Stadt Rheinbach stellt neue Flüchtlingsunterkunft in Wormersdorf vor
Haus Herzig heißt Flüchtlinge willkommen
Bis zu 40 Flüchtlinge sollen dort untergebracht werden
Wormersdorf. „Zeigen Sie, dass Rheinbach eine offene Stadt ist und unsere Bürger den Flüchtlingen in ihrer schwierigen Situation zu Seite stehen. Ich bitte Sie alle: Sagen Sie herzlich Willkommen und unterstützen Sie den ehrenamtlichen Flüchtlingshilfekreis Wormersdorf sowie die Stadt Rheinbach dabei, den Flüchtlingen bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen.“ Bürgermeister Stefan Raetz nutzte die Gelegenheit, die etwa 150 Wormersdorfer, die zur Besichtigung der neuen Flüchtlingsunterkunft in Wormersdorf im ehemaligen „Haus Herzig“ erschienen waren, auf eine vorzeigbare Willkommenskultur einzuschwören. Zustimmendes Kopfnicken allenthalben zeigte, dass die Bitte hier auf fruchtbaren Boden gefallen war.
35 bis 40 Personen sollen künftig im „Haus Herzig“ wohnen, erläuterte Raetz. Die 14 Zimmer sind ordentlich hergerichtet, allerdings sehr spärlich möbliert. Außer einem Bett, einem Tisch mit Stühlen und einem Schrank sind die mit weißer Raufaser tapezierten Räume ziemlich leer. Auf jeder Etage gibt es immerhin eine einfache Küche und zwei einfache Bäder. Dennoch hat die Stadt 300.000 Euro für die Renovierung des seit Jahren leer stehenden Gebäudes investiert, „aber wenn man weiß, wie es hier vorher ausgesehen hat, dann ist klar, dass das Geld gut investiert ist.“
Die ersten Familien sind schon da
Schon am Samstag zogen die ersten Flüchtlinge in die neue Flüchtlingsunterkunft ein, eine siebenköpfige Familie aus dem Irak, die zuvor in einem Rheinbacher Hotel untergebracht war. Nach und nach will man das „Haus Herzig“ mit Flüchtlingen belegen, wobei der Schwerpunkt auf Familien und alleinerziehenden Müttern mit Kindern liegen werde, so Raetz. „Wir haben allerdings auch einen alleinerziehenden Vater mit Kind, den wir hier unterbringen wollen.“ Die Herkunftsländer der künftigen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft seien über fast den ganzen Erdball verteilt, und nur die wenigsten seien der deutschen Sprache mächtig. Vor Ort wird sich Hausmeister Klaus Ölke um die Ordnung im Haus und das Wohlergehen der Bewohner kümmern. „Der spricht mittlerweile sieben Sprachen, allerdings nur mit Händen und Füßen“, schmunzelte Raetz, um im gleichen Atemzug den herausragenden Einsatz des Hausmeisters für sämtliche Flüchtlingswohnheime der Stadt Rheinbach zu loben. Das gelte auch für Amtsleiterin Barbara Steinfartz und Fachbereichsleiter Peter Feuser von der Stadtverwaltung. Gebührender Dank galt Geschäftsführer Winfried Arentz vom Bettenstudio Arentz in Rheinbach, der die Hälfte der 60 benötigten Matratzen für das Flüchtlingswohnheim in Wormersdorf gespendet und für die andere Hälfte lediglich den Einkaufspreis berechnet habe. „Auch das ist ein Zeichen dafür, dass es in Rheinbach eine ganz besondere Willkommenskultur gibt.“
Vereine wollen Angebote machen
