Jahresrückblick Bürgermeister Holger Jung
„Ich hoffe, dass Meckenheim und all seine Bürger gut durch den Winter kommen“
Das Jahr 2020 sei geprägt durch die Corona-Pandemie und habe auch der Stadtverwaltung zu manches abverlangt - Auf der anderen Seite habe man vorher nicht vermutete Potenziale erkannt
Meckenheim. Zwar ist Holger Jung erst seit Anfang November der neue Bürgermeister der Stadt Meckenheim, dennoch kann der Christdemokrat einen umfassenden Rückblick auf das Jahr in der Rosenstadt wagen. Schließlich war er zuvor schon sieben Jahre lang Erster Beigeordneter und damit mitverantwortlich für die bisherige Entwicklung der Stadt.
Seit seiner Amtsübernahme ist allerdings ein wichtiger Posten in der Stadtverwaltung vakant, nämlich die des Ersten Beigeordneten. Am 1. Mai 2013 hatte Jung diese Stelle angetreten, nachdem er zuvor bei der Stadt Königswinter als Dezernent beschäftigt war. Mittlerweile war die Stelle des Ersten Beigeordneten wieder ausgeschrieben, nach Ende der Bewerbungsfrist gibt es eine zweistellige Anzahl von Interessenten. Die werden sich zunächst im neuen Jahr dem Hauptausschuss persönlich vorstellen, bevor dann in der ersten Ratssitzung Ende Januar der neue allgemeine Stellvertreter von Bürgermeister Jung gewählt werden soll. Da komme es auf die Kündigungsfrist des erfolgreichen Bewerbers an, wann die Stelle wieder tatsächlich besetzt werde, so der Volljurist.
Umfangreiche Neuorganisation der Stadtverwaltung
Die Gelegenheit will er zugleich für eine umfangreiche Neuorganisation der Stadtverwaltung nutzen, wobei die Aufteilung der Dezernate auch von den Fähigkeiten und Wünschen des künftigen Ersten Beigeordneten abhänge. Das Dezernat des Technischen Beigeordneten Heinz-Peter Witt werde dabei aller Voraussicht nach nicht angetastet. Neu geschaffen werden soll hingegen ein Hauptamt, das es in der Meckenheimer Stadtverwaltung bislang nicht gibt. Die dazugehörige Stelle des Hauptamtsleiters werde demnächst ausgeschrieben. Schon zum 1. Januar wird die bisherige Pressesprecherin der Stadt Meckenheim, Marion Lübbehüsen, als Büroleiterin die Verwaltung als „rechte Hand des Bürgermeisters“ koordinieren sowie Verwaltungsvorstand, Rat und Ausschüsse betreuen.
Nach wie vor schwierig sei es, die offenen Stellen in der Stadtverwaltung zu besetzen, bedauert Jung. Die größeren Städte in der Umgebung böten eine bessere Bezahlung sowie attraktivere Aufstiegsmöglichkeiten, und auch in der freien Wirtschaft werde oft besser verdient. Deshalb wolle man künftig stärker als bisher Fachpersonal selbst ausbilden. Im kommenden Jahr sollen deshalb erneut fünf Nachwuchskräfte ihre Ausbildung zu Verwaltungsfachangestellten oder als Bachelor bei der Stadt beginnen. Erfreulich seien auch die Erfahrungen mit den angebotenen Schülerpraktika für die Schüler der Meckenheimer Schulen, zumal man ohnehin stark mit dem nahegelegenen Schulcampus verbunden sei. Denn wenn ein Bewerber aus der Stadt selbst komme, sei das für beide Seiten von besonderem Vorteil, „denn die jungen Leute wollen etwas für die Stadt tun, in der sie leben“, weiß Jung.
Schaffen von Wohnraum ist wichtiges Thema
Weil jungen Familien aber auch geeigneten Wohnraum benötigen, sei das Schaffen von Wohnraum eines der wichtigsten Themen in den kommenden Jahren, glaubt Jung. Dabei sei man schon auf einem guten Wege, obwohl kreisweit rund 30.000 Wohnungen fehlten und die Preise für gebrauchte Immobilien und Baugrundstücke geradezu explodierten. Erfreulicherweise werde das Baugebiet „Am Viethenkreuz“ im Ortsteil Altendorf-Ersdorf Anfang kommenden Jahres in die Vermarktung gehen. Im großen Baugebiet „Merler Keil III“ gehe es planerisch ebenfalls voran, dort soll „Wohnen für Jedermann“ verwirklicht werden. Dafür seien verschiedene Angebote vorgesehen, vom Einfamilienhaus bis zu öffentlich gefördertem Wohnraum mit gedeckelten Mieten. Im Baugebiet „Weinberger Gärten“ wolle man zudem eine Quote von 20 Prozent öffentlich geförderten Wohnraums verwirklichen. Aber auch die innerstädtische Verdichtung werde er im Blick behalten, versprach der Bürgermeister.
