Eines der Kernprojekte der Landesgartenschau nimmt Formen an
Inklusionsprojekt „Bethel Hotel Zum Weinberg“ soll im Herbst 2021 eröffnen
Von Bodelschwinghschen Stiftungen (Bethel) wollen 6,7 Millionen Euro investieren – Hotel mit 72 Zimmern und 138 Betten entsteht auf dem Gelände des Max-Meier-Parks – Arbeitsplätze für acht Behinderte und zwölf Nichtbehinderte
Bad Neuenahr. Eine der Kernprojekte in der Bewerbung der Kreisstadt für die Landesgartenschau 2022 war die Etablierung eines Inklusionshotels. „Heute können wir dankbar feststellen, dass das Hotel auch verwirklicht wird“, freute sich Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen (CDU) bei der Vorstellung der Vorplanung im Rathaus. Kurz zuvor hatte er den Erbpachtvertrag des städtischen Grundstücks unterschrieben, gemeinsam mit Pastor Ulrich Pohl, dem Vorstandsvorsitzenden der von Bodelschwinghschen Stiftungen (Bethel). Der Erbpachtvertrag sichert der Stiftung als Investor und Betreiber für zunächst 30 Jahre die Nutzungsrechte für das Grundstück, diese können zweimal um je zehn Jahre verlängert werden. Schon im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden, sodass im Herbst 2021 das „Bethel Hotel zum Weinberg“ pünktlich zur Landesgartenschau 2022 eröffnet werden könnte. Die Stadt fördere die Pläne für das neue Hotel ausdrücklich, so Orthen, und unterstütze das Projekt in der Aufbauphase auch organisatorisch.
Viergeschossiges Hotel im hinteren Bereich des Parks
Im Rahmen der Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes in Bad Neuenahr hatten sich die von Bodelschwinghschen Stiftungen mit einem Wettbewerbsbeitrag zu einem Inklusionshotel beteiligt und letztlich den Zuschlag erhalten. Das Hotel soll in direkter Nähe des Bahnhofs in den bestehenden Max-Meier-Park integriert werden, der dadurch zum großen Teil überbaut wird. „Auf einer Fläche, die bislang unter ihren Möglichkeiten blieb, entsteht ein ganz neues Entree in die Stadt“, erklärte die Architektin Nicole Berghaus vom Architektur- und Ingenieurbüro Berghaus und Michalowicz GmbH, die die Vorplanungen vorstellte. Demnach werde das viergeschossige Hotel von den knapp 4600 Quadratmetern Gesamtfläche gut 2700 Quadratmeter im hinteren Bereich, zur Bahnlinie gelegen, einnehmen. Im vorderen Bereich, zur Hauptstraße hin, wird ein 1300 Quadratmeter großer Park neu angelegt. Die Baumreihe an der Straße werde dabei bewusst erhalten, die Architektur öffne sich zum Park hin. Insgesamt soll 30 Stellplätze mit eigener Zufahrt entstehen.
Im „Bethel Hotel Zum Weinberg“ sollen acht Vollzeit-Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen entstehen. Etwa ein Dutzend weitere Vollzeit-Arbeitsplätze für Nichtbehinderte sind für den Betrieb des Hotels garni geplant. Von den 72 Zimmern mit 138 Betten soll einige behindertengerecht ausgestattet werden. Zudem werden sechs Zimmer als rollstuhlgerechte Räume eingerichtet, weitere jeweils sechs für seh- und für hörgeschädigte Menschen. In den Tagungs- und Konferenzräumen im Erdgeschoss soll eine spezielle Konferenztechnik für hörgeschädigte Menschen eingebaut werden. „Tradition und Moderne verschmelzen in der Architektur, vom verwendeten Material her lehnt es sich an das historische Bahnhofsgebäude an“, so Berghaus weiter. Das ganze Quartier werde bereichert, denn man nehme dem Park zwar Fläche, werte ihn aber deutlich auf.
