Leserbrief zum Artikel von Petra Schneider (CDU) in Blick aktuell 19/2021
Identitätsstiftende Quellenstadt?
Die Landtagsabgeordnete Petra Schneider möchte sich für die Römer-Thermen einsetzen. Die hierzu platzierte Presseveröffentlichung kommt dann auch mit einigen, aus meiner Sicht recht "steilen" Thesen daher.
So wird behauptet, Breisig hätte mit den Römer-Thermen und dem Thermalwasser ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Mir fallen da spontan die Ahr-Thermen in Bad Neuenahr, die Emser-Therme in Bad Ems oder die Kristall-Rheinpark Therme in Bad Hönningen ein. Aber vielleicht war ja nur der Name der Therme gemeint, dann stimmt es wirklich, eine Römer-Therme kann derzeit keine Stadt in Rheinland-Pfalz aufbieten. Der Bopparder Stadtrat war vor Jahren so weise, die dortigen Römerthermen wegen der Kosten nicht zu realisieren bzw. weiterzuführen. Weiterhin sollen die Thermen ein wichtiger touristischer Dreh- und Angelpunkt sein. Als Beweis werden die vielen Besucher von weit her bzw. aus NRW ins Feld geführt. Faktisch besuchen diese aber nur die Thermen und tragen ansonsten kaum zu einer touristischen Wertschöpfung bei. So war es jedenfalls schon vor Jahren in einem Gutachten zu lesen, dessen Ergebnisse bis heute niemand wahrhaben will. Dass Veranstaltungen wie das Brunnenfest von dem Status des Kur- und Heilbades leben, darf ebenfalls bezweifelt werden. Die Menschen kommen wegen des Festes selbst und denen ist es völlig egal, ob Breisig die Römer-Thermen hat oder ein Heilbad ist. Um es spitz zu formulieren: Hauptsache Unterhaltung, Essen und ein kühles Bier. Dann wird festgestellt, der Beiname „Quellenstadt“ würde Identität schaffen. Ernsthaft? Wie sieht es denn mit Breisig und seinen Quellen aus? Früher konnten sich die Gäste noch aussuchen, in welchem Quellwasser sie baden und welches sie trinken wollten.
Manch einer wird sich auch noch an die Mineralwasserfabrik „Bronni“ gegenüber dem Bahnhof erinnern. Alles Vergangenheit. Von der „Quellenstadt“ ist somit nur noch eine hohle Phrase für Touristen geblieben. Identität mit der Stadt schaffen die Quellen längst nicht mehr. Gegen Ende des Artikels kommt das unvermeidliche Argument der Arbeitsplätze ins Spiel. Ja, die Thermen bieten Arbeitsplätze in Breisig, aber um welchen Preis? Ohne Subventionierung durch den Steuerzahler gäbe es keinen einzigen davon. Und ohne den Nachweis, dass die Subventionierung an dieser Stelle woanders mindestens kostendeckende Einnahmen generiert, sind diese Arbeitsplätze für die Stadt nur eine Belastung.
Dass Stadt und Therme emotional eng miteinander verflochten wären, ist dann leider auch nur eine weitere inhaltsleere Floskel. Die Thermen sind aus meiner Sicht nichts anderes als ein Lieblingsspielzeug entscheidender Akteure der Stadt. Aber vielleicht war die Aussage ja anderes gemeint: Wer sich über die Steuergeldverschwendung bei den Römer-Thermen aufregt, ist ja auch in gewisser Weise emotional mit ihnen verbunden. Ob die Mehrheit der Einwohner von Breisig auf diese Art der Verbundenheit so viel Wert legt, wage ich aber zu bezweifeln.
Michael Daum, Bad Breisig