Am Thema „Corona“ komme man bei einem Rückblick auf das Jahr 2020 natürlich überhaupt nicht vorbei, stellte Jung fest. Seit Aschermittwoch sei das gesellschaftliche Leben praktisch abgeschnitten, was sich auch stark im Wahlkampf bemerkbar gemacht habe. Auch für die Stadtverwaltung sei das eine Herausforderung, denn praktisch über Nacht habe man einen Krisenstab einrichten müssen, um alle erforderlichen Maßnahmen koordinieren, umsetzen und deren Einhaltung überwachen zu können. „Wir mussten und müssen jeden Tag nachsteuern in Sachen Coronaschutzverordnung“, erklärt Jung.
Mitarbeiter im Ordnungsamt sind am Anschlag
Das sei für die Verwaltung eine Riesenbelastung, insbesondere für die Mitarbeiter im Ordnungsamt, „die sind am Anschlag.“ Die seien Tag und Nacht und auch sonntags unterwegs, selbst an den Feiertagen werde es für sie keine Pause geben. Beim Blick auf die Zahl der Überstunden „wird mir schwindelig“, gab der Bürgermeister zu. Immerhin könne die Stadt die Kosten, die ihr im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie entstünden, im Haushalt isolieren und müsse sie so bei der Haushaltsplanung nicht berücksichtigen. Immerhin habe man gelernt, wie man mit einer Krise umgehen und welche Strukturen man schaffen müsse, „und ich denke, dass wir für eine künftige Krise besser vorbereitet sind.“
Wenn man an der Pandemie überhaupt etwas Positives finden könne, dann die Erkenntnis, dass auch für Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Arbeit im Home-Office durchaus möglich sei. „Da haben wir gesehen, dass einiges geht, was vorher nie denkbar gewesen wäre.“ So gesehen habe das Virus durchaus geholfen, die vorhandenen Ressourcen besser zu erkennen. Jetzt werde man in dieser Hinsicht noch flexibler werden, kündigte Jung an; eine entsprechende Dienstverordnung sei bereits in Arbeit. Doch selbst wenn eine größere Anzahl an Mitarbeitern künftig zuhause und nicht am Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung arbeite, sei das neue Rathaus nicht zu groß dimensioniert, findet Jung. „Wir bekommen als Verwaltung immer mehr Aufgaben und sind froh, dass wir noch ein paar flexible Arbeitsplätze haben, sonst kämen wir jetzt schon an die Grenzen.“
Digitalisierung der Schulen und E-Government vorantreiben
Die Kräfte stärker bündeln möchte er für die dringend notwendige Digitalisierung der Schulen sowie das E-Government in der Stadtverwaltung. Für die Sachausstattung der Schulen in Meckenheim seien die Förderanträge bei Bund und Land bereits gestellt worden, bis zum Jahresende sollen Endgeräte für Lehrer und Schüler, die sie sich selbst nicht leisten können, ausgeliefert werden. Dazu gehöre auch, die WLAN-Ausstattung an den Schulen auf den neuesten Stand zu bringen. Dafür will man vom Rathaus aus eine Richtfunkstrecke zum Schulcampus einrichten, um die nötige Bandbreite zu erhalten. Im kommenden Jahr oder 2022 soll dann eine neue Glasfaserleitung vom Kreis verlegt werden, damit werde die komplette Versorgung des Schulcampus mit WLAN ermöglicht.
Als eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft nannte Jung, von der Bewältigung der Corona-Pandemie abgesehen, das Aufstellen eines Doppelhaushaltes im ersten Quartal, denn Meckenheim wolle wie geplant 2022 aus der Haushaltssicherung herauskommen. Glücklicherweise gehöre Meckenheim zu den Städten, die weiter wachsen, doch das erfordere auch den kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur. Eine Riesenprojekt für die gesamte Wahlperiode sei die bevorstehende Sanierung des Schulcampus, aber auch der Neubau sowie die Erweiterung bestehender Kindertagesstätten sei auf der Agenda. Der Ausblick in die Zukunft sei jedoch in der derzeitigen Situation sehr schwierig, gibt Jung zu: „Ich hoffe, dass Meckenheim und all seine Bürger gut durch den Winter kommen!“ JOST