Inklusionshotel wird die 71. Inklusionsfirma in Rheinland-Pfalz
„Unsere Aufgabe ist es nicht, etwas für die Hotellerie zu tun“, erklärte Uli Schmidt vom rheinland-pfälzischen Sozialministerium. „Wir wollen vielmehr mit Blick auf den Arbeitsmarkt das Problem beheben, dass Menschen mit einem Handicap immer noch nicht ausreichend beschäftigt werden.“ Die meisten Betriebe zahlten lieber die Ausgleichsabgabe, anstatt die oft hoch motivierten behinderten Menschen einzustellen. Das „Bethel Hotel Zum Weinberg“ sei dann die 71. Inklusionsfirma im Land mit dann insgesamt rund 900 Mitarbeitern.
Den Bau des Hotels und seine Vernetzung in der Region soll ein Beirat unterstützen, dem neben Orthen auch die ehemalige Deutsche Weinkönigin Julia Baltes, Spitzengastronom Hans Stefan Steinheuer, der ehemalige Chefarzt des Marienhausklinikums, Dr. Gerhard Kreuter, sowie Pfarrer Friedemann Bach von der evangelischen Kirche angehören. Zu Geschäftsführern der inzwischen gegründeten „Bethel Hotel Zum Weinberg gGmbH“ wurde Pastorin Dr. Johanna Will-Armstrong, Vorstandsmitglied von Bodelschwinghschen Stiftungen, sowie Diplom-Ingenieur Kay Andresen aus Bad Neuenahr bestellt. Andresen hatte auch die Idee, für das Projekt trieb sie lange als „One-Man-Show“ voran. Die beiden sind mit der Vorbereitung der Baumaßnahme befasst und wollen nun die Pläne möglichst bald vor Ort in die Tat umsetzen. Dafür investieren die von Bodelschwinghschen Stiftungen rund 6,7 Millionen Euro, für Einrichtung und Ausstattung wird eine weitere dreiviertel Million benötigt. Für die Maßnahme werden allerdings Zuschüsse von der „Aktion Mensch“ sowie vom Integrationsamt des Landes Rheinland-Pfalz erhofft, so Will-Armstrong.
Stiftungen sind Neulinge in der Kurstadt
Die von Bodelschwinghschen Stiftungen sind ohnehin keine Neulinge in der Kurstadt, engagieren sie sich doch bereits mit dem stationären „Hospiz im Ahrtal“. Außerdem hat Bethel in Düsseldorf ein Büro für die Entwicklung und den Aufbau von Angeboten für Menschen mit Behinderungen im gesamten Bereich der evangelischen Kirche im Rheinland eingerichtet, zu dem auch der Kreis Ahrweiler gehört. Nicht zuletzt betreibt Bethel bereits zwei weitere inklusive Hotels in Bielefeld und Berlin.
„Die von Bodelschwinghschen Stiftungen können es, denn sie kümmern sich von Anfang an Menschen mit Inklusionsbedarf“, freute sich Orthen. Das Wasser hervorragend zu der Ausrichtung der Landesgartenschau, „denn die soll nachhaltig sein und ein Bewusstsein bilden, bei dem der Menschen in seiner Ganzheitlichkeit im Mittelpunkt steht.“ Sein besonderer Dank gelte dem Initiator Kay Andresen, ohne dessen Initiative und Beharrlichkeit das Projekt wohl nie zustande gekommen wäre. Dass nun auch die von Bodelschwinghschen Stiftungen mit im Boot seien, sieht Orthen als wahren Glücksfall. Deren Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl bemerkte dazu: „Sie sind schon eine ganz besondere Gemeinde!“ Aus den Erfahrungen mit dem Hospiz habe er gleich gewusst, dass man hier mit aller Kraft hinter dem Projekt stehe.
Davon, dass das neue Inklusionshotel auch wirtschaftlich erfolgreich arbeiten könne, sind die regionalen Banken übrigens ebenso überzeugt wie ein Dehoga-Gutachten, das dem Projekt die wirtschaftliche Tragfähigkeit bestätigt. „Wir rechnen sehr zurückhaltend mit einer 51-prozentigen Auslastung und haben daher noch viel Luft nach oben“, so Andresen.
JOST
Der Max-Meier-Park in unmittelbarer Nähe zum Bad Neuenahr Bahnhof soll künftig ein neues Gesicht bekommen.
