordnung des Landes Rheinland-Pfalz. Die Gründe zu diesem Schritt seien aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar, auch für Wershofen. Denn Bürgermeister Guido Orthen brachte hier die Umweltverträglichkeit von Fernwärme in die Diskussion ein. Dass die Heizmethode umweltfreundlich ist, stellt der Obermeister nicht in Frage.

Keine „Schrauber vom Dienst“

Wershofen sieht hier dennoch eine massive Benachteiligung der Handwerksbranche. „Wenn in jedem Haus ein Fernwärmeanschluss liegt, laufen die Handwerker Gefahr, zu bloßen „Schraubern vom Dienst“ degradiert zu werden“, befürchtet er. So blieben Aufträge aus und dies hätte schließlich Auswirkungen auf die Kassen der Betriebe. Wershofen vermutet dadurch eine konkrete Gefährdung von Arbeitsplätzen. Auch den Kunden sieht er übergangen. Schließlich habe jeder Hausbesitzer andere finanzielle Möglichkeiten und Ansprüche an seine Heizungsanlage. Auswahlmöglichkeiten seien schlicht nicht mehr vorhanden, und das sei „nichts anderes als ein Monopol und das Gegenteil von freier Marktwirtschaft.“ So sei der Kunde praktisch „gefangen“, wie Wershofen betont. Fair sei das nicht, denn der Verbraucher habe auch in finanzieller Hinsicht keine Auswahlmöglichkeiten. Etwa 14 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland werden mit Fernwärme versorgt. Obwohl Fernwärme in der Regel als Nebenprodukt der Stromerzeugung anfällt, liegt der Fernwärmepreis für private Verbraucher teils deutlich über den Preisen für Heizöl, Erdgas und Holzpellets. „Der Bezug von Fernwärme koste zehn Cent pro Kilowattstunde, bei Gas liegen wir bei sechs Cent, bei einer Pelletheizung sind es nur 4,5 Cent“, erläutert der Obermeister die preislichen Unterschiede. „Unser aller Ziel sollte es doch sein, Energie einzusparen. Wenn ich als Hausbesitzer unabhängig vom Verbrauch einen hohen Grundbetrag für Nahwärme zahlen muss, dann habe ich doch in der Regel kein Interesse daran, mein Haus energiesparender zu gestalten. Das ist kontraproduktiv,“ fügt er hinzu. Und: „Wir haben nichts gegen Fernwärme, nur etwas gegen den Zwang, sich anschließen zu müssen.“

Sorgen bei den Schornsteinfegern

Auch Jürgen Vier, Schornsteinfegermeister in Bad Neuenahr-Ahrweiler, meldet Bedenken an. Vier teilt sich mit zwei anderen Kollegen die Betreuung der Haushalte in der Kreisstadt. Nun befürchtet er eine eine schlechte Zukunftsperspektive für die Ausübung seines Berufes. „Pro Jahr werden in der Stadt rund 100 Heizungen getauscht,“ weiß Vier. „Wenn die Haushalte nun alle auf Fernwärme umsteigen müssen, gibt es nach und nach weniger Betätigungsfelder für uns“. Der Schornsteinfegermeister hält eine Umrüstung in manchen bestehenden Gebäuden durch die baulichen Voraussetzungen sowieso für extrem schwierig.

Für Frank Wershofen kam die Beratschlagung im Ausschuss übereilt. „Es wäre schön gewesen, wenn man zuvor mit den Handwerkern gesprochen hätte“, sagt er. Gemachte Sache ist die Verpflichtung an das Fernwärmenetz jedoch nicht. Denn der Haupt- und Finanzausschuss kann nur Empfehlungen aussprechen. Eine endgültige Entscheidung wird der Stadtrat fällen. ROB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Wohnträume
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Angebotsanzeige (April)
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten -bitte beim Text vom Gartenmarkt
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Krufts Ortsbürgermeister Walter Kill legt Amt zum 30. April nieder. Foto: OG Kruft
1226

Kruft. Walter Kill hat die Niederlegung seines Amtes als Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Kruft mit Wirkung zum 30.04.2026 erklärt. Nach fast sieben Jahren in dieser Funktion zieht er eine persönliche Bilanz zwischen Aufgabenstellung und erzielten Ergebnissen sowie der inhaltlichen und zeitlichen Inanspruchnahme. Vor dem Hintergrund mehrfach erlebter Anfeindungen gegen seine Person in der Vergangenheit...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Maria Ginzler. Foto: privat
455

Die gebürtige Heimersheimerin hat sich im Kreisgebiet und darüber hinaus verdient gemacht.

Kreis Ahrweiler: Große Trauer um Maria Ginzler

Region. Nach kurzer Krankheit starb Maria Ginzler im Alter von 97 Jahren am Samstag, 11. April im Krankenhaus Mayen. Durch ihren ehrenamtlichen Einsatz hat sich die gebürtige Heimersheimerin im Kreisgebiet und darüber hinaus verdient gemacht.

Weiterlesen

Von links: Ortsvorsteher von Miesenheim, Stefan Kneib, gemeinsam mit Oberbürgermeister der Stadt Andernach, Christian Greiner.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Elline Köckritz
19

Stadt Andernach verbessert Infrastruktur für Pendlerinnen und Pendler in Kooperation mit der Deutschen Bahn

Einfach umsteigen: Neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof Miesenheim

Andernach. Die Stadt Andernach hat im Stadtteil Miesenheim eine neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof errichtet. Das Projekt wurde in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn umgesetzt und stellt einen wichtigen Baustein für die Förderung nachhaltiger Mobilität dar.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Imageanzeige
Daueranzeige 2026
Image Anzeige
Dienstleistungen
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Sachbearbeiter (m/w/d)
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Blütenfest
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Lagerverkauf
Sonderseite Geschäftsführungswechsel
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Stellenausschreibung: Betriebshof
10 Jahre Bella Vita Frauenfitness
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26