Das zeige sich auch in Wormersdorf, wo sich schon vor einem halben Jahr ein Flüchtlingshelferkreis gebildet habe, der unter der Leitung von Hans Hermann Paape informell agiert. Die derzeit zwei Dutzend Mitgliedern hätten schon jede Menge Vorarbeiten geleistet habe, um den Flüchtlingen vom ersten Tag an helfen zu können. An dem Abend erklärten eine ganze Reihe von weiteren Wormersdorfern spontan ihre Bereitschaft, mitzumachen. Auch die örtlichen Vereine wollen mit diversen Angeboten für die Flüchtlinge und deren Kinder dafür sorgen, dass es ihnen gut in Wormersdorf geht. „Wir haben uns ein halbes Jahr warm gelaufen, und heute beginnt die heiße Phase unserer Aktivitäten“, bestätigte Paape. Die Aktivitäten sollen in Koordination mit der Stadtverwaltung erfolgen, um alles in geregelten Bahnen zu halten. Das habe sich auch in der Cannstatt bewährt, wo die Ökumenische Flüchtlingshilfe schon seit Längerem überaus aktiv ist. Auch in Wormersdorf soll nach Möglichkeit ein Flüchtlingscafé als Anlaufstelle entstehen, bürokratieerfahrene Wormersdorfer sollen Patenschaften für die Flüchtlingsfamilien übernehmen, um ihnen bei der Bewältigung der Bürokratie und des Alltags in Deutschland unter die Arme zu greifen. Raetz appellierte an alle Besucher, sich dem Flüchtlingshilfekreis anzuschließen und ebenfalls einen Beitrag zu einer gelungenen Integration zu leisten. Wobei er auch wusste: „Es wird auch Enttäuschungen und Ausreißer geben, denn wenn so viele zum Teil traumatisiert Menschen auf engem Raum zusammenleben müssen, sind Spannungen fast unausweichlich. Wir werden aber versuchen, die Sache so gut wie möglich im Griff zu behalten.“
Flüchtlingsstrom steigt auch in der Glasstadt
Dabei nehme der Flüchtlingsstrom auch in der Glasstadt stetig zu. Im vergangenen Jahr habe Rheinbach um diese Zeit 90 Flüchtlinge beherbergt, heute seien es bereits mehr als 250, und jede Woche kämen bis zu 20 neue Personen hinzu. „Das ist eine Herausforderung, die nur sehr schwer zu stemmen ist und sehr viel Kreativität erfordert. Dennoch werden wir nicht umhin können, weiteren Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen“, sagte er voraus. Unter anderem wolle man einen Spielplatz in der Rheinbacher Nordstadt teilweise als Flüchtlingsunterkunft umwidmen, der Stadtrat und seine Ausschüsse beschäftigten sich derzeit mit dem Thema. Aber Raetz wusste auch: „Rheinbach ist eine Stadt, die eine Willkommenskultur entwickelt hat und in der die Bürger nach wie vor alles tun, was geht.“ Allerdings forderte er größere Anstrengung von Land, Bund und Europäischer Union, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Kommunen sobald wie möglich dauerhaft entlastet würden. Sonst komme auch eine Stadt wie Rheinbach irgendwann an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Dazu gehöre auch, die Asylanträge schneller zu bearbeiten.
Wohnungen für anerkannte Asylbewerber dringend gesucht
Es gebe noch ein weiteres Problem, bei dem die Rheinbacher Bevölkerung helfen könne, ergänzte Fachbereichsleiter Peter Feuser. Mittlerweile betreue die Stadt nämlich ein gutes Dutzend Flüchtlinge, deren Asylverfahren positiv abgeschlossen sei und die eigentlich mit ihrer Anerkennung verpflichtet wären, aus den Flüchtlingsunterkünften auszuziehen und sich auf dem freien Wohnungsmarkt eine Bleibe zu suchen. Doch leider gebe es nur sehr wenige Vermieter, die bereit seien, einem solchen anerkannten Asylbewerber eine Wohnung zur Verfügung zu stellen, die selbstverständlich von der Stadt ganz normal bezahlt werde. Bei Familien sei das weniger ein Problem, aber insbesondere junge, alleinstehende Männer hätten es sehr schwer, auch nur ein Zimmer zu finden. Deshalb appellierte Feuser an alle Vermieter von passenden Wohnungen, sich bei der Stadtverwaltung zu melden und ihre Mietobjekte anzubieten. Dann könnten auch die Kapazitäten in den Flüchtlingsunterkünften wieder erhöht werden.
