Politik | 11.05.2016

Überflutung in Werthhoven

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht

Dr.-Ing. Martin Gedik stellte dem Verwaltungsrat der Gemeindewerke mögliche Maßnahmen zur Lösung vor – Bürgerversammlung in Werthhoven geplant -

Werthhoven. 2010 hatte sich der Verwaltungsrat der Wachtberger Gemeindewerke schon einmal mit der Frage beschäftigt, wie man die Überflutungsrisiken in der Ortslage von Werthhoven verringern könne. Damals hatte man noch keine Lösung gefunden, doch auf der Datenbasis hatte sich Dr.-Ing. Martin Kedig noch einmal mit der Angelegenheit beschäftigt und dabei die Erkenntnisse mit einfließen lassen, die er bei der Untersuchung von Adendorf im vergangenen Jahr ermittelt hatte. Er hatte den Auftrag bekommen, herauszufinden, ob der Ort ausreichend gegen Überschwemmungen durch starke Regenfälle geschützt ist und ob es Schwachstellen in der öffentlichen und privaten Infrastruktur gibt.

Die ersten Ergebnisse stellte Kedig dem Verwaltungsrat in seiner jüngsten Sitzung vor. Dabei stellte er zuvor klar: „Technische Maßnahmen können keine 100-prozentige Sicherheit geben.“ Man könne aber das Risiko von Überflutungen durchaus reduzieren, indem man geeignete Maßnahmen angehe. Grundsätzlich seien die Abwasserkanäle für ein 20-jähriges Ereignis ausgelegt mit einem gewissen Sicherheitspuffer, doch wenn ein stärkerer Regenguss fällt, werde der Kanal überlastet. Dann könne das Wasser aus den Gullideckeln austreten und die Straße und die angrenzenden Grundstücke überfluten. Das sei auch schon passiert, was anhand von Einsätzen der Feuerwehr bei Kellerüberflutungen nachgewiesen sei.

Mehrere Schwerpunkte ausgemacht

Zwei Schwerpunkte hatte er dabei ausgemacht: die Straße „Nussbäumchen“ und das „Rheintal“, aber auch die „Fuchskaul“ sei betroffen, wobei sich dort die Lage durch einige Maßnahmen entspannt werden, die den vergangenen fünf Jahren angegangen worden sei.

Ein weiteres Gefahrenpotenzial seien abfließende Regenmassen von außen, die in den Ort hineinfließen. „Auch das ist ein Thema in Werthhoven“, wusste Keding. In dem Fall seien meist die Ahrtalstraße, Im Tal und Zum Rheintal betroffen. Diese Situation könne man nur entschärfen, wenn alle Grundstückseigentümer die notwendigen Maßnahmen ergriffen, beispielsweise durch den Einbau von Rückstausicherungen. Und wenn man das Wasser nicht vor dem Ort zurückhalten könne, müsse man eben versuchen, die Straßen im Dorf als „Notwasserwege“ zu nutzen: Darüber könne Wasser, das nicht von der Kanalisation aufgenommen werden könne, kontrolliert in Gewässer, freie Kanäle oder Gräben abgeleitet werden.

Gräben und Bäche in ein neues Bett zwingen

An der Ahrtalstraße in Höhe „Auf dem Driesch“ schlug Kedig außerdem einen Einlauf für das Abwasser in das verrohrte Gewässer vor. Dadurch könne eine Entlassung des unterhalb liegenden „Fließweges“ erreicht werden. In dem Gebiet Im Tal/Zum Rheintal/Birresdorfer Straße könne wegen der dichten Bebauung nur eine Verbesserung erreicht werden, wenn man die Gräben und Bäche in ein neues Bett zwingen. Hierzu sei der Zufluss oberhalb der Bebauung durch einen Fanggraben zu fassen und über einen Kanal abzuleiten. Mitte des vergangenen Jahrhunderts seien einige der heutigen Wachtberger Orte von Gräben umgeben gewesen, wusste der Erste Beigeordnete Jörg Ostermann. Diese hätten das Wasser auch aufgefangen, doch dann seien diese Vorflutgräben wohl aus Sorglosigkeit überbaut worden, und das rechtmäßig „mit dem Stempel des Kreises“. Deshalb müssten nun womöglich neue geschaffen werden.

Nach Ansicht des Gutachters könnten die vorgeschlagenen Maßnahmen die bestehenden Überflutungsrisiken erheblich verringern. Auch Ostermann war überzeugt: „Das ist ein großer Schritt hin zu mehr Planungssicherheit.“ Die Ergebnisse des Gutachtens sollen außerdem den Werthhovenern noch in einer Bürgerversammlung vorgestellt werden, so Volker Strehl, Vorstand der Gemeindewerke. In Adendorf habe man damit bereits gute Erfahrungen gemacht.

Im kommenden Jahr soll begonnen werden

Allerdings machte Strehl den Verwaltungsrat schon jetzt darauf aufmerksam, dass diese Maßnahmen wohl einen relativ hohen Finanzbedarf erforderten. Allerdings hätten sich die Summen der vorgestellten Maßnahmen gegenüber dem, was man zunächst befürchtet hatte, doch etwas verringert. Deshalb würden derzeit die voraussichtlichen Investitionskosten neu errechnet. Finanziert werde das Ganze über die Kanalbenutzungsgebühren, mit der Umsetzung soll bereits im kommenden Jahr begonnen werden, wenn alles problemlos läuft. JOST

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