Bendorfs Bürgermeister Christoph Mohr stellte dem Stadtrat ein umfassendes Energiesparkonzept vor
In den Amtsstuben wird es bald kälter
Bei jüngster Sitzung stritt Gremium um 85.000 Euro für ein Spielplatz- und Freizeitflächen-Konzept
Bendorf. Wegen 85.000 Euro für Kinderspielplätze sowie Freizeitflächen für Jugendliche und Erwachsene gab es bei jüngsten Bendorfer Stadtratssitzung große Diskussionen. Das Geld wird für das Planungsbüro „Stadtberatung Dr. Sven Fries“ aus Speyer gebraucht, damit ein fundiertes Spiel- und Freiraumkonzept erstellt werden kann. Bürgermeister Christoph Mohr erklärte dazu: „Wir haben einen großen Sanierungsstau auf den Spielplätzen. Ein Konzept aufzustellen konnte 2021 von uns wegen Fachkräftemangel nicht umgesetzt werden. Im Schlosspark und im Stadtpark mussten wegen sicherheitsrelevanter Mängel Spielgeräte abgebaut werden. Wir brauchen eine große Lösung in die Freizeitflächen für Erwachsene und Jugendliche mit eingebunden sind.“
Mohr bedauerte, dass das einzige Angebot für ein Konzept: „...deutlich über unseren Vorstellungen liegt. 85.000 Euro ist ein großer Batzen.“ Den will die CDU-Ratsfraktion nicht ausgeben: „Das können wir doch selber. Am Schluss sind es 135.000 Euro, mit denen wir zwei Spielplätze sanieren können.“
Die anderen Fraktionen konterten: „Wir brauchen einen Fachmann, einige Spielgeräte aus Metall sind bei der Hitze nicht nutzbar, wir haben uns geärgert, dass die Spielplatzgeschichte jahrelang dauert, bei Freizeitstätten für alle Altersklassen brauchen wir einen Fachmann und es macht keinen Spaß 85.000 Euro auszugeben, aber wir haben keine Power um diese Leistungen zu vollbringen.“
Schließlich wurde die Auftragsvergabe mit 17 Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen von CDU-Ratsmitgliedern einstimmig beschlossen. So analysiert das Planungsbüro bis Ende des Jahres, wo für Spielplätze mehr wo weniger Interesse besteht. Das Gesamtkonzept ist dann Mitte 2023 fertig.
Ferner beschloss der Stadtrat den Bendorfer Wochenmarkt, den es an jedem Freitag gibt, im September zu beenden, jedoch mit einem Hintertürchen. Das Gremium war sich einig, dass für den Wochenmarkt die notwendigen Verwaltungsausgaben von 33.000 Euro gestrichen werden. Hintergrund ist, dass der Wochenmarkt seit zwei Jahren schrumpft, derzeit manchmal gar nicht stattfindet oder mit nur einem Händler und ganz wenigen Kunden. Alle Ratsmitglieder und auch die Verwaltung sprachen sich jedoch für die Beibehaltung des Wochenmarktes aus. Dafür wollen sie private Betreiber wie Gruppen, Vereine oder beispielsweise die Werbegemeinschaft finden.
Laut Bürgermeister Mohr müsse man zur Lösung der Parkmisere in Alt-Sayn die „eierlegende Wollmilchsau“ finden. Jedoch stimmte der Rat einem kleinen Bonbon für die 36 Anwohner zu. Für sie gibt es kostenpflichtige Jahresausweise, damit auf gebührenpflichtigen Plätzen unbegrenzt geparkt werden kann. Das heißt aber nicht, dass mit dem Ausweis ein Anspruch auf einen Parkplatz besteht. Mehr ist laut Verwaltung nicht machbar, da es auch für Touristen und Besucher in Alt-Sayn viele Parkplätze geben muss.
Der Parkausweis ist an viele Bedingungen geknüpft, die die Verwaltung vor Ort vorstellen soll, meinten einige Ratsmitglieder. Wie schwierig das Anwohnerparken ist, stellte sich bei der Einwohnerfragestunde am Ende der Sitzung heraus. Da ging es u.a. ums Parken für Pflegedienste sowie be- und entladen und blockierte Garageneinfahrten.
Bewohnerparkplätze rund um die Uhr werden eingerichtet in der Brunnengasse, Abteistraße (Abschnitt Brunnengasse bis Brexstraße), Brexstraße (Brunnengasse bis Abteistraße) und von 18 bis 9 Uhr auf dem Parkplatz vor der Feuerwehr. Die übrigen Parkplätze innerhalb des Quartiers „Alt-Sayn“ stehen weiterhin der Allgemeinheit zur Verfügung.
Der Stadtrat stimmte auch zwei Förderanträgen zu. Dem Modellvorhaben „Innenstadt Impulse“, wo es bis zu 280.000 Euro geben könnte und „Energiemanagement“ bei dem u.a. eine Vollzeitstelle mit bis zu 90 Prozent bezuschusst werden kann.
Apropos Energie: Dieses Thema nahm einen großen Teil der Unterrichtungsvorlagen durch die Verwaltung ein. So wird es im Winter in städtischen Immobilien kälter, da Gas und Strom gespart werden muss. Für Hallen werden vier Ölheizgebläse angeschafft, in öffentlichen Gebäuden (u.a. VHS, Rathaus, St. Medard) würde die Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad sechs Prozent Energie sparen.
„Es wird geprüft, wie mit Beginn der Heizperiode die Anlagen in städtischen Gebäuden, Schul- und Kultureinrichtungen auf das absolut erforderliche Mindestmaß zurückgefahren werden können. Schließung und Nichtbeheizung der Verwaltungsgebäude zwischen Weihnachten und Neujahr sowie hydraulischer Abgleich für die Heizungen“, heißt es in der Vorlage. Dann geht es noch um Photovoltaik und Strom sparen durch umrüsten auf LED-Lampen und den Kauf von Elektroautos.
Viel Arbeit gemacht haben sich die Mitglieder der Haushaltsstrukturkommission mit Erhard Günter (CDU) Stellvertreter Joachim Boos; Manfred Bauer (SPD) Stellvertreter Dominik Pretz; Günther Bomm (FDP) Stellvertreter Herbert Speyerer; Thomas Beckgerd (Bündnis 90/Die Grünen) Stellvertreter Ferhat Yalcinkaya und Eva-Maria Heuser (WUM) Stellvertreter Karl-Heinz Buggenthien.
Sie präsentierten ein Werk mit ganz vielen Einsparvorschlägen, u.a. Ende des Wochenmarkts, wobei eine Schließung des Freibads Sayn und eine Reduzierung des Angebots abgelehnt wurde. HEP