Stadtrat entschied sich für Kontinuität
Jährlich sollen zwei Persönlichkeiten mit einer Erinnerungstafel geehrt werden
Karl Marx und Johannes Brahms sind die Ersten - Stadtrat legt die Kriterien fest und möchte Tafeln aus Sicherheitsglas
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Karl Marx und Johannes Brahms sind die Ersten, doch viele weitere sollen noch folgen: Der Stadtrat beschloss mehrheitlich, jedes Jahr zwei bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte, die ihre Spuren in Bad Neuenahr-Ahrweiler hinterlassen haben mit jeweils einer Erinnerungstafel zu ehren. Die Erinnerungstafeln aus Sicherheitsglas sollen an den Gebäuden angebracht werden, in denen sich die jeweiligen Persönlichkeiten aufgehalten haben. Zugleich legte das Gremium Kriterien fest, nach denen die zu ehrenden Persönlichkeiten ausgewählt werden.
Schon in seiner Dezembersitzung hatte der Stadtrat beschlossen, dieses Jahr sowohl für Karl Marx als auch für Johannes Brahms je eine Erinnerungstafel an einem noch festzulegenden Ort anzubringen. Außerdem sollten Kriterien erstellt werden, auf deren Grundlage zukünftig Persönlichkeiten für die Nennung auf einer Erinnerungstafel im Stadtgebiet von Bad Neuenahr-Ahrweiler ausgewählt werden können.
Marx machte Kur im Heilbad
Die Glastafel zu Ehren von Karl Marx (1818-1883) soll laut Beschluss am ehemaligen Hotel Flora, der heutigen Stadtverwaltung in der Hauptstraße 116, angebracht werden. Dort hatte Marx sich zusammen mit seiner Frau Jenny und seiner Tochter Eleanor aufgehalten, als er vom 11. August bis 2. September 1877 im Heilbad Neuenahr zur Kur war und von Dr. Richard Schmitz in der früheren Villa Schmitz in der Mittelstraße 31 behandelt wurde. CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Kniel machte allerdings noch einmal deutlich, dass seine Fraktion gewisse Probleme mit dieser Persönlichkeit habe. „In seinem Werk kann man Äußerungen finden, die mit unserem Menschenbild nicht kompatibel sind, dennoch ist Karl Marx eine wichtige Person der Weltgeschichte.“ Und für das, was nach seinem Tod in seinem Namen geschehen sei, könne man ihn nicht verantwortlich machen.
Die Tafel für Johannes Brahms (1833-1897) soll am Steigenberger Kurhotel im Bereich des ehemaligen historischen Hotelgebäudes angebracht werden. Brahms konzertierte zusammen mit Julius Stockhausen am 25. Juli 1868 anlässlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Jubiläum der Quellenweihe des Heilbades im früheren großen Saal des Kurhotels, der heute nicht mehr existiert. Während seines Aufenthaltes wohnte er im damaligen Hotel Gillissen in der Hochstraße 10.
Lange Liste mit Persönlichkeiten
Um die Kriterien für eine künftige Ehrung mit einer Erinnerungstafel festzulegen, hatte die Stadtverwaltung eine vorläufige Liste mit Persönlichkeiten angelegt, die in irgendeiner Weise mit dem Stadtgebiet von Bad Neuenahr-Ahrweiler verbunden sind. Daraus ergaben sich im wesentlichen drei Gründe, die den Aufenthalt von Personen im Stadtgebiet bestimmt haben. Zum einen die Geburt: Menschen, die im Stadtgebiet geboren sind und die für die Stadtentwicklung einen herausragenden Beitrag geleistet haben sowie über die Region hinaus bekannt geworden sind. Beispiele hierfür sind Pitt Kreuzberg, Carl Weisgerber, Carl von Ehrenwall, Georg Kreuzberg oder Cyrillus Jarre.
Zum zweiten der persönliche Lebensweg: Persönlichkeiten von über Stadt und Region weit hinausgehender Bekanntheit, die von außen ins Stadtgebiet gekommen sind, Lebensspuren hinterlassen haben oder mit Menschen in der Stadt freundschaftlich und familiär verbunden waren.
Beispiele hierfür sind Prinzessin Augusta, Heinrich Böll, Ludwig van Beethoven, Peter Friedhofen, Andreas und Carl Müller, Frieda Nadig oder Emma Trosse.
Schließlich noch der Grund: Beruf und Interessen. Damit sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Religion, Politik, Medizin, Literatur, Kunst, Musik und Wissenschaft gemeint, die aus unterschiedlichen Gründen ins Stadtgebiet gekommen sind und sich für einen kürzeren Zeitraum entweder aus beruflichen oder persönlichen Gründen hier aufgehalten haben. Hierzu zählten Menschen wie Gottfried Kinkel, Nicolas Ponsart, Carl Simrock, Fritz von Wille, Peter Joseph Lenné, Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß, Ludwig Erhard, Josephine Baker, Romy Schneider, Hildegard Knef, Max Schmeling, Willi Millowitsch, Karl Kardinal Lehmann oder Hans-Dietrich Genscher.
Härter, kratzfester und brandsicherer
Aus der Vielzahl der infrage kommenden Persönlichkeiten soll nun die Verwaltung jährlich die entsprechenden Informationen den Gremien zur Beratung und Beschlussfassung vorlegen.
Damals hatte man auch schon festgelegt, dass die Erinnerungstafeln aus Acryl zu fertigen sein, doch dies wurde mittlerweile wieder verworfen. Man hatte nämlich festgestellt, dass das Material schnell verkratzt, nicht brandsicher sei, sich schlecht reinigen lasse und nach einiger Zeit matt werde. Deshalb bevorzuge man Sicherheitsglas, weil dieses insgesamt härter, kratzfester und brandsicher sei, sich gut reinigen lasse optisch wertiger erscheine. Dafür sei es allerdings auch etwas teurer und schwerer als Acryl. Dennoch schloss sich der Rat diesem Änderungsvorschlag an.
JOST
