Politik | 17.05.2021

Leserbrief zum Artikel von Petra Schneider (CDU) in Blick aktuell 19/2021

Identitätsstiftende Quellenstadt?

Die Landtagsabgeordnete Petra Schneider möchte sich für die Römer-Thermen einsetzen. Die hierzu platzierte Presseveröffentlichung kommt dann auch mit einigen, aus meiner Sicht recht "steilen" Thesen daher.

So wird behauptet, Breisig hätte mit den Römer-Thermen und dem Thermalwasser ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Mir fallen da spontan die Ahr-Thermen in Bad Neuenahr, die Emser-Therme in Bad Ems oder die Kristall-Rheinpark Therme in Bad Hönningen ein. Aber vielleicht war ja nur der Name der Therme gemeint, dann stimmt es wirklich, eine Römer-Therme kann derzeit keine Stadt in Rheinland-Pfalz aufbieten. Der Bopparder Stadtrat war vor Jahren so weise, die dortigen Römerthermen wegen der Kosten nicht zu realisieren bzw. weiterzuführen. Weiterhin sollen die Thermen ein wichtiger touristischer Dreh- und Angelpunkt sein. Als Beweis werden die vielen Besucher von weit her bzw. aus NRW ins Feld geführt. Faktisch besuchen diese aber nur die Thermen und tragen ansonsten kaum zu einer touristischen Wertschöpfung bei. So war es jedenfalls schon vor Jahren in einem Gutachten zu lesen, dessen Ergebnisse bis heute niemand wahrhaben will. Dass Veranstaltungen wie das Brunnenfest von dem Status des Kur- und Heilbades leben, darf ebenfalls bezweifelt werden. Die Menschen kommen wegen des Festes selbst und denen ist es völlig egal, ob Breisig die Römer-Thermen hat oder ein Heilbad ist. Um es spitz zu formulieren: Hauptsache Unterhaltung, Essen und ein kühles Bier. Dann wird festgestellt, der Beiname „Quellenstadt“ würde Identität schaffen. Ernsthaft? Wie sieht es denn mit Breisig und seinen Quellen aus? Früher konnten sich die Gäste noch aussuchen, in welchem Quellwasser sie baden und welches sie trinken wollten.

Manch einer wird sich auch noch an die Mineralwasserfabrik „Bronni“ gegenüber dem Bahnhof erinnern. Alles Vergangenheit. Von der „Quellenstadt“ ist somit nur noch eine hohle Phrase für Touristen geblieben. Identität mit der Stadt schaffen die Quellen längst nicht mehr. Gegen Ende des Artikels kommt das unvermeidliche Argument der Arbeitsplätze ins Spiel. Ja, die Thermen bieten Arbeitsplätze in Breisig, aber um welchen Preis? Ohne Subventionierung durch den Steuerzahler gäbe es keinen einzigen davon. Und ohne den Nachweis, dass die Subventionierung an dieser Stelle woanders mindestens kostendeckende Einnahmen generiert, sind diese Arbeitsplätze für die Stadt nur eine Belastung.

Dass Stadt und Therme emotional eng miteinander verflochten wären, ist dann leider auch nur eine weitere inhaltsleere Floskel. Die Thermen sind aus meiner Sicht nichts anderes als ein Lieblingsspielzeug entscheidender Akteure der Stadt. Aber vielleicht war die Aussage ja anderes gemeint: Wer sich über die Steuergeldverschwendung bei den Römer-Thermen aufregt, ist ja auch in gewisser Weise emotional mit ihnen verbunden. Ob die Mehrheit der Einwohner von Breisig auf diese Art der Verbundenheit so viel Wert legt, wage ich aber zu bezweifeln.

Michael Daum, Bad Breisig

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2025
Nacht der Vulkane
2+1 Aktion
150 Jahre Zeitungstradition
150 Jahre Zeitungsgeschichte
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0010#
Empfohlene Artikel
Flaschen, Plastikverpackungen, Einweggeschirr: Am Ufer des Sees türmt sich gerade nach Wochenenden der Müll.  Foto: Gabi Becker
950

Mit großer Besorgnis beobachte ich die zunehmende Verschmutzung am Laacher See. Besonders nach den Wochenenden bleiben nach Partys häufig Flaschen, Plastikverpackungen, Einweggeschirr und anderer Müll am Ufer, entlang der Wege und sogar mitten im Wald zurück. Dieses rücksichtslose und antisoziale Verhalten schadet der Natur und der Tierwelt gleichermaßen und beeinträchtigt die Erholung aller Besucherinnen und Besucher.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Mitarbeiterinnen der AWO Kleiderkammer wünschen einen schönen Sommer und eine gute Erholung
33

AWO Remagen Sommerpause 2026

AWO Kleiderkammer Remagen macht Sommerpause

Remagen. Die Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Remagen macht in diesem Jahr wieder Sommerpause: Vom 20. Juli bis einschließlich 9. August 2026 bleibt die Einrichtung geschlossen. Ab dem 10. August 2026 ist die Kleiderkammer dann wieder wie gewohnt zu den bekannten Öffnungszeiten für alle Kundinnen und Kunden erreichbar.

Von Christian Reuther aus Remagen

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: ROB
410

Passanten hielten die Puppe für eine Leiche

12.07.: Bad Breisig: Puppe im Rhein löst Polizeieinsatz aus

Bad Breisig. Am Sonntagvormittag, 12.07.2026, machten Passanten im Bereich eines Schiffsanlegers am Rheinufer in Bad Breisig eine verdächtige Beobachtung. Sie vermuteten eine menschliche Leiche, da der Körper dem äußeren Anschein nach in einem Stoffsack auf dem Wasser trieb und die Füße nach oben heraus ragten.

Weiterlesen