Politik | 11.08.2025

Mendiger Grüne fordern nachhaltigen Schutz von Natur und historischen Hohlräumen

Identität in Gefahr: Mendig und der Basaltabbau

Abbauflächen bei Mendig wachsen auf Kosten von Biotopen und Landschaft.  Foto: Grüne Mendig

Mendig. Abhängig vom über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende währenden Basaltabbau hat sich unsere Region immer wieder gewandelt und den wirtschaftlichen und politischen Umständen angepasst. So ist ein Menschenschlag entstanden, der durch harte Arbeit und viele Schicksalsschläge eine fest zementierte Mentalität entwickelt hat. Was die Menschen hier über Generationen hinweg beschäftigt hat, ist heute eine kulturelle Perle und identitätsstiftend für die Region. Das Erbe des Basaltabbaus ist einzigartig.

Mendiger Honoratioren betonen dies seit Jahrzehnten – stoisch und mit Stolz. Es wurde ein aufwendiges und kostenintensives Verfahren zur Bewerbung zum UNESCO-Welterbe auf den Weg gebracht. Doch seit einigen Jahren wird unser kulturelles Erbe mit industriellen Füßen getreten. Beidseits der A61 wachsen die Abbauflächen in rasantem Tempo weiter – tiefer, größer, staubiger, lauter und zunehmend landschafts- und biotopvernichtender.

Der seit Anfang des Jahres laufende Antrag auf Genehmigung eines Betriebsplans für die zur Mendiger Basalt gehörende Grube östlich der Brauerstraße lässt uns befürchten, dass man sich zu dicht an das bestehende Hohlraumsystem der alten Lava- und Bierkeller herangräbt und damit weitere Einbrüche im Hohlraumsystem in Kauf nimmt, einen großen Emissionsschutzwall errichtet und durch die Tiefe der Grube, das dort bereits offen stehendes Grundwasser gefährdet. Kostbares Grundwasser, welches zur Minderung der Staubbelastung überall großflächig verteilt wird und dabei diverse Betriebs- und Schmierstoffe der Abbaugeräte aufnimmt Einhausungen von Betriebsgeräten zur Verringerung von Staub- und Lärmbelastung werden schon in anderen Betriebsstätten erfolgreich eingesetzt. Wichtige Biotope der seit den 70er-Jahren aufgelassenen ehemaligen Grube Michels wurden bereits in den letzten Jahren stillschweigend zerstört. Aus einem wunderschönen, in die alte Grube gewachsenen Wald wurde eine staubige und felsige Abbaulandschaft.

In einer Sitzung des Hauptausschusses der Stadt Mendig im Februar 2025 wurde der Antrag auf Änderung des Hauptbetriebsplans erstmalig zur Beratung vorgelegt. In dieser Erweiterung des Hauptbetriebsplans geht es um die Erweiterung und Modifikation der Abbaufläche. Der Ortsverband Grüne Mendig hatte seine Hausaufgaben gemacht und konnte durch eine Stellungnahme einen Ortstermin bei der Mendiger Basalt durchsetzen, damit sich die Mitglieder des Stadtrates vor Ort in der Tagebaugrube einen Eindruck über die Ausmaße des Abbaus, der vorgenommenen Rodung und des zu erwartenden Impacts des Erdwalls machen können. Dieses Statement wurde von allen Fraktionen im Hauptausschuss wohlwollend begrüßt. Allerdings wurde das Statement und die öffentliche Beratung zum Antrag der Mendiger Basalt welcher auch ca. 15 Mendiger Bürgern beiwohnten nicht einmal in der Niederschrift der Hauptausschusssitzung aufgenommen. Fragen und Anmerkungen der Bürger zur Sachlage wurden durch den Bürgermeister nicht zugelassen, woraufhin die Bürger die Sitzung unter Protest geschlossen verlassen haben.

Während des Ortstermins bei der Mendiger Basalt vereitelte Verbandsbürgermeister Jörg Lempertz den Besuch der Grube mit der Begründung, dass ja noch kein Plan zur Errichtung des Erdwalls vorliege und man sich aus Gründen der Zeitersparnis den Besuch besser später einrichte. Die Bürgerinitiative „Lebensqualität Mendig“ wurde von der Mendiger Basalt zu diesem Ortstermin überraschenderweise nicht zugelassen. Durch eine weitere Initiative der Mendiger Grünen konnte dieser Ortstermin – noch vor der Vorlage des Plans für das Erdwallbauwerk – ein paar Wochen später durch den Ältestenrat des Stadtrats Mendig nachgeholt werden. Hier versicherte die Holcim (Mendiger Basalt), dass räumliche Grenzen zum alten Hohlraumsystem so festgelegt würden, dass es zu keiner Gefährdung kommt. Dies mussten wir anzweifeln, da uns bis dahin kein entsprechendes Fachgutachten vorlag. An neuralgischer Stelle ist der Abstand zum teilweise eingebrochenen Hohlraumsystem so gering, dass weitere Schädigungen des kulturhistorisch und in Sachen Artenschutz wichtigen Teilsystems nicht auszuschließen sind.

Zur Errichtung des Erdwalls wurde seit Ende 2024 ein Pionierwald am Grubenrand gerodet. Bisher konnte für diese Rodung keine Genehmigung vorgelegt werden. Unsere Anfrage an die obere Naturschutzbehörde (SGD Nord), ob eine Genehmigung zur Rodung vorliegt, wurde an das Amt für Bergbau und Geologie weitergeleitet, aber bisher nicht beantwortet. Seitens der Holcim (Mendiger Basalt) wurde diese Rodung mit „dumm gelaufen“ begründet! Fakten schaffen scheint hier die Devise zu sein.

Mittlerweile liegt der Plan für den Erdwall und ein Gutachten zur Standsicherheit der angrenzenden historischen Hohlräume vor. Ab jetzt sind uns in Sachen Transparenz die Hände gebunden. Bürgermeister Achim Grün und die demokratisch gewählte Mehrheit der CDU-Fraktion im Stadtrat – in Zusammenarbeit mit der Mendiger Verwaltung und deren leitenden Führungskräften – verhindert mal wieder (siehe auch Linde Obermendig) die transparente und öffentliche Diskussion der Sachlage. Unsererseits ist die Beschaffung weiterer Unterlagen und die rechtliche Prüfung bereits in Arbeit.

Uns ist bewusst, welche Auswirkungen der industrielle Abbau von Basaltlava in und um Mendig mittlerweile angenommen hat. Wir fühlen uns verpflichtet, die Eingriffe in Lebensräume, Natur und Landschaft so gut es geht – und mit allen willigen und kompetenten Partnern auf nationaler und europäischer Ebene so schonend als möglich für Mensch und Natur zu gestalten. Existierende Strukturen eines nicht mehr zeitgemäßen Bergbaurechts, halbherzige, dehnbare gesetzliche Strukturen der Naturschutzgesetzgebung und mangelnde Transparenz schaffen hier Hürden, die vage Vermutungen zur eigentlichen Motivation der beteiligten Behörden und Verwaltungen aufkommen lassen.

Regionale Identität und Lebensqualität wird nicht durch geschicktes Marketing oder durch Zerstörung von Fauna, Flora und Landschaft geschaffen. Um Identität zur Region und zur unmittelbaren Umwelt zu erleben und zu fühlen bedarf es Schutz und Erhaltung, die weit über die touristische Nutzung hinausgehen.

Pressemitteilung

Ortsverband Grüne Mendig

Abbauflächen bei Mendig wachsen auf Kosten von Biotopen und Landschaft. Foto: Grüne Mendig

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