Leserbrief zum Thema „Viele Orte leiden unter Motorrad- undAutorasern“
Heiligt der Tourismus alle Mittel?
Die beleidigenden Äußerungen über Lärm durch Motorradfahrer aus einem früheren Artikel, unterzeichnet von einem Dr. Klaus Werner, habe ich einfach belächelt und ignoriert. Nachdem aber jetzt sogar der Ortsbürgermeister von Dernau einen ganzseitigen Artikel zur Verunglimpfung der Biker verfasst, kann ich nicht umhin, mich auch einmal zu äußern.
Um 6 Uhr morgens zieht der Spritzhubschrauber lärmend und großflächig Spritzmittel versprühend seine Runden. Ab 7 Uhr bewegen die Winzer ihre zum Teil 50 Jahre alten extrem stinkenden und knatternden Uralt-Traktoren im Minutentakt bei mir vorbei. Kürzeste Wegstrecken werden von den Winzern und Gastronomen mit dem Auto zurückgelegt.
Die teils übereifrigen Winzer versprühen in voller Schutzmontur ihre Pestizide großflächig auch in der Nähe von angrenzenden Wohnhäusern. Beim Herannahen von Spritztraktoren flüchtende Wanderer und Radfahrer habe ich schon häufiger beobachten können.
Als krönender Abschluss des Tages sind dann die bis 3 Uhr nachts laut grölenden angetrunkenen Kneipenbesucher zu nennen. Von Winzerfesten sowie sonstigen Veranstaltungen und Aktivitäten ganz zu schweigen. Alle diese genannten Faktoren sind aber scheinbar weder Lärm noch stellen sie eine gesundheitliche Beeinträchtigung dar. Alles, was dem Profit der Winzer und Gastronomen nützt, ist uneingeschränkt erlaubt und zu tolerieren. Dies verwundert nicht, wenn man weiß, dass sich in fast allen Ortsgemeinden an der Ahr die Gemeinderäte überwiegend aus Winzern und Gastwirten zusammensetzen. Nur Motorengeräusche von Zweirädern sind nach deren Auffassung Krach. Der Grund ist offensichtlich: Mit Motorradfahrern lässt sich kein Geld verdienen, da sie nur maximal zwei Cola oder ein Eis verzehren und nicht nach einer erfolgreichen Weinprobe mit mehreren Kartons Wein im Kofferraum ihres Pkw die Heimreise antreten. Polizeikontrollen wären bestimmt häufig von Erfolg gekrönt.
Der Sound eines Motorrads ist für mich ein Klangerlebnis und nicht zu vergleichen mit den extrem gesundheitsgefährdenden, sogar krebserregenden Abgasen der Uralt-Traktoren. Deshalb fordere ich umgehend die Einführung einer verpflichtenden Abgasuntersuchung für Traktoren, ähnlich wie sie bei Pkw seit Jahren Pflicht ist.
Dem Verfasser des Artikels empfehle ich einmal eine Fahrt hinter einem dieser oben genannten Ruß-Trecker. Dann bestehen nur zwei Möglichkeiten: Überholen oder krebserregende Dieselabgase einatmen und zu Hause sofort einen Termin beim Lungenarzt vereinbaren.
Von einem Ortsbürgermeister einer so großen Gemeinde hätte ich ein wenig mehr Sachkenntnis und Toleranz erwartet. Selbst meiner nicht Motorrad fahrenden Mutter hat dieser Artikel über Motorradlärm missfallen. Somit ist sie scheinbar mit ihren fast 80 Jahren wesentlich jünger im Geiste als der Ortsbürgermeister von Dernau. Auch wenn die Biker im Ahrtal keine Lobby haben, werde ich mein schönes Hobby „Motorradfahren“ weiterhin mit Freude ausüben.
Joachim Lüpke, Rech
