Politik | 21.03.2017

Berufliche Integration und Ausbildung von Geflüchteten

IHK Koblenz zieht gemeinsam mit Partnern Bilanz

David Langer, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Ulrike Mohrs, Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, Peter Hahn, Geschäftsführer des Jobcenters Westerwald, Astrid Baumgarten, Mitglied der Schulleitung an der Julius-Wegeler-Schule Koblenz, und Dr. Holger Bentz, Flüchtlingskoordinator der IHK Koblenz.

Koblenz. Wie steht es um die berufliche Integration von Flüchtlingen im nördlichen Rheinland-Pfalz? Diese Frage haben Vertreter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend gemeinsam mit Akteuren aus Politik und Wirtschaft, Vertretern der Arbeitsagenturen sowie Geflüchteten erörtert. Die Teilnehmer zogen insgesamt eine positive Bilanz – waren sich jedoch auch einig, dass der Prozess, Geflüchtete in Beschäftigung zu bringen, weiterhin Handlungsbedarf birgt.

„Schutzbedürftige, die bei uns bleiben werden, brauchen Perspektiven. Eine erfolgreiche Integration in Ausbildung und Beschäftigung ist dabei von überragender Bedeutung - und kann mittel- und langfristig einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten“, betonte IHK-Vizepräsident Jens Geimer. „Die IHK-Ausbildungsunternehmen stehen der Beschäftigung von Geflüchteten weiterhin sehr offen gegenüber. Allerdings stoßen die Betriebe bei ihrem Engagement auf zahlreiche Hürden, beispielsweise lange, bürokratische Asylverfahren und fehlende Qualifikationen seitens der Bewerber.“

Sprache als Barriere

Mit rund 300 Flüchtlingen hatte die IHK Koblenz im vergangenen Jahr zusammengearbeitet, um sie in Kontakt mit Unternehmen zu bringen, ihre Kompetenzen zu bewerten und sie zu beraten. Zeitgleich entwickelte die IHK Seminare für ihre Mitgliedsbetriebe, in denen sich Unternehmensvertreter Know-how für die betriebliche Integration von Flüchtlingen aneignen konnten. „Nach wie vor gilt: Die größte Barriere bei der Integration von Geflüchteten sind mangelnde Sprachkenntnisse“, erklärte Geimer. „Hier ist die Politik am Zug: Geflüchtete und Betriebe müssen noch konsequenter als bisher bei der Vermittlung von Sprachkompetenzen unterstützt werden. Auch im Bereich der Berufsorientierung für Flüchtlinge besteht dringender Handlungsbedarf.“

Eine große Herausforderung

„Die Integration von zu uns geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt stellt uns alle vor große Herausforderungen. Rückblickend können wir sagen, dass wir in den letzten Jahren schon vieles in die richtigen Bahnen lenken und erfolgreiche Initiativen umsetzen konnten. Dennoch stehen wir hier erst am Anfang“, betonte Arbeitsstaatssekretär David Langner. „Dank der außerordentlichen Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben wir die notwendigen Rahmenbedingungen, organisatorische Strukturen und regionale Netzwerke geschaffen, auf die wir nun bauen können. Auch die Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz sowie die Unternehmen in unserem Land haben für sich die Herausforderung von Anfang an angenommen und Verantwortung übernommen. Nur damit kann die Arbeitsmarktintegration langfristig erfolgreich sein.“

Auf die hohe Bedeutung eines gut funktionierenden Netzwerkes wies Ulrike Mohrs hin, die die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland mit ihren Arbeitsagenturen und Jobcentern im Land repräsentierte. „Sprache ist der Schlüssel für die Integration. Wichtig ist aber auch, dass nach der Teilnahme an Integrations- und Sprachkursen ein nahtloser Übergang in die Arbeitsvermittlung und die arbeitsmarktpolitischen Förderketten möglich ist – und dafür müssen alle an diesem Prozess Beteiligten eng und unkompliziert zusammenarbeiten.“ In der Region gelinge es bereits sehr gut, die Kompetenzen von Flüchtlingen zu erfassen und das individuelle Ziel festzulegen. „Danach müssen wir den Weg dorthin Schritt für Schritt gemeinsam gehen. Denn Integration braucht neben dem guten Miteinander vor allem einen langen Atem.“

Die IHK Koblenz engagiert sich bereits seit anderthalb Jahren verstärkt für die berufliche Integration von Flüchtlingen. Zu diesem Ziel hat die IHK-Vollversammlung einen Fonds über 200.000 Euro eingerichtet und zwei Stellen für Qualifikationsberater für Geflüchtete geschaffen. Bis dato konnten die IHK-Mitarbeiter rund 350 Beratungsgespräche führen. 2016 wurde durch die neuen Kollegen 25 Praktika, 27 Einstiegsqualifizierungen und fünf Ausbildungen vermittelt. Bundesweit aktiv ist die IHK-Organisation mit dem „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“, das Unternehmen für die Thematik sensibilisiert, die damit verbundenen Herausforderungen gesellschaftsrelevant diskutiert und den Austausch der Betriebe fördert.

Auf der Grundlage der bisher gesammelten Erfahrungen setzt die Industrie- und Handelskammer Koblenz ihr Engagement in diesem Jahr fort. „Auch 2017 treibt die IHK Koblenz die berufliche Integration von berufswilligen und berufsfähigen Geflüchteten weiter voran und verzichtet dabei bewusst auf quersubventionierte Stellen“, so Geimer. Strategischer Handlungsrahmen ist und bleibt dabei das Konzept der Chancengarantie, das die IHKs in Rheinland-Pfalz bereits Ende 2015 gemeinsam mit der Landesregierung, den Arbeitsagenturen, den Handwerk5skammern und den Jobcentern erarbeitet hatten. „Nur durch klare Verantwortlichkeiten, durchdachte Prozessschritte und fähige Mitarbeiter kann dieses Thema, das unsere Gesellschaft auch weiterhin prägen wird, schrittweise erfolgreich angegangen werden“, betonte Geimer.

Pressemitteilung der IHK Koblenz

David Langer, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Ulrike Mohrs, Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, Peter Hahn, Geschäftsführer des Jobcenters Westerwald, Astrid Baumgarten, Mitglied der Schulleitung an der Julius-Wegeler-Schule Koblenz, und Dr. Holger Bentz, Flüchtlingskoordinator der IHK Koblenz.Foto:

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