Lesermeinung zum Artikel „Am seidenen Faden...“ Ausgabe 19/2014 Blick aktuell
"Hebammen werden versichert - aber zu einem hohen Preis"
Es ist erschreckend zu sehen, wie schlecht es um die freiberuflichen Hebammen steht. Dass gerade ein so wichtiger Berufsstand um seine Existenz fürchten muss ist mehr als bedauerlich. Ohne den unermüdlichen Einsatz der freiberuflichen Hebammen wird es keine Vor- und Nachsorge mehr geben, keine Beleghebammen und keine außerklinischen Geburten. Das heißt wir verlieren kompetente Ansprechpartnerinnen zum Themen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett neben den GynäkologInnen. Keine Nachsorgehebammen bedeutet unter anderem, dass jede junge Mutter in den ersten Wochen nach der Geburt mit ihrem Neugeborenen ganz alleine zuhause zurecht kommen muss. Keiner kontrolliert die Rückbildung der Gebärmutter oder steht den Wöchnerinnen mit Rat und Tat beim Stillen zur Seite.
Keiner schaut, ob sich das Neugeborene gut in unsere Welt einfindet. Ohne freiberuflichen Hebammen wird es keine Hausgeburten und Geburtshäuser mehr geben. Die Wahlfreiheit für den Geburtsort eines Kindes fällt somit weg.
Ich selber durfte bei meinen zwei Schwangerschaften und Geburten erleben wie toll es ist, mit Hebammen zusammen zu arbeiten, mit wie viel Hingabe sie ihren Beruf ausüben. Die Vorsorgeuntersuchungen fanden im Wechsel mit einer Gynäkologin statt, wobei die Termine bei den Hebammen immer etwas besonderes waren: Immer haben sie sich viel Zeit für mich genommen und jede meiner Fragen verständlich und einfühlsam beantwortet. Nicht einmal musste ich in einem Wartezimmer warten! Auch während meiner beiden Hausgeburten waren meine Hebammen dabei. Ich musste nicht überlegen, wann der richtige Zeitpunkt für die Fahrt ins Krankenhaus gekommen ist, da meine Hebammen zu mir nach Hause kamen. Sie atmeten mit mir während der Wehen und sprachen mir Mut zu. Somit wurden die Geburten meiner beiden Söhne zu einem unvergesslichen Ereignis, in einem sehr positiven Sinn. Ob ich noch weitere Kinder möchte? Sehr gerne! Aber ohne meine Hebammen? Nein! In Deutschland wird immer wieder von Geburtenrückgang gesprochen. Der Wegfall der freiberuflichen Hebammen würde dieses meiner Meinung nach noch weiter begünstigen. Also bitte ich alle Frauen, Schwangere sowie bereits Mütter, Omas, Tanten, Cousinen Schwestern, etc.: Wehrt euch, damit auch eure Töchter und Enkelinnen eine Zukunft mit Hebammen haben. Helfen wir den Frauen, die uns in unseren „schwersten Stunden“ helfen.
Hintergründe und Informationen zu Protestaktionen finden sich unter: www.hebammenunterstuetzung.de . Eine Online-Petition unter: www.change.org/de/Petitionen/lieber-herr-gröhe-retten-sie-unsere-hebammen
Laura-Eileen Schmitt, Rheinbach
