Rheinbacher Ausschuss für Stadtentwicklung beschäftigte sich mit Verkehrsberuhigung
In der Neugartenstraße und der Brahmsstraße soll das Tempo gedrosselt werden
Kein Bedarf in der Schubertstraße – Ortseingang von Merzbach wird ebenfalls als Gefahrenpunkt gesehen
Rheinbach. Gleich mehrere Anträge auf Einrichtung verkehrsberuhigender Maßnahmen behandelte der Rheinbacher Ausschuss für Stadtentwicklung: Umwelt, Planung und Verkehr in seiner jüngsten Sitzung, allerdings mit unterschiedlichen Ergebnissen.
In der Neugartenstraße, in der Tempo 30 gilt, soll künftig alternierendes Parken eingerichtet werden, denn nach dem Eindruck der Bürger halte sich dort so gut wie niemand an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung. Außerdem sollen zwei „Tempo 30“-Piktogramme aufgebracht und zudem an den Einmündungen „Haifischzähne“ zur Verdeutlichung der Vorfahrtsregelung „rechts vor links“ aufgemalt werden. Der Ausschuss hatte im April schon einmal die Sache beraten und damals beschlossen, zunächst die Unfallstatistik bei der Polizei abzufragen und zudem verdeckte Geschwindigkeitsmessungen durchzuführen.
Die Unfallstatistik der Polizei sei unauffällig, so Fachbereichsleiterin Susanne Pauk, zwischen 2011 und 2016 ereigneten sich lediglich zwei meldepflichtigen Verkehrsunfälle mit leicht verletzten Personen. Ein Unfallschwerpunkt liege nicht vor.
Breiter Ausbau lädt zum Schnellfahren ein
Nicht akzeptabel sei allerdings das Ergebnis der verdeckten Geschwindigkeitsmessung, denn der „V-85-Wert“, an den sich 85 Prozent der Autofahrer halten, betrage 49 Stundenkilometer. Dies sei unter Berücksichtigung der besonderen Verkehrssituation und der erheblichen Frequentierung durch alle Arten von Verkehrsteilnehmern – besonders in den Stunden zu Schulbeginn und Schulende – ein Gefährdungspotenzial. Grund dafür sei der breite und gerade Ausbau der Neugartenstraße, der zum Schnellfahren praktisch einlade.
Deshalb soll zur Verkehrsberuhigung sowie zur Verbesserung der Parksituation alternierendes Parken ermöglicht werden, wofür 14 Parkplätze markiert werden sollen. Die Markierung der Parkplätze soll vorerst als Probephase und zur Prüfung der Praxistauglichkeit für einen Zeitraum von zwei Monaten in gelber Farbe erfolgen. In dieser Zeit sollen erneute Geschwindigkeitsmessungen veranlasst werden. Wenn es sich bewährt, will man das alternierende Parken zu einer dauerhaften Einrichtung machen. Ute Krupp (SPD) stellte aber noch einmal klar: „Wenn sich alle an die Regeln halten würden, müssten wir nicht dauernd solche Diskussionen führen.“
Anwohner sind unzufrieden mit der Verkehrssituation
Auch die Anwohner der Schubertstraße und der Brahmsstraße sind unzufrieden mit der Verkehrssituation, denn auch hier werde viel zu schnell gefahren, heißt es in einem Bürgerantrag. Doch für die Schubertstraße sah der Ausschuss keine Notwendigkeit, weitere Maßnahmen zu veranlassen. Schließlich gelte dort schon Tempo 30, und die zuletzt durchgeführte verdeckte Geschwindigkeitsmessung habe einen V-85-Wert von 42 Stundenkilometern ergeben, was unter Beachtung der Straßenausgestaltung gut vertretbar sei.
Wegen der weithin zu übersehenen Straße und den meist als Hochbord ausgeführten Gehwegen liege auch keine besondere Gefährdungssituation für Fußgänger vor, ebenso sei das Unfallgeschehen nach Auskunft der Polizei unauffällig. Wenn überhaupt, dann könne man nur mit Schwellen oder Engpässen zu einer weiteren Verkehrsberuhigung kommen, was der Ausschuss aber unter anderem wegen der damit verbundenen Lärmentwicklung ablehnte. Vielleicht solle man für die Zukunft die Auflösung des Parkstreifens und das Einführen alternierenden Parkens auf der Fahrbahn ins Auge fassen, regte ein Mitglied der dortigen Bürgerinitiative an.
Handlungsbedarf in der Brahmsstraße
Anders in der Brahmsstraße, wo zusätzliche verkehrsberuhigende Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Hier betrage der V-85-Wert nämlich schon 51 Stundenkilometer, zudem habe man eine vergleichsweise hohe Anzahl an Fahrzeugen ermittelt, die die Brahmsstraße mit Geschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometer befahren. Dies sei dort auch aufgrund der Eigenschaft als Schulweg nicht vertretbar und stelle eine latente Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer dar, so Pauk. Hier gebe es also Handlungsbedarf, wobei aufgrund der vorhandenen seitlichen Parkstreifen die Einrichtung von alternierendem Parken nicht zu verwirklichen sei.
Deshalb soll zwischen der Schubertstraße und der Einmündung Lisztweg eine Fahrbahnerhöhung mit Schwellensteinen wie in der Straße „Kleine Heeg“ errichtet werden.
Auch hier sei zu erwarten, dass sich die Geräuschkulisse dadurch erhöhe, was aber im Hinblick auf die notwendige Verkehrssicherung zurückstehen müsse. Zwischen den Einmündungen Breslauer Straße und Dederichsgraben werde zusätzlich ein „Tempo 30“-Piktogramm aufgebracht und die stark verblassten „Haifischzähne“ an den Einmündungen erneuert.
Tempolimit am Ortseingang von Merzbach abwarten
Am Ortseingang von Merzbach werde ebenfalls zu schnell gefahren, hatte Ortsvorsteher Karl-Heinz Kerstholt (SPD) bemängelt und angeregt, am Beginn der Schlebacher Straße Pflanzkübel in beiden Fahrtrichtungen aufzustellen. Zudem sollen im Rahmen der Ausbauplanung der Schlebacher Straße – voraussichtlich 2021 – dauerhafte Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung eingeplant werden. Bislang führen die Fahrzeuge aus Richtung Rheinbach mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in die Tempo-30-Zone ein und gefährdeten so besonders aufgrund des fehlenden Gehweges Fußgänger und insbesondere Kinder.
Tatsächlich hatte man bei einer verdeckten Geschwindigkeitsmessung festgestellt, dass dort der V-85-Wert bei 52 Stundenkilometern liege, für eine Straße in einer Tempo-30-Zone absolut nicht akzeptabel.
Grund dafür sei aber auch, dass bislang vor dem Ortseingang eine Geschwindigkeitsbegrenzung fehlte. Hier habe man kurzfristig durch Aufstellen der entsprechenden Schilder „Tempo 50“ angeordnet. Grundsätzlich war der Ausschuss dazu bereit, auch hier verkehrsberuhigende Maßnahmen durchzuführen, beauftragte die Verwaltung allerdings, eine erneute Geschwindigkeitsmessung nach Einführung der „Tempo 50“-Begrenzung durchzuführen, denn die habe möglicherweise doch deutliche Auswirkungen auf die Fahrweise der Autofahrer. Nach Vorliegen der Ergebnisse wolle man erneut über das Thema beraten.
JOST
