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Nachricht schockte die Neuwieder – Bedauern bei Politik und Bürgern

Intersport Krumholz gibt das Stammhaus in Neuwied auf

07.10.2019 - 08:28

Neuwied. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Intersport Krumholz schließt Mitte nächsten Jahres sein Stammhaus in Neuwied. Die Firmengeschichte reicht bis in die 1950er Jahre zurück. Binnen weniger Stunden meldeten sich Verantwortliche aus der Politik und Oberbürgermeister Jan Einig mit großem Bedauern zu Wort. Weit über einhundert Kommentare sammelten sich bis zum Abend auf der Facebook Seite von „Du bist Neuwied, wenn ..“. Von Neuwied aus begann einst die Expansion nach Mayen, Andernach, Bad Neuenahr-Ahrweiler und Mülheim-Kärlich. In letzteren Standort soll die Neuwieder Filiale integriert werden. „Das ist für uns eine sehr schmerzliche und lange überlegte, aber mit Blick auf die Zukunft auch verantwortungsvolle Entscheidung. Die Fläche in Neuwied ist leider auf drei Etagen verteilt. Da relativiert sich die Größe, und die Möglichkeiten sind limitiert, um den Kundenerwartungen an modernen Komfort zu entsprechen“, erklärt Oliver Krumholz. Der Geschäftsführer führt aus, dass es neben der individuellen Beratung gelte, digitale Serviceleistungen und Visualisierungen vor Ort zu nutzen und in den Ladenbau zu integrieren. „Insbesondere das Ausprobieren von Sportgeräten und Produkten steht im Vordergrund. Hier brauchen wir großzügig Raum und Services, die sich klar vom digitalen Angebot im Online-Handel abheben“, so Oliver Krumholz. Auf den rund 1.100 Quadratmetern sei das in Neuwied nicht möglich. So schnell ändern sich Zeiten. „Wir wollen Mut machen, und den Standort Neuwied stärken“, ließ sich Knut Krumholz noch 2009 zitieren. Vor zehn Jahren feierte das Sporthaus die große Neueröffnung nach aufwendiger Sanierung. Das war drei Jahre nach der Eröffnung der Neuwied-Galerie. Das große Einkaufszentrum in der Heddesdorfer Straße hatte seinerzeit deutlich zur Belebung der oberen Mittelstraße beigetragen. Ob seitens der Stadtverwaltung, der Politik oder den Bürgern im Netzwerk Innenstadt: Allen Neuwiedern ist an der Attraktivierung der Neuwieder Innenstadt gelegen. Viele empfinden die Schließung von Intersport Krumholz als Rückschlag in den intensiven Bemühungen.


Ärger über vollendete Tatsachen


„Ich sehe in der Entscheidung eine katastrophale Signalwirkung für unsere Innenstadt. Die Art und Weise der Verkündung dieser Nachricht und die fehlende Information und das nicht suchen von Gesprächen mit den Verantwortlichen unserer Stadt im Vorfeld der Veröffentlichung dieser Entscheidung, halte ich für einen ausgesprochen schlechten Stil“, erklärte Martin Hahn. Der CDU Fraktionsvorsitzende im Stadtrat stellt zwar ausdrücklich klar, dass es das gute Recht von Unternehmen sei, Entscheidungen in Bezug auf eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft unabhängig und frei zu treffen. Er sei aber erschüttert, dass Intersport Krumholz den Handelnden in und für Neuwied jede Möglichkeit nimmt, Überlegungen zum Erhalt des Standorts zu unternehmen. „Ich hätte mir ein verantwortungsbewussteres Handeln des Neuwieder Familienunternehmens Krumholz auch im Umgang mit den Verantwortlichen in unserer Stadt erwartet“, bedauert Martin Hahn. Auch SPD Fraktionschef und Landtagsabgeordneter Sven Lefkowitz zeigte sich enttäuscht über die Art und Weise des Abgangs von Intersport Krumholz. Ebenfalls darüber, dass nicht allen Mitarbeiter des Neuwieder Hauses ein neuer Arbeitsplatz angeboten wird. Sven Lefkowitz fordert, dass die Verwaltung und alle Akteure nun umso intensiver an einer erfolgreichen Zukunft der Innenstadt arbeiten. Genau das hatte Oberbürgermeister Jan Einig kurz nach Bekanntwerden der Nachricht angekündigt. Der Oberbürgermeister zeigte sich ebenfalls enttäuscht und überrascht davon, „dass ein so traditionsreiches Haus Neuwied verlässt“. Neuwieds erster Bürger gab bekannt, die Aktion „Wandel im Handel“ zu starten. Einzelhändler aus der City werden mit Experten über die Zukunft sprechen. Die große Sorge aller ist, einschließlich dem Citymanagement und den Deichstadtfreunden / AktionsForum, dass sich die Abwärtsspirale in der Innenstadt beschleunigt. Im Internetforum „Du bist Neuwied, wenn“ wird vielfach der Sinn Effekt diskutiert. Bestand doch die Hoffnung aller darin, dass das neue Modehaus für einen Aufschwung in der Einkaufsstraße sorgt. Stattdessen werden Gerüchte über immer weitere Schließungen befeuert. Sicher und seitens der Unternehmensleitung bestätigt, ist bislang aber nur, dass die Parfümerie Douglas Neuwied Ende Januar verlassen wird.


Selbstkritisches Reflektieren


So groß das Bedauern der Bürger/innen über den Weggang von Intersport Krumholz, einer Neuwieder Institution, auch ist, vielfach wird selbstkritisch geäußert, dass man als Verbraucher durch das Shoppen im Internet selbst zum Niedergang der Innenstädte beiträgt. An das Einkaufsverhalten der Menschen appellieren daher die Gewerbetreibenden und das Citymanagement. Die CDU Fraktion forderte am Freitag ein Zukunftsforum „Lebendige Innenstadt 2025“ unter Beteiligung aller Akteure. Damit soll die Innenstadt belebter gemacht und um Neuansiedlungen geworben werden. Ob es gelingen wird und wie lange es dauert, eine Nachnutzung für Intersport Krumholz zu finden, ist noch völlig offen. Der lange Vorlauf ist nach Angaben der Geschäftsleitung jedenfalls bewusst gewählt, um Interessenten für die eigene Immobilie zu finden. Und ebenfalls dafür, dass sich Mitarbeiter umorientieren können. Nicht auszuschließen, dass die Immobilie auch ganz anders genutzt wird. Zur Erinnerung: Die ehemaligen Häuser von C&A bzw. Kaufhaus Claus wurden komplett umgewandelt. In dem einen entstehen derzeit exklusive Wohnungen. Die andere Immobilie wurde in kleinere Einheiten umgewandelt und an mehrere Einzelhändler vermietet.

FF

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10.10.2019 08:46 Uhr
Wally Karl

"Die Art und Weise der Verkündung dieser Nachricht und die fehlende Information und das nicht suchen von Gesprächen mit den Verantwortlichen unserer Stadt im Vorfeld der Veröffentlichung dieser Entscheidung, halte ich für einen ausgesprochen schlechten Stil“, erklärte Martin Hahn".
Vielleicht war die Geschäftsleitung von den unrühmlichen und grotesken Verhandlungen mit der Stadt Mayen und deren Verhalten bei der Standortverlegung innerhalb von Mayen schon so geprägt, dass sie dieses Szenario mit Neuwied nicht noch einmal durchleben wollte, was man gut verstehen kann, und hat einfach gehandelt. Die Politik sollte wirklich mal mit dem Bürger sprechen, auch mit dem unternehmerischen und nicht immer mit sich selbst.



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